"Aus dem Leben leiden"

Würdevoll sterben, auch mit Demenz

24. Mai 2011, 12:16
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    foto: apa/thomas kienzle

    Der Sterbeprozess vollzieht sich bei dementen Menschen graduell und ist daher schwer vom allgemeinen altersbedingten Abbau zu unterscheiden.

Eine große Herausforderung für Ärzte, Pfleger und Angehörige: Die Versorgung sterbender Demenzpatienten

Köln - Der Freitod von Gunter Sachs, vermutlich aufgrund der Diagnose Alzheimer begründet, hat ein großes Medienecho ausgelöst - häufig mit dem Tenor, dass Sachs in Würde sterben wollte. „Leider ist in der Öffentlichkeit das Bild entstanden, dass der Sterbeprozess mit der Diagnose Alzheimer einem ‚aus dem Leben leiden' entspricht. Tatsächlich aber ist ein würdevolles Ende des Lebens auch mit Demenz möglich", erklärt Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratorium Deutsches Altershilfe (KDA). „Ein Sterbeprozess, bei dem sich Menschen nach und nach vom Leben verabschieden können, ist das letzte Geschenk des Lebens." Allerdings muss die Versorgung sterbender Menschen mit Demenz dringend verbessert werden, wie eine Tagung des KDA gezeigt hat: Sterbende Menschen mit Demenz werden besonders häufig falsch behandelt.

An der KDA-Tagung „Demenz und Sterbebegleitung - Was gibt es Neues?" am 12. Mai nahmen Praktiker, Wissenschaftler und Mediziner teil. Bei ihr wurde deutlich, dass psychosoziale, spirituelle und medizinische Maßnahmen zu selten koordiniert eingesetzt werden, um Demenzpatienten bei ihrem Sterbeprozess zu begleiten. Das KDA fordert, dass die spezialisierte ambulante Palliativersorgung (SAPV) nach § 37b SGB V ausgebaut wird.

Graduelles Sterben

Die Versorgung sterbender Menschen mit Demenz stellt Ärzte, Pfleger und Angehörige vor viele Schwierigkeiten. Der Sterbeprozess vollzieht sich bei Menschen mit Demenz graduell, ist kaum vom allgemeinen altersbedingten Abbau zu unterscheiden. Akute Verwirrtheit beispielsweise kann ein Anzeichen für Schmerz sein, wird aber leicht mit den Symptomen von Demenz verwechselt. Dadurch werden die Schmerzen sterbender Menschen oft nicht erkannt und nicht behandelt. Zudem sind Angehörige immer wieder mit der Situation überfordert und rufen einen Notarzt oder weisen den Bewohner eines Alten- und Pflegeheims ins Krankenhaus ein. „Diese Maßnahmen sind oft unnötig. Noch dazu stellen sie gerade für Menschen mit Demenz eine große Belastung dar, die Patienten reagieren oft mit akuter Verwirrtheit", sagt Gerlinde Strunk-Richter, Leiterin des Bereichs Demenz im KDA.

Viele der Probleme könnten gelindert werden, indem Ärzte, Pfleger und pflegende Angehörige durch Maßnahmen der SAPV unterstützt würden. Bei der SAPV werden je nach Bedarf auch Leistungen von Seelsorgern, Sozialarbeitern, Psychologen, etc., besonders im Bereich der Schmerztherapie und der Symptomkontrolle, angefordert. Dadurch können schwerstkranke und sterbende Menschen auch mit Demenz häufiger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Palliative Care Teams koordinieren die spezialisierte ambulante Palliativ Versorgung. Derzeit können keine genauen Angaben zur Anzahl existierender SAPV-Verträge gemacht werden. Praxisberichte legen nahe, dass die Situation von Bundesland zu Bundesland variiert. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es aktuell acht Pallitativ Care Teams für Erwachsene und vier für Kinder und Jugendliche.

Das KDA fordert, dass entsprechende Verträge flächendeckend abgeschlossen und realisiert werden. Auch die geriatrische Versorgung hochaltriger und Menschen mit Demenz müsse in die Maßnahmen eingebunden werden, so Strunk-Richter. Hier sollten Möglichkeiten im Rahmen der integrierten Versorgung nach § 140a-d SGB V geprüft werden. (red)

Kommentar posten
20 Postings
Samhain
00
27.5.2011, 08:14

Dement und würdevoll sterben ist natürlich möglich, aber nicht realistisch, wo jetzt immer mehr gespart wird.

mbli
21
25.5.2011, 16:01
dement sterben und würdevoll ist ein widerspruch in sich.

noexist
 
11
25.5.2011, 08:45

Ich glaube überhaupt das Hauptproblem bei Demenz ist, dass vor allem die Angehörigen und dadurch auch die unmittelbar Betroffenen nicht akzeptieren können, dass sich etwas verändert und der demente Mensch nicht mehr "normal" ist.
Ich habe als Heimhelfer öfter mit dementen Menschen zu tun und wenn man ihre "andere" Welt akzeptiert (wie man das ja auch bei Kindern ganz selbstverständlich macht) ist es meist für beide Seiten kein allzugrosses Problem, bis halt wieder die Angehörigen mal vorbeischauen ;-)
Siehe auch Nonnenstudie --> de.wikipedia.org/wiki/Nun_study

Tethys
00
25.5.2011, 13:59

Sie empfinden und handeln aus einer völlig anderen Position heraus als Angehörige, die noch dazu eine emotionale Bindung mit dem Patienten haben, die Sie gar nicht aufbauen sollten, um Ihre Arbeit mehr als nur ein Jahr lang machen zu können.

Angehörige erleben, wie ein geliebter Mensch, der sie ein Leben lang begleitet hat, der sie umsorgt und begeistert hat, in die Hilflosigkeit eines Kindes zurückfällt - zusätzlich aggressiv und beleidigend werden kann (da der Patient aus seiner Warte von Fremden umgeben ist). Als Angehöriger ist so etwas schlimm, weil sie den Menschen immer noch lieben, auch wenn er Ihnen die fiesesten Sachen an den Kopf wirft, kratzt und beißt. Abgesehen davon, dass er sie nicht mehr erkennt.

noexist
 
00
28.5.2011, 14:35

Da haben sie absolut recht.
Aber ohne Akzeptanz von Veränderung gehts im Leben und in der Natur nun mal nicht. Das ist ja die eigentliche Tragödie von uns Menschen.

F.S.K
00
25.5.2011, 13:09

ist ja ein unterschied: die angehörigen sehen wie ein mensch, der ihnen vermutlich viel wert ist verfällt.
Sie sehen die person aber im kranken zustand das erste mal. dass man da einen anderen zugang hat ist klar.
bei dementen sieht man nur verschlechterungen, hingegen beim kind nur verbesserungen. beim kind wird die mühe also belohnt.

noexist
 
01
25.5.2011, 08:54
Ein Witz zum Thema:

Treffen sich zwei Frauen. Fragt die eine: "Wie gehts?". Darauf die andere: "Geht schon so. Ich habe zur Zeit viel zu tun, weil ich eine Angehörige betreuen muss, die viel Zuwendung erfordert. Sie schläft sehr unregelmäßig, braucht bei allem meine Unterstützung, wenn das Essen nicht schmeckt wirft sie es einfach auf den Boden und Windeln wechseln muss ich auch ständig".
Die erste: "Oh Gott, oh Gott, sie Arme!"
Drauf die andere "Naja, aber eigentlich macht sie mir auch viel Freude meine kleine Tochter".

astemp79
54
24.5.2011, 21:36
Was bedeutet Demenz?

Der Schulmedizin gänzlich unbekannt, aber auch der gesamten von dieser "Wissenschaft" geprägten Gesellschaft nicht beachtet - was dieser Artikel auch sehr schön und treffend zeigt -, ist: Der Demente, der Alzeimer-Kranke, der Apalliker (Wachkoma-Patient): sie sind vollkommene Menschen, in ihrem Körper gefangen. Man kann sie ansprechen und ihnen auch in dieser Phase ihres Lebens nahekommen, wenn man es selbst zulässt.
Dazu muss man akzeptieren, dass der Kranke ein ganzer Mensch mit allen Sinnen ist, der hört und empfindet. Wenn so ein Mensch im Sterben liegt, tun wir ihnen den größten Dienst, wenn wir sie als vollständig wahrnehmen, ganz bei ihnen sind.
Wwir sind vollständig - in jedem Moment unseres Lebens. Bis zum letzten Augenblick hier.

FranzKpunkt
01
25.5.2011, 11:14

Ein Demenzkranker ist im Vergleich zu dem was er früher war unvollständig. Und es gibt massive Unterschiede zwischen Demenz und Wachkommapatienten. Abgesehen davon haben sie recht.

Got Your Noes!
01
25.5.2011, 06:59

demenz, der schulmedizin völlig unbekannt.

geh bitte.

eagle13
 
20
24.5.2011, 18:40
Morbus Alzheimer ist eine Mode Diagnose. Alzheimer charakterisierte die Erkrankung als präseniele Demenz, welche vor dem 60 Lebensjahr auftritt. Eine später auftretende demenzielle Erkrankung nur noch postmortem in einer Obduktion nachgewiesen werden

Von daher ist bei einem 78 jährigen wohl die Diagnose einer Erkrankung aus dem demenziellen Formenkreis stellbar, aber nicht die des M. Alzheimer. Da generell mit dem MMT (minimentel mind test) diagnostiziert wird. Durch diese synonymale Verwendung einer Untererkrankung mit ihrer Überklasse werden Behandlungs und Therapieansetze verdrängt. Denn in nicht so wenigen Fällen liegt der "D." eine organische Ursache zu grunde ich kann nur aus eigener Erfahrung schreiben, aber ich würde bei mindestens 10 % eine organische Ursache in Betracht ziehen niedrig geschätzt sind dies 10.000 Patienten z.B. Niere, Elektrolyte, Wasser, Kreislauf usw. Denn eine Komponente mit Beteiligung des Gehirns haben viele Erkrankungen und auch nicht jede D. ist gleich

Tronje
01
24.5.2011, 20:15

Ich glaube, sie verwechseln da einiges: Natürlich kann ein Alzheimer Krankheit (nicht Alzheimer Demenz) in einem späteren Alter in Erscheinung treten, aber mit einem MMSE ("minimental state examination"; das meinen Sie denke ich), wird keine Demenz diagnostiziert. Zur Diagnostik wird eine organische Ausschlussdiagnose durchgeführt (Lues, Borreliose, Schilddrüse, etc) bei vorliegen eines Demenzsyndroms, erst durch den Ausschluss kann man die Diagnose einer "möglichen" AK stellen, mit einer Bildgebung, Neuropsychologie, Liquorpunktion wird die Diagnose einer "wahrscheinlichen" AK gestellt. Eine definitive Diagnose wird nur postmortem gestellt.
Davon zu unterscheiden ist das Delir (mit kognitiver Strg) , welches immer eine organische Ursach

eagle13
 
00
25.5.2011, 06:06
Nein Alzheimer wird nur immer weiter gefaßt und seitens des medizinischen Personals liegt eine Fixierung auf Alzheimer vor, dies ist z.B. eine Folge der Alzheimer Gesellschaft und wird durch diese unter der Hand auch zugegeben. Sinnvoller wäre die

Stärkung der allgemeinen Demenzforschung und die zwingende ausschluss Diagnostik. Weil vielfach Alzheimer als eine mit dem Alter assozierte Erkrankung gesehen wird deren Ausbruch als ab einem bestimmten Alter "normal" ist.
Komplett nachweisbar ist sie nur im Histopathologischen Korrelat der Alpha-Amyloidplaques im Gehirn.

Emiliano Zapata
 
03
24.5.2011, 13:43
demenz und alzheimer sind aber zwei paar schuhe

meine oma war dement bis zum gehtnichtmehr. sie hat in ihren letzten jahren niemanden mehr wirklich erkannt, ihren mann zb für ihre mutter gehalten etc... natürlich war es wichtig, auch in ihren letzten jahren ihr nicht die würde zu nehmen - aber das ist einfach sehr, sehr schwierig, weil man kaum noch auf die bedürfnisse der menschen eingehen kann - sie können sie einfach kaum noch artikulieren...

GE
03
24.5.2011, 14:04

2 Paar schuhe?
Alzheimer ist die häufigste Demenzform.
Morbus Alzheimer ist somit eine Demenzerkrankung!

Tethys
01
24.5.2011, 14:46

Demenz ist der Überbegriff, Morbus Alzheimer eine spezielle Ausprägung. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Demenzerkrankungen liegt in Ursache und Verlauf.

postfuchs3
00
24.5.2011, 12:52
e

Der Waehlerwille
 
13
24.5.2011, 15:46
es ist so schwer sich jetzt ein Antwortposting zu verbeissen in dem die Wörter "vergessen" und "Text" vorkommen :-/

postfuchs3
00
25.5.2011, 08:01
sehr witzig!

dieses Thema berührt mich so sehr (da ich in einem Pflegeheim ehrenamtlich tätig bin), dass es mir einfach nicht gelingt die richtigen Worte zu finden. Ich habe wohl zu spät bemerkt, dass ich da etwas gespeichert habe.
Bitte untertänigst um Verzeihung!

so is des nämlich
00
25.5.2011, 10:43
ja eh... ;)

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