Hilfe für jene, die keine Hilfe benötigen

23. Mai 2011, 17:50
90 Postings

Arbeitslose, die Kurse absolvieren, bekommen einen Bonus vom AMS. Eine Evaluierung zeigt: Die Förderung ist nicht zielgerichtet

Arbeitslose, die mehrmonatige Kurse absolvieren, bekommen einen Bonus vom AMS. Eine Evaluierung zeigt nun: Die Förderung ist nicht zielgerichtet. Und dass länger dauernde Kurse etwas bringen, ist nicht erwiesen.

***

Wien - Während der Wirtschaftskrise wurde von Regierung und Arbeitsmarktservice (AMS) viel Geld für Arbeitsmarktpolitik aufgewendet. Unter anderem wurden die Zuschüsse für länger dauernde Kurse ausgebaut (Qualifizierungsbonus). Eine Evaluierung zeigt nun, dass das Modell erhebliche Schwächen aufweist.

Im untersuchten Zeitraum von Juli 2008 bis Juni 2010 kamen rund 31.000 Menschen in den Genuss des Qualifizierungsbonus. Wer einen drei- bis sechsmonatigen Kurs besucht, bekommt dabei 100 Euro pro Monat - zusätzlich zum Arbeitslosengeld. Ab dem siebenten Kursmonat liegt der Bonus bei monatlich 200 Euro oder 6,60 Euro pro Tag. Die Gesamtkosten beliefen sich laut der Studie der Bildungsforschungsinstitute IBW und ÖIBF auf 37 Mio. Euro.

Im Sinne der Fortbildung wäre der Bonus allerdings in den meisten Fällen nicht nötig gewesen. 88 Prozent der befragten Teilnehmer gaben an, sie hätten den Kurs "sicher" oder "wahrscheinlich" auch dann besucht, wenn sie keinen Bonus bekommen hätten. "Es zeigen sich daher hohe Mitnahmeeffekte, (...) was eine Weiterentwicklung des Förderinstruments in Richtung einer höheren Bedarfsorientierung und Zielgenauigkeit nahelegt", heißt es in der Studie.

Freilich sei die Kursteilnahme nicht das einzige Argument für Zuschüsse, argumentiert man im AMS. Schließlich werde es mit der Dauer zunehmend schwieriger, nur mit dem Arbeitslosengeld auszukommen. Dementsprechend gaben in der Studie auch 82 Prozent an, der Bonus habe zu einer "sehr wichtigen" oder "wichtigen" Verbesserung der Einkommenssituation geführt.

Neue Förderschiene

Dennoch üben die Studienautoren Kritik. Und zwar daran, dass die Einkommensverhältnisse bei der Gewährung der Förderung nicht berücksichtigt werden. Daher erhalten auch Personen eine Förderung, "die aufgrund ihrer finanziellen Situation keine finanzielle Unterstützung benötigen würden", wie es heißt. Andererseits könne der Bonus für Menschen, die wirklich knapp bei Kasse sind, zu niedrig sein. Vorgeschlagen wird daher eine eigene Förderschiene für Arbeitslose, die wegen Geldknappheit nicht an längerfristigen Kursen teilnehmen. AMS-Vorstand Herbert Buchinger lehnt das auf Standard-Anfrage ab. Für die Ärmsten gebe es die Mindestsicherung. Dass allzu viele den Bonus bekommen, ohne ihn zu benötigen, bezweifelt er: "Das sind nur relativ wenige."

Hinterfragt wird von den Autoren auch die "willkürliche" Staffelung - also dass es ab dem siebenten Monat 200 Euro gibt, davor nur 100 Euro. "A priori ist nämlich nicht erwiesen, dass länger als sechsmonatige Qualifizierungsmaßnahmen eine höhere Wahrscheinlichkeit der Vermittelbarkeit haben als Qualifizierungsmaßnahmen zwischen drei und sechs Monaten", so die Studie. Fast 40 Prozent haben im ersten Halbjahr nach dem Kurs keinen einzigen Tag gearbeitet.

Diesen Aspekt müsse man sich nochmal vertiefend ansehen, meint Buchinger. Aufgegeben wird die Staffelung nicht - allerdings ab 20. Juni modifiziert. Bei drei- bis sechsmonatigen Kursen gibt es dann erst ab dem vierten Monat den niedrigeren Zuschuss, der 3,30 Euro pro Tag entspricht. In den ersten drei Monaten gibt es keinen Bonus mehr, was die Kosten für das AMS halbiert. Dadurch sollen jene belohnt werden, die den Kurs wirklich durchhalten. Bisher hat nämlich rund ein Viertel der Teilnehmer die Schulung vorzeitig abgebrochen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.5.2011)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.