ÖH-Wahlkampf

Seicht und tief wie bei den Großen

23. Mai 2011, 17:47
  • Artikelbild
    vergrößern 800x745
    foto: apa/hochmuth
  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Janine Wulz (25, Politikwissenschaft), Grüne und Alternative Studierende (Gras).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Oskar Polak (30, Publizistik), Ring Freiheitlicher Studenten (RFS).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Angelika Gruber (24, Sozioökonomie), Verband Sozialistischer Studierender (VSStÖ).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Claudia Gamon (22, Internationale Betriebswirtschaftslehre), Junge Liberale (JuLis).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Bernhard Krall (25, Politik- und Rechtswissenschaften), Aktionsgemeinschaft (AG).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    David Lang (22, Germanistik), Kommunistischer Studierendenverband (KSV).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Martin Schott (25, Biotechnologie), Fachschaftslisten Österreich (FLÖ).

  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Julia Kraus (27, Politikwissenschaft), KSV -Linke Liste (KSV-LiLi).

Von Dienstag bis Donnerstag wird an Österreichs Unis die Hochschülerschaft gewählt - Oder auch nicht - Die Wahlbeteiligung ist traditionell niedrig

Wien - In den kommenden Wochen und Monaten sehen sich die Studiosi des Landes mit verschärften Studieneingangsphasen, massiven Kürzungen der Familienbeihilfe und miserablen Verhältnissen wie je konfrontiert. Ihre politische Vertretung, die Hochschülerschaft, nimmt demgegenüber eine sehr undankbare, wenn nicht heikle Stellung ein - denn einerseits arbeitete die ÖH-Bundesvertretung in der vergangenen Exekutivperiode so sichtbar und emsig wie lange nicht, andererseits aber scheiterte man daran, die genannten Missstände abzuwenden.

Im Gegenteil: Obwohl innerhalb der vergangenen beiden Jahre die größte studentische Protestbewegung seit Jahrzehnten Fuß gefasst hat, verschlechterte sich die Situation in Lehre wie auch Forschung spürbar. Dazu kommt über die Familienbeihilfe ein radikaler Eingriff in die Lebens- und Finanzsituation von Studenten.

"Uni brennt" eine Minderheit

Dass vor eben diesem Hintergrund nun von heute bis Donnerstag die Hochschülerschaftswahlen geschlagen werden, lässt die Köpfe der einzelnen Wahlstrategen rauchen. Eines nämlich ist klar: Auf die große Politisierung 2009 folgte die noch größere Ernüchterung. Zudem, und darüber sollte man sich nicht täuschen, stellte "Uni brennt" gegenüber den rund 250.000 Studierenden des Landes noch immer eine radikale Minderheit.

Die Herkulesaufgabe der wahlwerbenden Fraktionen besteht damit vor allem in der Mobilisierung der studentischen Massen. Ob das allerdings mit einer großangelegten, dabei wenig subtilen Nichtwähler-Kampagne, vermengt mit der Phrasendrescherei diverser Elefanten- und Elefantinnenrunden, gelungen sein wird, wird man am Donnerstag wissen. Die ÖH jedenfalls weiß: Es braucht eine hohe Beteiligung, um die eigene Legitimation lebendig zu halten. Und da die diesjährige Wahl im Gegensatz zur letzten nicht von endlosen Diskussionen um Sinn und Unsinn des E-Voting geprägt war, schien die Bühne frei für Inhalte - und dabei leider auch einige Abgründe.

Grüner Generalverdacht

So disqualifizierte sich etwa die Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen Studierenden (Gras) Janine Wulz damit, die Frage eines Kommilitonen, weswegen er so viel Kampagnen-Material betreffend Homo-, Queer- und Transsexualität bekomme, mit der grotesken Beschuldigung zu quittieren, dass jemand, der so etwas fragt, ohnehin nur Burschenschafter sein könne.

Passendere Ziele für diesen Querschuss hätte es zur Genüge gegeben: Bundesweit warb etwa der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) mit dem Slogan "Linke quälen" - nicht aus Sadismus, wie Spitzenkandidat Oskar Polak erklärt, sondern um "mediale Präsenz" zu erzielen. Eine Übung, die leider missglückt ist.

In Oberösterreich sorgte ein Brief der Rechten an die dortigen Studierenden für Aufsehen, in dem die "Abschaffung der gendergerechten Sprache als Benotungskriterium" und "Minderheitenreferate" gefordert wird. In Graz wiederum leisteten Neonazis Wahlhilfe (DER STANDARD berichtete).

AG trat gegen Studentenprotest auf

Demgegenüber verfügt die VP-nahe Aktionsgemeinschaft (AG) schon über ganz andere Kontakte. Diese hat selten so intensiv wie heuer alles daran gesetzt, sich von der Volks- als Mutterpartei abzugrenzen. In der Zwischenzeit aber gibt man reumütig zu, via Inserate in Eigenpublikationen vom VP-geführten Wissenschaftsministerium unterstützt zu werden. Eine mehr als schiefe Optik, finanziert das Ministerium dadurch doch gezielt just jene Fraktion, die sich in Zeiten des Protests gegen die Besetzer und für die sogenannte "Studieren statt Blockieren"-Fraktion stark gemacht hatte.

Darüber hinaus machen die AGler besonders durch eine Intervention an der Wiener WU von sich reden: Rechtzeitig vor der Wahl verschwanden dort die traditionell sozialistisch dominierten Studienvertretungen für die Master Volkswirtschaftslehre und Sozioökonomie. Der VSStÖ nennt das eine undemokratische "Abschaffung" durch die AG-dominierte Uni-Vertretung, die Konservativen dagegen sehen eine sinnvolle Zusammenlegung.

Wortabschneiderin

VSStÖ-Spitzenkandidatin Angelika Gruber hingegen dankte ihrem konservativen Gegenüber Bernhard Krall diese Dubiositäten damit, ihm bei sämtlichen medialen Zusammentreffen konsequent das Wort abzuschneiden. Ob das große Mobilmachen damit gelungen ist, sei dahingestellt. (Tanja Traxler, Dominik Zechner, STANDARD-Printausgabe, 24.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 241
1 2 3 4 5 6
Illudure
04
25.5.2011, 13:44
Grüner Generalverdacht

Wenn man gegen die Meinung der GRAS ist, ist man automatisch Burschenschafter und laut der GRAS gehört diese auch verboten
Ergo: Grüner Faschismus pur!!

gridrunner478
10
25.5.2011, 02:03

Dass das Wissenschaftsministerium die AG mitfinanziert ist in meinen Augen ein waschechter Skandal. Deren Augabe besteht zum überwiegenden Teil darin, die Studierenden Brot und Spiele mit Brot und Spielen bei Laune zu halten während die Unis vor die Hunde gehen.

Dreimal dürft ihr raten welche Leute noch studieren dürfen wenn die staatlichen Unis irgendwann zusperren sollten: Adrett angezogene K0tzbrocken mit (einfluß)reichen Papas. Wer mit dem Gedanken spielt solchen Leute seine Stimme zu geben möge bitte noch einmal in Ruhe über die Konsequenzen nachdenken.

Jonny W1
30
24.5.2011, 23:33
die öh hat macht -das ist faktum

daher brauchts auch eine öh die das sinnvoll nutzt und politik machen kann - nicht nur brooschüren schreiben wie man irgendwie durch die schlechten studienbedinugnen kommt. sondern sich einsetzt, damitsie sich verändern! ich glaub das kann nur die gras gut machen. die sigi hats bewiesen!

Már
00
24.5.2011, 17:21

ich hab glaub ich doch noch das "geringste übel" für mich gefunden und werd dort in den nächsten 2 tagen mein kreuzerl machen. ;) sehr behilflich war mir dabei auch wahlkabine.at!

Tingeltangel-Hojac
11
24.5.2011, 16:51
gras und ksv/ksv-lili

eine schiacher als die andere...unwählbar! "programm" von allen antretenden parteien sowieso für die würst, also warum nicht nach oberflächlichkeiten gehen.

nestrus
12
24.5.2011, 16:05
Die von den JuLis schaut mit Abstand am besten aus

... aber ist das schon Grund genug die zu wählen, zumal sie BWL studiert?

falconeye
02
24.5.2011, 16:31
Ja, dieses Bedürfnis von schönen Menschen regiert zu werden...

Fliesen
01
25.5.2011, 13:43

Ja wie glaubens is der Schssel Kanzler worden? ;)

stretfordender
00
24.5.2011, 16:16
bin voll auf deiner Linie! :)

Einbahnfahrer
00
24.5.2011, 15:57

...komm grad von der Wahl. Hätt nicht gedacht, dass ich das berühmte "kleinste Übel" noch rechtzeitig find. *Pfuh*

anton muffl
03
24.5.2011, 14:55

laut einer ots-aussendung der gras kam es zu provokationen von neonazis, die auch wahlhelfer des rfs sind. nicht nur in graz sondern auch in wien: http://www.stopptdierechten.at/2011/05/2... mpfhelfer/

Jonny W1
00
24.5.2011, 23:33
des is jetzt irgendwie

nicht verwunderlich...

Milton_Friedman
01
24.5.2011, 14:49

Die Unipolitik ist in meinen Augen zu einer Art Ersatzreligion und PoltikerInnenvorausbildung verkommen, die der neuen "Elite" nur mehr vorgibt wie Ihre Moral nicht zu sein hat. Die Menge an ÖH-Gelder die mittlerweile in Gender Study Themen fließt, ist meiner groben Abschätzung schon um ein vielfaches höher als noch vor 20 Jahren und dies obwohl die Diskriminierung der Frau bei weiten zurück gegangen ist, was nicht heißen mag das es sie nichtmehr gibt. Aber soetwas anzumerken wird von links angesiedelten Fraktion nicht gutiert.

Jonny W1
00
24.5.2011, 23:35
wieso glaubst du denn

ist die diskriminierung von frauen zurück gegangen? wohl weil leute wie die linken z.b. in der öh seit jahren, eigentlich seit jahrzehnten daran arbeiten! und soviel geld wird da eigentlich nicht reingesetckt - verglichen mit dem gesamtbudegt der öh, das wird nämlich für proteste z.b. gegen die familienbehilfenkürzung verwendet.

Milton_Friedman
00
25.5.2011, 09:38

Das dies zurück gegangen ist hat wohl vielerlei Gründe aber ob die ÖH einer der ausschlaggebend Player war, wage ich zu bezweifeln. Fakt ist das wir eine Wahlbeteiligung die jenseits von Gut und Böse haben und diese Themen die Studenten nicht wirklich ansprechen. Die Uni sollte mehr als ficken, saufen, fressen und protestieren zu bieten haben. Wie wärs mal Themen zu spielen wie ein ÖH-Gründerzentrum für mehr Selbstständige, womit man in einem sinnvollen Bereich auch Frauen fördern würde. Aber lieber spielen wir alle das Opfer.

ugsome
01
24.5.2011, 20:01

die Unipolitik von heute ist weit vorbei an dem was sie eigentlich tun sollte. die Fraktionsspitzen möchten sich mit Gesellschaftspolitischen Themen á la 'Schwule/Lesben/Transgener' profilieren die in diesem Umfang mit dem studieren nix zu tun haben. Engagiert euch doch in der Stadtpolitik oder im Land wenn es euch so am Herzen liegt - aber auf der Uni müssen alle Studenten in ihren Fachrichtungen bei ihren wirklichen Aufgaben unterstützt werden: studieren, lernen, denken.
Studieren, Absolventen und Forschung müssen wieder einen vernünfitgen Stellenwert kriegen. Kämpft mit durchdachten!! Konzepten für mehr Mittel - und zeigt uns dass ihr auch etwas weiterbringt wenn das Budget knapp ist - dann seit ihr den ÖH Beitrag wenigstens wert!

Die Gezeichneten
412
24.5.2011, 14:29

Der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) hat (zumindest in Linz) mit dem Wahlkampfthema "STOP dem Genderwahnsinn (an der Uni)" sicher vielen Studenten aus der Seele gesprochen.

trollvottel
30
24.5.2011, 16:29

Einer Fünf-Prozent-Minderheit von Schnöseln mit aufgestelltem Hemdkragen und fetter Wangennarbe, ja?

Ricky_Verona
14
24.5.2011, 15:53

Als Student an der JKU kann ich das nur bestätigen..leider die einzige Partei die diesen Genderwahnsinn anspricht..eine andere Partei zu wählen wäre mir lieber.

der letzte leser
40
24.5.2011, 17:21

Sie haben eine Fraktion mit offen rechtsradikalen Neigungen gewählt. Schämen sie sich.

Die Gezeichneten
13
24.5.2011, 16:05

Exakt meine Meinung - aber diesmal haben sie genau deshalb meine Stimme.

bastie100
15
24.5.2011, 15:43
man braucht sich ja nur den curriculum doktorat JUS idgF von der JKU linz anschauen!

als pflichtseminar muss man eine arbeit über geschlechtsneutrales rechtsempfinden verfassen.

da ich neben meinem doktorat berufstätig war, hätte ich für so einen müll definitv keine zeit gehabt und ich glaube dem grossteil der aktuellen studenten geht es ähnlich.

Die Gezeichneten
12
24.5.2011, 16:07

Soweit ich das mitbekommen habe, gibt es im Grundstudium (1. Abschnitt) sogar ein eigenes Fach "Gender studies"!!!
Ich studiere übrigens auch neben der Arbeit - allerdings noch nach dem "alten" Jus-Studienplan :-)

trollvottel
51
24.5.2011, 16:30

gender studies ist im anglophonen Raum weit verbreitet; allerdings hinkt Österreich auch hier 30 Jahre hinter dem Rest der zivilisierten Welt her.

S. Aynf
02
25.5.2011, 07:32

vl muss man aber auch nicht jeden "mist" mitmachen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 241
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.