Generell verbessere sich die Lage von Tag zu Tag durch "das Abnehmen der Nachwärmeleistung"
Aachen - Die Kernschmelze in zwei weiteren Fukushima-Reaktoren macht die Lage in der japanischen Atomruine nach Expertenansicht nicht gefährlicher. "Daraus resultiert schon gar kein GAU", sagte Reaktorexperte Hans-Josef Allelein am Dienstag. Zuvor hatte der Kraftwerksbetreiber Tepco zugegeben, dass der Kernbrennstoff auch in den Fukushima-Reaktoren 2 und 3 bereits Mitte März teilweise geschmolzen ist.
"Die Situation in Fukushima wird dadurch nicht gefährlicher", sagte der Leiter des Lehrstuhls für Reaktorsicherheit und -technik der Universität Aachen. Generell verbessere sich die Lage von Tag zu Tag durch "das Abnehmen der Nachwärmeleistung" - also dadurch, dass der Kernbrennstoff allmählich abkühle. Die größte Gefahr für Fukushima sieht Allelein in einem erneuten Erdbeben.
Allerdings werde es nach einer Kernschmelze schwieriger, die deformierten Elemente aus den Reaktoren zu bergen - falls dies jemals geschehen werde. "Das Rausholen der Brennelemente ist deutlich komplizierter und birgt auch ein erhöhtes Gefahrenpotenzial."
Überraschendes Geständnis
Das Eingeständnis von Tepco, dass die Brennelemente nicht nur im ersten Reaktorblock des Atomkraftwerks Fukushima eins geschmolzen sind, kam für Allelein nicht überraschend. "Das ist der Zustand, den die Fachwelt erwartet hat", sagte er. "An der Wasserstoffexplosion in Block drei hat man bereits erkennen können, dass es in den Blöcken zu partiellen Kernschmelzen gekommen ist." Explosionen dieser Art deuteten immer auf Schmelzprozesse hin.
Auch Schätzungen zum Verhältnis der Leistung der Blöcke mit der darin enthaltenen Menge an Kühlwasser hätten den Schluss zugelassen, dass es nicht nur in Block 1 zu einer partiellen Schmelze gekommen ist. Dieses Verhältnis sei in den Blöcken 2 und 3 schlechter als im ersten Block, erläuterte der Experte. Fukushima war am 11. März durch ein schweres Beben und einen anschließenden Tsunami stark beschädigt worden. (APA)