Wähler-Frust

"Eine reine Wirtschaftspartei hat keine Chance"

23. Mai 2011, 17:51

Leitl beklagt Frust - "Grüne" Unternehmerin Langthaler: "Viele sind auf der Suche"

Wien - Eine Wirtschaftspartei für die Wirtschaft? So mancher Wirtschaftstreibende kokettiert damit ganz offen. Sie werde nicht nötig sein, meint dagegen der Präsident des ÖVP-Wirtschaftsbunds Christoph Leitl. Er führt die Gelüste nach einer neuen Partei viel mehr auf den "Stillstand, der in den vergangenen ein, zwei Jahren spürbar war" zurück: "Das hat natürlich zu Frust geführt, und im Zuge dieses Frusts sind solche Ideen aufgetaucht, aber ich bin überzeugt, die Kernkompetenz der ÖVP ist die Wirtschaft, und wenn wir die verstärken und ausbauen und auch einiges an Reformvorhaben angehen, dann wird das nicht notwendig sein", sagt Leitl im Gespräch mit dem STANDARD.

Auch der Politologe Peter Filzmaier glaubt eher daran, dass die Frustration in Unternehmerkreisen die Diskussion um die Gründung einer eigenen Wirtschaftspartei angefacht hat. Filzmaier: "Ich denke, so wirklich ernst meint das niemand. Die Chancen, als reine Wirtschaftspartei zu reüssieren, sind ja gering." Dazu sei das Spektrum viel zu eng.

Die "grüne" Unternehmerin Monika Langthaler wäre prinzipiell für eine neue Partei zu haben. Langthaler sagt im STANDARD-Gespräch: "Eine linksliberale Partei würde mich durchaus abholen. Viele sind momentan auf der Suche und frustriert oder leicht resigniert. Dazu zähle auch ich. Aber eine reine Wirtschaftspartei hat keine Chance."

Wirklich realistisch sei eine neue Partei grundsätzlich nicht, denn allein der Gründungsvorgang sei enorm schwierig. "Eine neue Partei wäre zu Beginn einmal vor allem mit sich selbst beschäftigt", sagt Langthaler: "Ich weiß, was es heißt, eine Partei zu gründen, ich war bei der Entstehung der Grünen dabei. Das war die letzte wirklich erfolgreiche Parteigründung." Diese sei "von unten" entstanden, alle anderen, auch die jetzt angedachte, seien wenig erfolgversprechende "Top down" -Produkte aus den etablierten Parteien, ergänzt Peter Filzmaier.

Dennoch, es müsse sich "etwas tun", sagt Langthaler. Es gebe "für die vielen Unzufriedenen" kein Angebot, SPÖ und ÖVP seien für junge Wähler "nicht mehr erreichbar". Sie müssten sich radikal für die junge Generation öffnen. Dies gelte "aber auch für die Grünen". (Walter Müller, Lisa Nimmervoll/STANDARD-Printausgabe, 24.5.2011)

Kommentare:

Pro: "Klare Interessenlage" von Conrad Seidl

Contra: "Gegen das eigene Interesse" von Michael Völker

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Posting 1 bis 25 von 84
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Buntspecht12
04
26.5.2011, 11:16
Es braucht weniger eine neue Partei

also zuerst vielmehr eine neue Bewegung.
Eine neue "Hainburg Bewegung" für mehr Demokratie, Kontrolle und Bürgermitbestimmung.
Interessantes Interview dazu hier:
http://ichmachpolitik.at/questions/1161
Es gibt es hunderte Kleinparteien in Österreich von denen viele recht vernünftige Ansätze haben. Nur im Sog einer echten Bürgerbewegung würden sich diese Parteien vielleicht zusammenschließen und könnten was bewegen. Also: bewegen wir und - bewegen wir auch Österreich!

Peter Eichorn
02
26.5.2011, 11:37
das mit der Bewegung hat was

und würde auch den Zeitgeist (Nordafrika, Spanien, Naher Osten,....) treffen. Nur geht es uns noch zu gut als dass sich die Leute aus dem Fernsehsessel "erheben" und sich "bewegen". Aber - es gärt zumindestes schon im Volk.....

cantanto
30
25.5.2011, 15:32
Herr Leitl irrt:

Die ÖVP ist zu einer Missgeburt aus einer schlechteren SPÖ und einer zahnloseren FPÖ mutiert.

Der ÖAAB hat übernommen. Und neben der ÖGB-SPÖ braucht dieses Land ganz sicher keine weitere Abreitsverhindererpartei!

Auch die rechten Anwandlungen können Unternehmer nur abschrecken, da Österreich DRINGEND qualifizierte Zuwanderer bracht, um in den kommenden 20 Jahren nicht vollkommen an Boden zu verlieren.

Daher brauchen wir sehr wohl eine weltoffene, sozial-orientierte Wirtschaftspartei mit intelligenten Köpfen, die fähig sind langfristige Strategien auszuarbeiten und umzusetzen!

Buntspecht12
04
26.5.2011, 11:24
niemand - ausser Turbokapitalisten - braucht eine Wirtschaftspartei

Wozu zusätzlich eine Wirtschaftspartei, wenn die Wirtschaft die bestehenden Parteien eh schon dominiert? Die Unzufriedenheit der BürgerInnen resultiert ja daraus, dass die Politik mehr auf die Forderungen großer Konzerne und Banken, bzw. deren Manager und Aktionäre Rücksicht nimmt und weniger auf die Bedürfnisse der BürgerInnen, welche die Unternehmern und Banken am Leben halten (müssen).
Also cantano: Sie sind am Holzweg.

Susanne Starkl
02
26.5.2011, 11:32
Buntspecht

Sie haben Recht - und Leitl hat auch Recht. Leitl fällt mir immer öfter positiv auf - er wird für seine doch oft recht vernünftigen Ideen von der ÖVP wohl bald abgeschossen werden. Was Ehrenhauer in dem Interview sagt klingt für mich auch logisch und vernünftig. Einfach eine neue Partei anmelden bringt nix wenn keine entsprechende Bewegung dahinter steht. Frage ist nur, WER einer solchen Bewegung ein ehrliches Gesicht verleihen kann, wie es bei Hainburg z.B. Nenning und Meissner Blau waren.

Walter J. Ferstl
00
25.5.2011, 10:41
"Leitl beklagt Frust"

Na, dann ist er halt frustriert, der Leitl.

So frustriert wie die kleinsten unter den Zwangsmitgliedern der WKO, die Inhaber der Einpersonenbetriebe, kann er gar nicht sein.

Letztere bezahlen Kammerumlagen, und das nicht zu knapp, ohne auch nur das geringste Brauchbare von der WKO zu bekommen.

breiter
00
26.5.2011, 09:47
Zuschuß

Bauern 50 %
Unternehmer 50%
ASVG ~0%

fairerweise muss man sagen das viele Unternehmen die ersten jahre in ASVG einzahlen und sich erst später selbständig machten ...

http://www.zpa.at
20
25.5.2011, 13:24

wie hoch ist der prozentuelle Anteil der SVA- Pensionen, der aus dem Steuertopf gedeckt werden muss ?

Walter J. Ferstl
00
25.5.2011, 17:40
Meines Wissens

erzielt die SVA seit Jahren Überschüsse, als einzige der öffentlichen Kassen in Österreich.

Ich sehe es nicht als Aufgabe einer Sozialversicherungsanstalt, Überschüsse zu erzielen.

mikromalist
 
11
24.5.2011, 20:37
Ich bin prinzipiell

gegen eine WiPartei, weil ich jede Klientel-Partei für gefährlich halte.
Aber aus sportlichen Gründen, klingt es reizvoll. Allein um Leitl und seine WKO schlottern zu sehen.
Seine WKO, die so wirtschaftsfördernd ist, wie ein Schlafmittel erregend.

http://www.zpa.at
11
24.5.2011, 16:56

jede neue Partei, die nicht die Länderverwaltungen auflösen und die Gemeinden zusammenlegen will,

jede solche Partei steigert lediglich die Erderwärmung.

ricko
00
24.5.2011, 20:02
die von ihnen ausgehende entropie auch

jetzt antworten sie doch endlich auf meine fragen:

- welches globalwirtschaftliche modell betrachtet die ZPA als angebracht? (bitte keinen link mehr auf einzelne symptombekämpfungsmaßnahmen)

- wo sieht sich die ZPA am politischen kompass?

http://www.zpa.at
20
24.5.2011, 22:54

unsere Position am politischen Kompass wollens wissen ? - da haben wir in der Kopfzeile auf www.zpa.at einen Link eingebaut, der heißt "Programm", wenns da draufklicken, dann kommens zur ultrakurzen Programmübersicht, aus deren ersten sechs Punkten klar erkenntlich ist, dass sich die ZPA deutlich von allen anderen Parteien im derzeitigen politischen Spektrum unterscheidet, - die Position könnens dann selber bestimmen.

Peter Eichorn
02
26.5.2011, 11:48
Eure Partei war mir bislang unbekannt

und was mir fehlt ist das Bekenntnis zu mehr und direkter Demokratie. Über das Thema einer stärkeren Mitbestimmung des Souverän, einer stärkeren Kontrolle durch den Souverän und eines sozialen Ausgleiches habe ich überhaupt nix gefunden. Ebenso nix darüber, dass Volksabstimmungen verpflichtend sein sollen und dem Souverän mehr Mitspracherecht eingeräumt werden soll.
Was ihr wollt ist weniger Staat und mehr privat und die Schwächung der Gewerkschaften. Zumindest lese ich das so zwischen den Zeilen raus. Nix für mich, da könnte ich gleich ÖVP oder FPÖ wählen.

ricko
00
25.5.2011, 00:20
schauns, ich bin euch, da ich euch nicht kenne, nicht negativ eingestellt, für den fall, dass dies so rübergekommen sein sollte.

die programme hören sich auf einer partei-homepage immer schlüssig an, eine politische ausrichtung kann ich aber erst ausmachen, wenn sie nicht ständig meiner frage ausweichen sondern diese klar beantworten:

welches wirtschaftsmodell kommt für die ZPA in frage?
oder gibt es (noch) keines? aber bitte eine antwort und drücken sie sich nicht weiter, die poster erkennen das schnell und deren meinung von inhaltsleeren oder fragenausweichenden phrasendreschern ist gleichsam effektiv schnell gebildet. zynische verweise auf hp links lass ich auch nicht gelten, da nirgends ein wirtschaftsmodell favorisiert oder überhaupt angesprochen wird.

ich bitte freundlichst um eine antwort

http://www.zpa.at
20
25.5.2011, 11:03

ich kann Sie nur freundlich darum bitten, unsere Wirtschaftsseiten beginnend mit http://www.zpa.at/index.php... chaft.html zu lesen, ich bin leider nicht imstande, unser umfangreiches Wirtschafts- Konzept hier im Forum ausführlich darzulegen.

die elster
 
01
26.5.2011, 08:42
Sie sollten sich vielleicht ...

... in diese richtung instandsetzen. Ihre selbstreduktion auf eine wegweiserfunktion zur zpa-homepage spricht zwar für Ihre bescheidenheit, ist aber im rahmen der politischen werbung sicher nicht von vorteil.

hahe
01
24.5.2011, 14:46
es krankt nicht an der wirtschaft an sich

die mag ja nicht so schlecht sein, wenn man den analysten glauben darf, es mangelt aber an dem gespür für das, was von der zivilgesellschaft als ungerecht empfunden wird, wie zum beispiel das bankenpaket oder der euro-rettungsschirm für verluderte volkswirtschaften. und im nicht hinhören ist die övp an der spitze, gefolgt von der spö. es wird nicht zugehört, es wird nicht kommuniziert. und da ist der erfolg von strache zuhause. er hört hin und nützt die niedrigsten instinkte für seine partei.

Eduard-Barry Umlauf
 
00
24.5.2011, 14:33
Armutszeugnis der ÖVP

Die ÖVP hat sämtliche Reformchancen und unübersehbare Zeichen an der Wand ignoriert!
Ihr fehlt Profil und Persönlichkeit. Und wie der Hase in der Fabel "Der Igel und der Hase" ständig überall "Bin schon hier" zu rufen ist zu wenig.
Eine reine Wirtschaftspartei ist im Prinzip zu wenig, und für eine wirklich liberale Strömung fehlt einfach die Zeit für ein gesundes Wachstum. Monika Langthaler wieder in der Politik, wäre sicher ein Signal. Das Urgestein der Grünen, weis jedenfalls was sie will und ist bis dato in Ihren Projekten erfolgreich.

flohimpelz
32
24.5.2011, 12:50
Also eines sind wir uns bewusst:

Geht es der Wirtschaft gut - geht es den Menschen schlecht!!
Warum man diesen Weltvernichtern noch eine eigene Partei auf unsere Kosten aufstellen soll - Hähhhh?

icybobo
00
24.5.2011, 15:06
Kennen sie umgekehrt ein einziges Land auf6.07_IT_Q3_2010_finalser Welt, wo es der Wirtschaft schlecht, den Menschen aber gut geht?! Eines?

Waxolunist
05
24.5.2011, 13:44

Dass Wirtschaft alle sind die am wirtschaftlichen Leben teilnehmen, sei es als Arbeiter, Angestellte, Unternehmer, Kapitalgeber oder Konsumenten, ist irgendwie noch nicht durchgedrungen.

security market line
04
24.5.2011, 11:47
Systemfehler im Ansatz

Eine Wirtschaftspartei braucht vor allem eines nicht: Ideologie.

Was sie vordergründig braucht, ist Expertenwissen und die Fähigkeit, dieses auch zu kommunizieren. Parteien sind 99% der Zeit damit beschäftigt, ökonomischen Unsinn von sich zu geben, den das Wahlvolk auch noch ung'schauter glaubt. Sollte die Partei jemals >40% erhalten, können sie über Ideologie nachdenken.

Davor sollten sie primär damit beschäftigt sein, Unfug im Parlament zu bekämpfen.

zB:
- Finanzausgleich entwirren
- gleiche Rechnungslegung für alle Gebietskörperschaften
- Verwaltungsreform nicht von der Verwaltung blockieren lassen (!)
- Einführung New Public Management
- neues Ausschreibungsrecht und Prüfung aller PPPs

Das sind bereits Löwenaufgaben.

hahe
00
24.5.2011, 14:56

nun wenn ich an die begriffe planwirtschaft, freie marktwirtschaft, deregulierung usw. denke dann ist die wirtschaft schon ziemlich ideologisch besetzt. Sie meinen partei-ideologisch? nun dann denken Sie an Keynes und Hajek...

slow motion
13
24.5.2011, 11:55
Expertenwissen ist Ideologie.

War is Peace.
Love is Hate.
Freedom is Slavery.
(George Orwell)

In diesem Sinne sage ich:
Expertenwissen ist Ideologie.

Die Finanzkrise entstand, weil man lauter angebliche Experten vor sich hinwerken liess. Mit purem Expertenwissen, freilich, weshalb das Ganze auch furchtbar schiefging ...

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