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Wien - Österreichische Patienten gehen im Durchschnitt erst über drei Wochen nach dem Auftreten ihrer Schmerzen zum Arzt. Darauf macht Schmerzexperte Günther Bernatzky von der Uni Salzburg aufmerksam. Er bezieht sich dabei auf eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Schmerz Gesellschaft (ÖSG). Verschreibt der Arzt ein Schmerzmittel, lässt auch häufig die Therapie-Treue zu wünschen übrig: ein Viertel der Patienten, denen ein rezeptpflichtiges Schmerzmittel verschrieben wurde, nehmen eine zu niedrige Dosis ein. Das zeigt eine vor wenigen Tagen in Brüssel im Rahmen der Aktion "Die gesellschaftliche Auswirkung des Schmerzes" präsentierte Umfrage mit fast 57.000 Befragten aus fünf EU-Ländern.
Weitere Ergebnisse dieser Umfrage: Schmerzen werden häufig unterbehandelt. Zwölf Prozent der Patienten mit schweren Schmerzen nehmen nur ein nicht verschreibungspflichtiges Schmerzmedikament (OTC), acht Prozent wurden gar nicht behandelt. Rund 60 Prozent der Patienten mit starken Schmerzen sind zudem mit ihrer Behandlung unzufrieden. Die hohe Unzufriedenheit mag auch damit zu tun haben, dass die Schmerzen häufig nicht von Spezialisten behandelt wurden. Nach in Brüssel zitierten EU-Daten waren zum Zeitpunkt einer Befragung lediglich zwei Prozent der Menschen mit chronischen Schmerzen bei einem Schmerzspezialisten in Behandlung.
Je früher, desto besser
"Es gibt sehr gute Methoden der Schmerztherapie, sie müssen allerdings möglichst konsequent und flächendeckend eingesetzt werden. Dafür ist es unabdingbar, dass Patienten ihren Schmerz ernstnehmen und damit zum Arzt gehen - je früher, desto besser. Diesen ersten Schritt kann ihnen niemand abnehmen", so Bernatzky, künftiger ÖSG-Präsident.
Neuer Folder mit Patienten-Tipps
Der Experte hat gemeinsam mit Schmerzmedizinern einen Folder erarbeitet, der diesem Zweck dienen soll - aufgegliedert nach den häufigsten Schmerzformen. Die Themen:
Wann zum Arzt bei Kopfschmerzen?
• Wenn Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen im Monat auftreten, Schmerzmittel immer häufiger (öfter als zehn Mal im Monat) oder in immer größeren Mengen eingenommen werden müssen
• zusätzlich ein steifer Nacken und/oder Fieber auftritt
• Kopfschmerzen stärker werden, häufiger auftreten oder sich die Schmerzart ändert (z.B. von pochend-pulsierend zu dumpf-drückend), Kopfschmerz im Zusammenhang mit Kurzatmigkeit oder Fieber auftritt und/oder mit Krankheitszeichen, die Augen, Ohren, Nase oder Hals beeinträchtigen
• Kopfschmerz von starker Übelkeit begleitet wird
• Kopfschmerzen gemeinsam mit Sehstörungen auftreten
• die Ursache des Kopfschmerzes eine Kopfverletzung ist.
Wann zum Arzt bei Schmerzen des Bewegungsapparates?
• Bei Schmerzen am Abend: Am Ende eines Arbeitstages haben viele Menschen Schmerzen in der Wirbelsäule, im Becken und den unteren Extremitäten. Die durch Belastung entstandenen Schmerzen verlangen eine Bestandsaufnahme des Bewegungsablaufes unter Tags. Belastet man zum Beispiel beim Heben von Lasten die Wirbelsäule falsch? Könnte man bei einem sitzenden Beruf nicht manchmal aufstehen und sich bewegen?
• Warnsignal nächtlicher Schmerz: Treten die Beschwerden zwischen zwei und vier Uhr früh auf, liegt meist ein entzündliches Geschehen vor. Nächtliche Kreuzschmerzen sind als Warnsignal anzusehen und müssen ärztlich abgeklärt werden.
• Warnsignal Morgensteifigkeit: Eine leichte Steifigkeit am Morgen, die sich nach einigen Minuten wieder legt, ist harmlos. Bleibt die Morgensteifigkeit jedoch über eine Stunde bestehen und kann das Frühstück nur mit Mühe eingenommen werden, kann das ein Hinweis auf eine entzündliche rheumatische Erkrankung sein und sollte näher abgeklärt werden.
Wann zum Arzt bei Herzschmerz?
• Schmerz hinter dem Brustbein, ausstrahlend oder nicht (Kinn, Arme, Oberbauch) oft verbunden mit Unruhe, Angst und Schweiß ist ein Alarmsymptom. Notarzt rufen!
• Schmerz im Brustkorb bei Belastung, reproduzierbar, beim Bergaufgehen etc., mit Besserung beim Stehenbleiben sollte Grund sein, den Arzt aufzusuchen und eine weitere Abklärung (Ergometrie) zu veranlassen.
Wann zum Arzt bei Bauchschmerzen?
Akute Alarmsymptome:
• starke stichartige oder gürtelförmige Schmerzen
• Abwehrspannung der Bauchdecke beim Tasten
• Blut im Stuhl oder Erbrochenem
• schwarzer „kaffeesatzartiger" Stuhl oder Erbrochenes
• Unterbauchschmerzen mit Durchfall und Fieber
• Unterbauchschmerzen eher rechts als links (Verdacht auf Blinddarmentzündung)
• vegetative Begleitsymptome wie Schweißausbruch, Blässe, Kollaps-Gefühl
Chronische Alarmsymptome:
• Gewichtsverlust oder Kraftlosigkeit
• veränderte Stuhlgewohnheiten
• zunehmende Blähungen nach dem Essen
• wiederholtes Erbrechen
• Krämpfe
• Blässe oder Blutarmut (red, derStandard.at, 23.5.2011)
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