Der R2-D2 des Vorgartens

23. Mai 2011, 18:29
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Robo-Rasenmäher boomen, haben aber auch Nachteile

Wien - Er fühlt weder Mitleid noch Reue noch Schmerz, und er wird vor keinem Halm halt machen. Was ihn vom Terminator unterscheidet, ist, dass er es ausschließlich auf Gras abgesehen hat. Bis vor kurzem nur in Gärten gutbetuchter Villen- oder Schlossbesitzer gesichtet, sind Rasenmäher-Roboter nun schon die Stars in vielen Gartenabteilungen und erobern von dort aus rasant die Gärten dieses Landes.

Billig sind die schnurrenden Selbstfahrer, die, wenn ihnen der Saft ausgeht, auch eigenständig den Weg in die Akku-Ladestation finden, aber nicht. 1000 Euro sind in etwa die Untergrenze, Geräte in dieser Preisklasse sind aber schon überfordert, wenn die zu rasierende Fläche größer als 400 Quadratmeter ist. Für Gärten ab 1000 Quadratmeter, und vor allem wenn der Elektromotor kleine Berg- und Talfahrten schaffen soll, müssen bis zu 4000 Euro ausgelegt werden. Zum Vergleich: Aufsitzrasenmäher mit Verbrennungsmotoren gehen im Großfachhandel ab knapp unter 1000 Euro ins Preisrennen.

Einsatzbefehl per SMS

Doch die Verheißung, keinen Handstrich mehr machen zu müssen, spricht immer mehr Fans des englischen Rasens an. Und der bei manchen Geräten mögliche Einsatzbefahl per SMS lässt auch Freunde des Fortschritts frohlocken. Sarah C. aus Obergrafendorf bei St. Pölten ist dennoch ein wenig enttäuscht. Dass der Robo länger braucht, als ein von Menschenhand geführter Mäher, ist ihr egal. "Aber in meinem verwinkelten Garten bleibt halt schon viel stehen, vor allem in Ecken und in Bereichen, die zu schmal für den Automaten sind."

Um zu verhindern, dass der R2-D2 des Vorgartens sich auch bei den Nachbarn umschaut oder überhaupt das Weite sucht, gibt es verschiedene Systeme: alles einzäunen (auch Beete und Pflanzen, die nicht überrollt werden sollen), das Gerät setzt bei Widerstand zurück und seine zufällig gewählte Route fort. Viele Modelle werden mit Stromimpulsen aus einem Begrenzungsdraht im Zaum gehalten. In der Königsklasse kann dem Elektroschaf via Computer ein genauer Plan der virtuellen Weide eingeschärft werden. Autostopp vor sich bewegenden Hindernissen in Fahrtrichtung haben alle.

Profi-Rasenstutzer setzen aber weiterhin auf das Duo Mensch/Maschine. Und so werden auch auf den 604.000 Quadratmetern des Wiener Donauparks bis auf weiteres keine Roboter die Rasenspitzen terminieren. "Unsere Mitarbeiter erledigen das besser", heißt es beim Stadtgartenamt. (Michael Simoner, DER STANDARD-Printausgabe, 24.5.2011)

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    Robo für den Rasen: Modelle wie dieses sind gut einen Meter lang und haben drei Messer unter der Haube.

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