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23. Mai 2011, 17:33
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Die Kulturinitiative Schwemmland setzt sich mit den Restflächen und Zwischenräumen im Linzer Osten auseinander

Linz - Nur wenig erinnert daran, wie die Gegend vor hundert Jahren ausgesehen hat. Der Stadtteilname Lustenau ist geblieben: geprägt von der Donau, der Au und dem regelmäßigen Hochwasser. Bauern und Fischer siedelten hier, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Industrialisierung einsetzte, die Donau zurückgedrängt und in ein vermeintlich sicheres Korsett gezwängt wurde.

Der Architekt Christoph Wiesmayr hat seine Kindheit in diesem ehemaligen Schwemmland zugebracht. Wiesmayrs jüngerer Bruder ist der letzte Berufsdonaufischer in Linz, der über 500 Jahre alte Hof liegt in einer grünen Oase, umgeben von Industriehallen. Nun kehrte Christoph Wiesmayr nach seinem Architekturstudium in Graz zurück.

Mit der Initiative Schwemmland, die der 33-Jährige mit Architekt Bernhard Gilli betreibt, thematisiert er vergessene Orte im Linzer Osten. Immer wieder führt er an die Donau, auf die Linz so leicht vergisst. Aus Linz an der Donau, sagt Wiesmayr, sei Linz/Donau geworden. Diese Schreibweise sage einiges aus über den Umgang der Stadt mit dem Fluss: Man grenzt ihn ab, baut Dämme, die nicht nur schützen, sondern vor allem trennen und den Blick aufs Wasser verhindern.

Dass die drei Hafenbecken demnächst jeweils zu einem Drittel zugeschüttet werden sollen, sei ein weiteres Indiz für das Unverhältnis, das Stadtplaner, Wirtschaft und Politik zum Wasser haben.

Keinesfalls, so Wiesmayr, sollte man den Linzer Osten verplanen oder touristisch ausschlachten. Jedenfalls möchte er durch seine Tätigkeit Bewusstsein für wertvollen innerstädtischen Lebensraum schärfen. Den sollte man in Ruhe lassen, aber dennoch nichts verhindern, was an sensiblen Kulturprojekten oder an künftigen Räumen für die Stadtbevölkerung entstehen könnte. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Mai 2011)

  • Kunst in Freiräumen: Aus Gelagertem wird ein Lager, wird Architektur.
    foto: schwemmland.at

    Kunst in Freiräumen: Aus Gelagertem wird ein Lager, wird Architektur.

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