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"In Wien hat man alles richtig gemacht"

23. Mai 2011, 17:48
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Wien hat Sexappeal. Zumindest in den Augen unserer deutschen Nachbarn, sagt Michael von Zitzewitz

Aber dennoch könne die heimische Immobilienbranche von der deutschen noch lernen.

Michael von Zitzewitz war Geschäftsführer einer Immobilienfondsgesellschaft der Commerzbank und vor seiner Pensionierung Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt. Heute ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Österreich und als freier Immobilienberater tätig. Zur Real Vienna bringt von Zitzewitz dieses Mal Verstärkung mit: Er führt eine Investorengruppe an.

Sie reisen heuer mit einer Gruppe deutscher Investoren zur Real Vienna. Was macht Wien so interessant?

Michael von Zitzewitz: Das Wort Sicherheit macht Wien sexy.

Sicherheit ist sexy?

Von Zitzewitz: Natürlich, sehen wir uns nur als Beispiel den Zinshausmarkt an. Dieser Markt ist in Wien stabil. Wer ein Zinshaus besitzt, gibt es nicht her. Dieser Sektor zeigt doch, dass es Menschen gibt, die Sicherheit sexy finden. Oder auch der Büromarkt: Wien hat relativ spät begonnen, moderne Bürogebäude oder gar Bürotürme zu errichten. Aber all diese Aktivitäten wurden vom Markt absorbiert. Also hat man in Wien alles richtig gemacht; der Leerstand liegt bei sechs Prozent - das ist nicht zu viel und auch nicht zu wenig.

Aber Wien ist nicht zwangsläufig der Traum eines jeden Immobilieninvestors.

Von Zitzewitz: In Paris ist der Adrenalinspiegel eines Investors sicherlich höher als in Wien. Das liegt daran, dass sich deutsche Investoren in Wien auf vertrautem Grund und Boden wähnen und wenig Spek- takuläres erwarten, was zum Teil ja auch zutrifft. Der Wiener Büromarkt bräuchte vielleicht einen Großmieter, der als Trendsetter bereit ist, neue architektonische Wege einzuschlagen. Das könnte den Markt durchaus beflügeln. Aber Wien verdient, dass man der Stadt Aufmerksamkeit schenkt.

Welches Image hat der österreichische Immobilienmarkt in Deutschland?

Von Zitzewitz: Wer sich für Wien interessiert, macht das in der Regel aus Gründen der Risikostreuung. Deutsche Investoren, die in Frankreich, England oder in den Niederlanden aktiv sind, schauen sich auch in Österreich um. Allein die Tatsache, dass hier dieselbe Sprache gesprochen wird, eine ähnliche Rechtsauffassung besteht und Immobilien nach ähnlichen wirtschaftlichen Kriterien funktionieren, macht ein Engagement natürlich einfacher. Der österreichische Immobilienmarkt hat durchaus ein positives Image in Deutschland. Besonders die Stabilität ist ein großer Pluspunkt. Auch die enge Verbindung zu den Nachbarländern, insbesondere zu den osteuropäischen Märkten, wird geschätzt.

Im ersten Quartal des heurigen Jahres waren erstmals seit dem Frühjahr 2010 wieder deutsche Investoren in Österreich aktiv und haben 40 Prozent der Investmenttransaktionen bestimmt. Wie ist die Stimmungslage?

Von Zitzewitz: Wien besitzt eine traumhafte alte Bausubstanz, die wegen ihrer Erscheinung und der Stadtprägung von beiden, also von Österreichern genauso wie von Deutschen, geliebt wird. Seit 2009 verzeichnet der Markt eine sehr geringe Projektentwicklung. Es wurde zwar über viele Projekte diskutiert, die letztlich aber vermutlich an der Finanzierung und der geringen Mieternachfrage gescheitert sind. Jetzt ist in Deutschland der Appetit der großen Kapitalsammelstellen deutlich gewachsen, das Kapital ist vorhanden, aber es fehlen entsprechende Immobilienprojekte.

Zwischen Deutschland und Österreich gibt es traditionell gewisse Animositäten im Sinne von "großer Bruder, kleiner Bruder". Spürt man die auch am Immobilienmarkt?

Von Zitzewitz: Ich musste lernen, dass solche Unterschiede sehr wohl existieren. Ich habe das Gefühl, dass es den Verkaufserfolg nicht immer beflügelt, wenn man als deutsches Unternehmen am österreichischen Markt auftritt. Diesbezüglich sind österreichische Unternehmen ein wenig national fokussiert und vergeben Aufträge manchmal lieber an heimische Firmen als an deutsche. Andererseits sind solche Animositäten auch verständlich, wenn der "kleine Bruder" das Gefühl hat, dass er vom "großen Bruder" nicht ernst genommen wird.

Was können österreichische Developer von deutschen und deutsche Developer von österreichischen lernen?

Von Zitzewitz: Österreichische Developer agieren oft sehr erfolgreich im Ausland. Diese Vernetzung mit anderen EU-Staaten, insbesondere in Osteuropa, und diese Auslandsorientierung sind ein großes Asset der Österreicher. Die österreichische Developer-Community ist deutlich aktiver und mutiger als die deutsche, die solche Schritte oft nicht wagt. Andererseits gibt es auch Entwicklungen, bei denen ich Deutschland als federführend sehe. In Frankfurt ist beispielsweise das Thema Wohnbau derzeit stark im Kommen. Während Wien noch keine Anzeichen zeigt, dass der für die Zukunft prognostizierte Wohnungsbedarf abgedeckt werden kann, wird dieser in Frankfurt bereits stark bearbeitet. Das Positive daran: Es gibt Gesellschaften, die sich auf das hochpreisige Segment stürzen, jene, die das mittlere Segment abdecken, und andere Entwickler, die das untere Preissegment bearbeiten. Diese vollständige Abdeckung sehe ich in Österreich bislang nicht. Ich bin der Ansicht, dass österreichische Unternehmen mit Unterstützung durch die Politik verstärkt das Wohnraumsegment ins Auge fassen sollten, um langfristig eine ausgewogene Mischung des Wohnungsangebotes garantieren zu können.

  • Von Deutschen und Österreichern gleichermaßen geliebt: die Architektur der Gründerzeithäuser Wiens.
    foto: jedendva, fotolia

    Von Deutschen und Österreichern gleichermaßen geliebt: die Architektur der Gründerzeithäuser Wiens.

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