Elektromotor rettet Verbrennungsmotor

24. Mai 2011, 16:49
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Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

Das Wiener Motorensymposium gilt unter den Automobilingenieuren als so etwas wie der weltberühmte Kardiologenkongress bei den Ärzten, nicht nur weil es ebenfalls in der Wiener Hofburg stattfindet. Die Größenordung: 1000 Teilnehmer, 50 Vortragende. Dauer: zwei Tage, einmal jährlich, und zwar dann, wenn auch die Fiaker wieder volle Fahrt aufnehmen. Der Inhalt: das Herz des Automobils, der Motor.

Ging es bis vor wenigen Jahren noch darum, die Verbrennungsmaschine in all ihren Details zu durchleuchten, spielen mittlerweile die elektrischen Komponenten zunehmend eine Rolle.

Mit der Verbreiterung der Thematik haben sich zwei Kraftlinien entwickelt: Die Motorentechnik mit all ihren Facetten wie Abgas, Lärm, Verbrauch, Kohlendioxidausstoß etc. stellt nach wie vor das Rückgrat der Veranstaltung dar. Künftige Mobilitätslösungen gewinnen aber immer mehr an Terrain, dabei geht's von den Hybridfahrzeugen der Gegenwart über Brennstoffzellentechnologie bis hin zur möglichen Wasserstoffzukunft, die mitunter aber schon für sehr weit weg eingestuft wird.

GM, gerade erst noch Bankrott-Kandidat, dann von der US-Regierung gerettet, jetzt schon wieder am Geldscheffeln, brachte sich in Gestalt seines Vice Chairmans, Thomas G. Stephens, als Vortragender ein, immerhin die Markteinführung des ersten serienmäßigen Elektroautos mit Range Extender unmittelbar vor Augen (Chevrolet Volt, Opel Ampera, die Produktion läuft bereits). Er prophezeite, dass eine ganze Palette an Antriebssystemen und Kraftstoffen die Mobilität bereichern wird, schränkte aber auch gleichzeitig wieder ein: "Wir gehen davon aus, dass die Einführung dieser neuen Fahrzeugkategorien und die stärkere Einbindung von Elektrizität und Wasserstoff als Energieträger einige Zeit dauern wird."

Interessant auch das Statement von Yoshihiko Matsuda von Toyota, zumal der Hybridpionier gerade auf der emotionalen Seite des Automobilbaus in der Vergangenheit nicht gerade seine Stärken zeigte: "Gleichzeitig bleibt es wichtig, Fahrzeuge vom Standpunkt des Kunden und der Maximierung des Fahrspaßes aus zu entwickeln."

Fragezeichen Wasserstoff

Vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Fukushima bekommt auch die Frage nach der Herkunft des Stroms für E-Autos und des Wasserstoff für die Brennstoffzelle neue Dynamik. Während in der Autoindustrie sehr gern, fast ausschließlich und immer schon von Solar- und Windenergie die Rede ist, zeichnet Ulrich Stimmig (TU München) ein anderes Bild: Er hält die Herstellung und Verwendung von Wasserstoff für keine gute Option, außer sie erfolge durch Ausbau der Nuklearenergie, "und diese Möglichkeit wird sich heutzutage keiner großen Beliebtheit erfreuen".

VW-Konzernboss Martin Winterkorn stellte in seinem Vortrag klare Zahlen in den Raum, bezifferte die Verbrauchsreduktion in den vergangenen zehn Jahren mit 25 Prozent und fügte hinzu: "Ich bin mir sicher, in den kommenden zehn Jahren können wir den Verbrauch um weitere 15 Prozent senken. Die Direkteinspritzung beim Ottomotor und innovative Einspritztechnologie beim Dieselmotor ermöglichen Brennverfahren, deren Potenziale noch lange nicht ausgereizt sind."

Klares Statement auch seitens des Veranstalters. Motorenprofessor Hans Peter Lenz: "Die Frage Verbrennungsmotor oder Elektromotor stellt sich heute nicht mehr. Die Antwort lautet, beide gemeinsam." Und: "Die elektrische Unterstützung macht ihn (den Verbrennungsmotor) einfacher und verbrauchsgünstiger." (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/20.05.2011)

  • Die Produktion des Chevrolet Volt läuft bereits.
    foto: chevrolet

    Die Produktion des Chevrolet Volt läuft bereits.

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