Österreich würde auch vom "Extremly Large Telescope" profitieren

23. Mai 2011, 13:44
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Rund 40 Meter großer Spiegel soll sich aus 900 Einzelelementen zusammensetzen - Entscheidung über Bau noch heuer

Santiago - Vor drei Jahren ist Österreich der Europäischen Südsternwarte (ESO - European Southern Observatory), der weltweit führenden zwischenstaatlichen Astronomie-Organisation, beigetreten. Ohne diesen Schritt wäre die heimische Astronomie "gerade noch in Nischen tätig", ist der zuständige Beamte im Wissenschaftsministerium, Daniel Weselka, überzeugt. Die Astrophysikerin Sabine Schindler von der Uni Innsbruck sieht die österreichische Beteiligung "sehr stark im Anlaufen" und auch ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw zeigte sich "erfreut" über die steigende Zahl der Anträge für Beobachtungszeit.

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen hat sich Österreich 2008 entschlossen der ESO beizutreten. Die Eintrittsgebühr war hoch, schließlich galt es, die bis dahin getätigten milliardenschweren Investitionen in die weltbesten Teleskope anteilsmäßig abzulösen: Rund 24 Millionen Euro muss Österreich in Raten über 15 Jahre bezahlen, ein Viertel davon durch sogenannte In-kind-Lösungen, also konkrete Leistungen österreichischer Wissenschafter, etwa Softwareentwicklung für die Teleskope. Zudem sind jährlich rund drei Millionen Euro an Mitgliedsbeitrag zu berappen. Dafür haben nun die österreichischen Astronomen Zugang zu den Spitzenteleskopen der ESO, allen voran das "Very Large Telescope" (VLT).  Doch die heimischen Astronomen warten bereits sehnsüchtig auf den nächsten Teleskop-Giganten.

"Extremly Large Telescope" (E-ELT)

Das VLT auf dem Berg Paranal im Norden Chiles ist derzeit das Flaggschiff der europäischen Astronomie. Die vier Spiegelteleskope mit jeweils 8,2 Meter großen Spiegeln bilden zusammengeschaltet das weltweit größte "Fernrohr". Doch dieses 32-Meter-Teleskop ist den europäischen Astronomen nicht genug. Sie planen seit Jahren das "Extremly Large Telescope" (E-ELT), die definitive Entscheidung dafür soll noch heuer fallen, wie de Zeeuw am Rande eines Besuchs einer österreichischen Wissenschafterdelegation am Paranal erklärte.

Nach den ursprünglichen Plänen sollte das neue Riesen-Teleskop, das auf dem Gipfel eines rund 3.000 Meter hohen Berges in Sichtweite des Paranal entstehen soll, einen Durchmesser von 42 Metern haben. Weil man Spiegel in dieser Größenordnung weder herstellen, noch transportieren kann, soll die lichtsammelnde Fläche aus rund 900 etwa 1,4 Meter großen Einzelspiegeln zusammengesetzt werden. Das technische Design für dieses gewaltige Teleskop ist fertig und auch Chile hat versprochen, das Grundstück dafür bereitzustellen. Fehlt nur noch die endgültige Entscheidung der 15 ESO-Mitgliedsländer.

Verkleinertes Konzept

Und weil diese angesichts der zu erwartenden Kosten negativ ausfallen könnte, hat man bei der ESO das Teleskop etwas redimensioniert. Der Spiegel soll nur noch rund 39 Meter Durchmesser bekommen, was vor allem beim Bau der zum Schutz des Geräts notwendigen Kuppel enorm viel Geld einspart, wie die Innsbrucker Astrophysikerin Sabine Schindler betonte. Damit können die Kosten für E-ELT bei rund einer Milliarde Euro gehalten werden, sagte de Zeeuw.

Die Entscheidung soll noch heuer im ESO-Rat von den Mitgliedsstaaten getroffen werden. Europa habe damit die Möglichkeit, nicht nur das weltgrößte Einzelteleskop zu bauen, sondern im Konkurrenzkampf mit den USA, die ebenfalls zwei neue Teleskope planen, erstmals erster zu sein. Die Bauzeit für das Teleskop wird mit elf Jahren betragen.

Die Finanzierung sieht der ESO-Chef gesichert: 300 Millionen Euro könnten aus dem normalen, von den Mitgliedsländern gespeisten ESO-Budget kommen. Weitere 300 Millionen Euro kommen aus dem kürzlich erfolgten Beitritt Brasiliens zur ESO. Bleiben noch 400 Millionen Euro, die "von 14 der reichsten Staaten der Erde über einen Zeitraum von zehn Jahren" aufgebracht werden müssen. De Zeeuw kann sich nicht vorstellen, dass das E-ELT daran scheitern könnte, zumal diese Summe in Form von High-Tech-Aufträgen wieder an die europäische Industrie zurückfließen wird. (red/APA)

  • Die Entscheidung zum Bau des "Extremly Large Telescope" (E-ELT) könnte noch heuer fallen.
    foto: eso

    Die Entscheidung zum Bau des "Extremly Large Telescope" (E-ELT) könnte noch heuer fallen.

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