Viele Betroffene

450.000 Österreicher haben seltene Erkrankungen

23. Mai 2011, 14:38

Experte setzt sich für grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein

Innsbruck/Bad Hofgastein - Definitionsgemäß gilt eine Krankheit als selten, wenn weniger als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Das bedeutet bei einzelnen Krankheitsbildern oft nur einige hundert Betroffene in Europa - insgesamt handelt es sich aber um ein Gesundheitsproblem großer Dimension: Etwa 450.000 Menschen sind allein in Österreich von einer der bis zu 8.000 unterschiedlichen "Orphan Diseases" betroffen, im EU-Raum sind es etwa 30 Millionen Erkrankte. Beim "Regionalen Forum Seltene Krankheiten" in Innsbruck diskutierten Experten ihre Erfahrungen mit diesen Erkrankungen ebenso wie die Frage, wie hier Diagnostik, Therapie und Forschung besser vernetzt werden können.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Seltene Krankheiten sind eine enorme Herausforderung für die europäischen Gesundheitssysteme. Darauf machte Günther Leiner, Präsident des Europäischen Gesundheitsforums Gastein (EHFG) aufmerksam. "Sie erfordern eine grundsätzlich neue Strategie, denn schon aufgrund der geringen Fallzahlen kann nicht überall flächendeckende Expertise für jede dieser Erkrankungen aufgebaut werden. Wir brauchen deshalb in Europa grenzüberschreitende spezialisierte Zentren für die einzelnen seltenen Krankheitsbilder", betonte er.

Man müsse die Errichtung von spezialisierten Fachzentren, die auch Betroffenen anderer Länder zur Verfügung stehen, ebenso weiter vorantreiben wie die Bildung von Netzwerken. Betroffene sollen dort versorgt werden, wo es am meisten Expertise für ihr spezielles seltenes Leiden gibt.

Viele Hürden für Betroffene

Angesichts der geringen Zahl von Erkrankten und der Fragmentierung des Wissens und der Expertise stehen Erkrankte oft vor erheblichen Problemen. Oft wird schon die Diagnose lange Zeit nicht korrekt gestellt, auch der Zugang zu Therapien kann sich, so sie überhaupt verfügbar sind, hürdenvoll gestalten. Seltene Erkrankungen sind auch einer der Programmpunkte des diesjährigen Kongresses des European Health Forum Gastein, der von 5. bis 8. Oktober 2011 wieder mehr als 600 Teilnehmer aus Gesundheitspolitik, Wissenschaft, Wirtschaft und Patientenorganisationen in Bad Hofgastein zusammenführt. (red, derStandard.at, 23.5.2011)

böck
00
26.5.2011, 01:00

Informationen im Netz z.B. eurordis.org oder orpha.net oder Diplomarbeit (Uni Wien 2009). Das deutsche! Gesundheitsministerium hat auch eine aktuelle Studie zu diesem so wichtigen Thema abrufbar. Die EU geht davon aus, dass ca. 8% der Bevölkerung im Laufe des Lebens betroffen ist. Noch sind nicht alle Krankheiten klassifiziert (z.B. ICD-Code) sodass leider kein eindeutiges Zahlenmaterial verfügbar ist.

erbsenzähler8
00
23.5.2011, 23:51

Irgendwie komisch, laut dieser Statistik müsste jeder 20igste Österreicher eine seltene Krankheit haben. Das erscheint mir doch extrem viel. Die Chance ist als 5% das ich ebenfalls eine orphan disease bekomme oder schon habe. Würde mich interessieren, ob es über die Jahre Veränderung diesbezüglich im zeitlichen und demographischen Auftreten gibt?

Wolfgang.A.As
04
23.5.2011, 15:16
Offen legen von diesen Spezialisten Abteilungen für seltene Krankheiten mit ensprechender Ausstattung

Es wäre schon eine Hilfe wenn endlich Zentren und Abteilungen in den verschiedensten KH, Unis bekannt geben würden, auf welche seltene Krankheit man spezialisiert ist. Patienten suchen wie Blinde herum und Ärzte wissen einfach nicht wo ein Spezialist ist. Eine weite Wegstrecke nimmt man gerne in Kauf, wenn dies noch möglich ist.

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