Leitl beklagt Frust - "Grüne" Unternehmerin Langthaler: "Viele sind auf der Suche"
Wien - Eine Wirtschaftspartei für die Wirtschaft? So mancher Wirtschaftstreibende kokettiert damit ganz offen. Sie werde nicht nötig sein, meint dagegen der Präsident des ÖVP-Wirtschaftsbunds Christoph Leitl. Er führt die Gelüste nach einer neuen Partei viel mehr auf den "Stillstand, der in den vergangenen ein, zwei Jahren spürbar war" zurück: "Das hat natürlich zu Frust geführt, und im Zuge dieses Frusts sind solche Ideen aufgetaucht, aber ich bin überzeugt, die Kernkompetenz der ÖVP ist die Wirtschaft, und wenn wir die verstärken und ausbauen und auch einiges an Reformvorhaben angehen, dann wird das nicht notwendig sein", sagt Leitl im Gespräch mit dem STANDARD.
Auch der Politologe Peter Filzmaier glaubt eher daran, dass die Frustration in Unternehmerkreisen die Diskussion um die Gründung einer eigenen Wirtschaftspartei angefacht hat. Filzmaier: "Ich denke, so wirklich ernst meint das niemand. Die Chancen, als reine Wirtschaftspartei zu reüssieren, sind ja gering." Dazu sei das Spektrum viel zu eng.
Die "grüne" Unternehmerin Monika Langthaler wäre prinzipiell für eine neue Partei zu haben. Langthaler sagt im STANDARD-Gespräch: "Eine linksliberale Partei würde mich durchaus abholen. Viele sind momentan auf der Suche und frustriert oder leicht resigniert. Dazu zähle auch ich. Aber eine reine Wirtschaftspartei hat keine Chance."
Wirklich realistisch sei eine neue Partei grundsätzlich nicht, denn allein der Gründungsvorgang sei enorm schwierig. "Eine neue Partei wäre zu Beginn einmal vor allem mit sich selbst beschäftigt", sagt Langthaler: "Ich weiß, was es heißt, eine Partei zu gründen, ich war bei der Entstehung der Grünen dabei. Das war die letzte wirklich erfolgreiche Parteigründung." Diese sei "von unten" entstanden, alle anderen, auch die jetzt angedachte, seien wenig erfolgversprechende "Top down" -Produkte aus den etablierten Parteien, ergänzt Peter Filzmaier.
Dennoch, es müsse sich "etwas tun", sagt Langthaler. Es gebe "für die vielen Unzufriedenen" kein Angebot, SPÖ und ÖVP seien für junge Wähler "nicht mehr erreichbar". Sie müssten sich radikal für die junge Generation öffnen. Dies gelte "aber auch für die Grünen". (Walter Müller, Lisa Nimmervoll/STANDARD-Printausgabe, 24.5.2011)