Die Bekenntnisse des Helmut Schmidt

Religion in der Verantwortung

Richard Schütze, 23. Mai 2011, 10:38

Helmut Schmidts neuestes Buch – Religion in der Verantwortung – beschäftigt sich mit den großen Verwerfungslinien der globalen Gesellschaft

Das treibt ihn immer noch innerlich um, einen der großen alten und immer noch äußerst beliebten deutschen Politiker, Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (1974-82): Die aufwühlende Debatte um die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in den 70er-Jahren, der deutsche Terrorismus im Herbst 1977 und der bösartige Vorwurf von Oskar Lafontaine in einem "Stern"-Gespräch (1982), mit den von Schmidt gerühmten Verhaltensweisen "Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standfestigkeit" könne man als "Sekundärtugenden" auch "ein KZ betreiben". Dazu die Erkenntnis, dass der Frieden in der Welt durch viele soziale, politische und ökonomische Verwerfungen gefährdet ist. So hat der im 93. Lebensjahr stehende Mitherausgeber der "Zeit" (seit 1983) sich noch einmal aufgerafft, seinen in diesem Frühjahr zusammengestellten Band mit "Reden aus den letzten zehn Jahren" unter dem Titel "Religion in der Verantwortung - Gefährdungen des Friedens im Zeitalter der Globalisierung" am 2. Mai im Gespräch mit dem 87-jährigen Journalisten Peter Scholl-Latour bei dem ihm jederzeit eine Talkbühne bietenden Reinhold Beckmann (ARD) vorzustellen. Dabei reibt Schmidt sich vor allem an drei zentralen Problembereichen.

Religion als Staatsräson?

In Krieg und Untergang des Nazireichs hatte er den "Zusammenbruch aller Moral" erlebt und „allzu idealistisch" seine Hoffnung darauf gesetzt, dass sich die „Bestie Mensch durch Religion zähmen" lasse. Wenn aber nichts ohne den Willen Gottes geschehe, so habe der Gott des Christentums mit der Zulassung von Auschwitz seine Allmacht eingebüßt. In der Schmidt'schen Sicht sind die Nazivernichtungskriege und Konzentrationslager Bankrotterklärungen eines ohnmächtigen Gottes, dessen wunderwirkender Sohn Jesus Christus mit Jungfrauengeburt, leerem Auferstehungsgrab und Himmelfahrt für ihn "lediglich seltsame Geschichten" seien: "Ich konnte nicht glauben, dass Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, um ihn dort kreuzigen zu lassen und am Ende in den Himmel aufzunehmen." Immer habe er in den Kirchen der wunderbaren Kirchenmusik gelauscht, aber zu beten blieb ihm „fremd". Alle Religionen entstammten nach Schmidts Meinung dem "Bedürfnis des Menschen nach Orientierung an einer höheren Wahrheit" und seien im Kant'schen Imperativ verwurzelt; in Schmidt'scher Diktion: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu', das füg' auch keinem Andern zu." Der pluralistische Staat mit seiner offenen Gesellschaft und deren "Dilemmata zwischen Freiheit und Ordnung" basiere in Deutschland auf einem Grundgesetz, das kein "voll durchgestaltetes, ganz eindeutig klares Menschenbild" vorgebe. Er, Schmidt, nenne sich allein deshalb "immer noch einen Christen und bleibe in der Kirche, weil sie Gegengewichte setzt gegen moralischen Verfall in unserer Gesellschaft und weil sie Halt bietet". Schmidt zitiert Thomas von Aquin und führt aus, das Christentum postuliere die "drei religiösen Tugenden: Glaube, Liebe und Hoffnung" und „daneben" als "vier Kardinaltugenden" die Klugheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und Standfestigkeit oder Zivilcourage. Aber "keiner der christlichen Tugendkataloge" enthalte "Achtung und Respekt vor der Würde der einzelnen Person". "Dagegen" habe das Grundgesetz die "Würde des Menschen" zum "Grundstein unseres Staates" erhoben.

Diese Analysen sind bemerkenswert; verkennen sie doch zum einen den diesseitiger Mächtigkeit entsagenden Charakter des Christentums in Abhebung zu den anderen monotheistischen Religionen und zum zweiten den abendländischen Begriff der menschlichen Person mit ihrer Individualität, ihrer Sozialfähigkeit wie auch sozialen Bedürftigkeit und ihrem transzendenten Sinnbezug; dies war aber schon für die Ethik des Aristoteles ebenso wie für die Ausformulierung und Ergänzung der Tugendlehre bei Thomas von Aquin maßgebend. Vieles davon ist auch in den Freiheits- und Grundrechtskatalog unserer Verfassung eingeflossen; was den Staat über eine bloße Funktion als Notar von gesellschaftlichen Entwicklungen hinaus auch zum Wahrer der Grundrechte jeder Person und als deren Ausfluss der Grundwerte macht.

Theokratie über Demokratie und Ökonomie?

Seit der Schrift des Augustinus von Hippo "De Civitate Dei" (413 n. Chr.), die auch Schmidt zitiert, gibt es gerade durch das Christentum initiiert immer noch andauernde Bemühungen, in innerkirchlichen Konflikten und in der Auseinandersetzung mit Staat und Gesellschaft die religiöse Verkündigung und die kultischen Handlungen aus dem politischen Tagesgeschehen herauszulösen und kirchliche Institutionen dem Zugriff wie auch der Verführung staatlich-politischer Macht zu entziehen. Mit Recht moniert der Altkanzler auch heute noch zuweilen zutage tretende Grenzüberschreitungen von Klerikern in den politischen Raum hinein und erklärt: "Es gibt ganz gewiss Christen in der Politik, es gibt gewiss christliche Politiker - aber dass es eine christliche Politik gäbe, daran habe ich allergrößte Zweifel." In seiner Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" hatte das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) bereits die „Autonomie der irdischen Wirklichkeiten" und damit die Eigenständigkeit der Politik, der Kultur und auch der Wirtschaft als originäre Aufgabenbereiche der Laien in der Welt hervorgehoben. So ist die Schmidt'sche Anschauung, das deutsche Volk sei nach 1945 für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat erst durch die ökonomischen Erfolge Ludwig Erhards und die amerikanische Marshall-Hilfe „empfänglich" geworden, insoweit verständlich, als er diese "Teilwahrheit" mit der Einsicht verknüpft, dass „eine Demokratie gefährdet ist, wenn die Regierenden Wirtschaft und Arbeit nicht einigermaßen in Ordnung halten". Seine Zustimmung zur Marx'schen These, es sei "das ökonomische Sein, welches das Bewusstsein bestimmt", offenbart allerdings ein eher materialistisch dominiertes Menschenbild.

Ein synkretistisches Weltethos als internationale Friedensmoral?

Den von Samuel Huntington 1993 vorhergesagten "Clash of Civilazations" hält Schmidt „für denkbar". Von den vorhandenen religiösen Strömungen attestiert er dem Buddhismus die größte Friedensfähigkeit. Dem „Übel des Missionsgedankens" misstraut er grundsätzlich: "Wer Andersgläubigen seine eigene Religion aufdrängen will, der ruft zwangsläufig Konflikte und in manchen Fällen Kriege hervor." Als Ausweg mit mehr religiöser und ideologischer Toleranz votiert er für die von dem Schweizer Theologen Hans Küng geleitete Initiative, aus den Religionen der Welt ein gemeinsames, quasi synkretistisches "Weltethos" zu entwickeln. Damit weicht er die Wahrheitsfrage in einem ethischen Minimalkonsens auf, durch den eine Verwurzelung in einem darwinistischen Entwicklungsmythos durchschimmert.

Denn wenngleich Elder Statesman Schmidt „das im Völkerrecht geltende Gebot der Nichteinmischung von Regierungen und Staaten in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten" preist, so bleibt doch der Eindruck, dass er in der Tagespolitik (bspw. betreffend seine Zustimmung zur NATO-Intervention in Libyen) mit einer pessimistischen Weltsicht eher einer interessengeleiteten Außen- und Sicherheitspolitik nach Prägung eines Henry Kissinger denn einer Bändigung von Konflikten und einer Befriedung anarchischer Zustände durch die Herrschaft und die Sanktionsmechanismen des Völkerrechts zuneigt.

Der Wiener Kardinal Franz König war dem Altkanzler als Freund ans Herz gewachsen; im Bewusstsein, bald sterben zu müssen, hatte der Kardinal dem Kanzler beim letzten Abschied als Vermächtnis mit auf den Lebensweg gegeben: "Herr Schmidt, vergessen Sie nicht die Kraft des persönlichen Gebets!" Als dieser einige Jahre später das Grab des Freundes in Wien aufsuchte, gab es für den oft der Schneidigkeit und Arroganz geziehenen "Schmidt Schnauze" kein Halten mehr: "Mir kamen die Tränen der Erinnerung an diesen weisen Mann - und um die Tränen zu verbergen, habe ich zu dem begleitenden Monsignore irgendeine burschikose Bemerkung gemacht." Noch scheint der alte Mann nicht am Ende seines Weges angelangt - doch immer mehr stellt er sich und seinem Publikum jene Fragen, die auch bedeutende Menschen auf dem Sterbebett bewegen. (derStandard.at, 23.5.2011)

Autor

Richard Schütze ist Geschäftsführer der Berliner Politik- und Kommunikationsberatung "Richard Schütze Consult". Der Rechtsanwalt hat sich in zahlreichen Publikationen und Medien als Autor und Interviewgast mit dem Image von Politikern beschäftigt.

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Posting 1 bis 25 von 47
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Eins von Gottes Ebenbildern
01
24.5.2011, 09:56

"Diese Analysen sind bemerkenswert; verkennen sie doch zum einen den diesseitiger Mächtigkeit entsagenden Charakter des Christentums in Abhebung zu den anderen monotheistischen Religionen [...]"

Wann bitte hätte unsere Catholica jemals weltlicher Macht offen entsagt? Wann mischt sie sich nicht in die Politik ein, reklamiert sogar das Wörtchen Gott in eine zu schaffende europäische Verfassung hinein?

Dass der Kirche Machtanspruch hierzulande bereits ein beschränkter ist, ist allein Verdienst der Menschen, des Humanismus und des Liberalismus. Kein Jota ihrer Macht hat die Kirche jemals freiwillig aufgegeben.

Ich kann nicht erkennen, was Schmidts Analysen "verkennen" sollten, vielmehr zeigen sie auf!

lg mensch

René Herndl
00
24.5.2011, 07:14
"Achtung und Respekt vor der Würde der einzelnen Person".

Genau dieser Satz kennzeichnet vor allem die abrahamitischen Religionen im negativen Sinn, weil sie genau diese Achtung missen lassen. Die auch von Schmidt abgelehnte Missionierung ist das beste Indiz für die fehlende Achtung vor der Individualität des Menschen, die sich zudem als ideologische Basis in den politischen Auswüchsen des Antisemitismus und des Faschismus manifestieren. Und , nicht zu vefgessen, auch in der Intoleranz religiös begründeter Staaten und Staatsdoktrinen. Wenn Schmidt de Buddhismus als wahrscheinlich einzige friedliche Religion bezeichnet, hat er recht, denn weder das Christentum noch der Islam oder sogar das Judentum oder der Hinduismus kennen eine reale Toleranz - im Gegenteil, wie die Geschichte beweist.

Simplicius Simplicissimus
10
24.5.2011, 04:15
... "... jene Fragen, die auch bedeutende Menschen auf dem Sterbebett bewegen." ...

... Als Goethe, die Flöthe", sterbend flehte: "mehr Licht!", hatte man ihn ob seiner Zahnlosigkeit und altersschwachen Stimme schlicht falsch verstanden. Tatsächlich waren seine letzten Worte: "mehr nicht!"

Annata
01
24.5.2011, 01:38
Religionen sind das Heilmittel für Selbstverursachte Krankheiten

Ich lass mal das am meisten falsch wiedergegebene Sprichwort der Welt hier, das sagt alles aus, was man über Religion wissen müsste

"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein di

Annata
01
24.5.2011, 11:04
die im Dienste der Geschichte steht nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven.

Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.
.....
Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch einen Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteu

Annata
01
24.5.2011, 11:03

die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.

Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie,

KKdJ
11
23.5.2011, 20:52
Kardinal König, dieser weise, tolerante Mann,...

... war leider genau derjenige, der die weder weise noch tolerante, dafür höchst machtbewusst und sehr diskret agierende Organisation "Opus Dei" nach Österreich geholt hat.

Details kostenfrei (aber auf eigene Gefahr) nachzulesen unter www.opusfrei.org.

double standard
00
24.5.2011, 08:09

zu ziesel und huber hat er sich aber nicht bekannt

barabbas
32
23.5.2011, 19:54
Religion in der Verantwortung?

Muß sich nicht jeder Mensch verantworten für sein handeln oder sein begehen einer tat?
Wird man wegen seines Glaubens zur verantwortung gezogen?...die katholische kirche hat es uns auf bestialische weise vorgemacht. Mit der erfindung der "allmacht gottes" wollte sie das judentum übertrumpfen
das sich als auserwähltes volk dünkte.
wer das alte testament liest findet dort auch ohnmächtige götter. Ja Götter...plural. Der monotheismus ist als idee gefährlich wie die geschichte gezeigt hat. Die moralischen ideen sind nicht vom himmel gefallen sondern von menschen erdacht...wie die Schöpfungsgeschichten.
die idee des "sohnes" kommt von den ägyptern, als sohn von einem zerstückelten osiris und isis die sich an dessen leichenteilen befruchtet hat.

anton-aus-tyrol
 
37
23.5.2011, 16:41

ein brillianter Denker und noch besserer Rhetoriker!

Seine Interviews sind immer wieder ein Highlight. Seine Aussagen haben mehr Weisheit und Treffgenauigkeit als 90% derer, die uns heute führen.

Timagoras
 
00
24.5.2011, 19:08
"Seine Aussagen haben mehr Weisheit und Treffgenauigkeit als 90% derer, die uns heute führen"

.
spätestens seit
http://de.wikipedia.org/wiki/Holo... esrepublik
kann ich derlei nicht mehr unterschreiben.

Hossam Hassan
00
24.5.2011, 08:28
Helmut Schmidt, der DJ Ötzi der Philosophie...

Dhimmi
42
23.5.2011, 19:59
"Seine Interviews sind immer wieder ein Highlight."

Auch das letzte, bei Beckmann?
Es war in Wirklichkeit traurig zu sehen, wie der Mann verfällt.

René Herndl
00
24.5.2011, 14:49
Na, im Vergleich zu aktiven Politikern ...

... ist Schmidt auch noch mit nur 50 Prozent seiner Kapazität ein Vergnügen für den Zuhörer.

Hans Müller1
 
05
23.5.2011, 17:59
naja, wenn er sagt

"keiner der christlichen Tugendkataloge" enthalte "Achtung und Respekt vor der Würde der einzelnen Person"

dann weiß ich nicht was er unter der goldenen Regel und unter der Nächstenliebe versteht. Noch dazu wird im neuen Testament hundertmal betont dass kein Mensch über den anderen richten soll
Was ist den "Achtung und Respekt vor der Würde der einzelnen Person" wen es das nicht ist?
So brilliant kann der Denker nicht sein der hier keinen Zusammenhang sieht

wakeup
11
23.5.2011, 17:44
diese brillanz...

können sie nur deshalb beurteilen, weil sie noch brillanter sind?

wakeup
00
23.5.2011, 17:43
diese brillanz...

h k
44
23.5.2011, 16:10
Religion - Märchen gegen den Tod

Das Bedürfnis des Menschen nach letzter Wahrheit treibt seltsame Blüten.
Was der Verstand nicht vermag, liefert die Fantasie.
wenn damit auch noch Macht auszuüben ist, werden Kriege geführt, Hexen verbrannt, Ablässe verlangt, Menschen verschreckt, neurotisiert, gegeneinander aufgehetzt.
Die Angst vorm Fegefeuer verdrängt alle Schandtaten der Kirchenfürsten.
Trotz allem Unglück, das Religionen gebracht haben, gibts immer noch Menschen, die diese Märchen glauben

gnadevorrecht
63
23.5.2011, 18:48
Ja, was hat uns die Aufklärung dagegen für Segnungen gebracht!

Schon in den ersten Jahren der Französischen Revolution, zig Tausende Menschen ermordet. Die angeblichen durch die Aufklärung verbreiteten Grundrechte auf Meinungs- und Religionsfreiheit waren in Wahrheit ein gewaltsamens Auslöschen des Glaubens. In Tirol, wo uralte religiöse Praktiken den (aufgeklärten!) Besatzern ein Dorn im Auge waren, wurde sie eingeschränkt oder verboten (iwF Andreas Hofer etc). Dann gehts gleich nahtlos weiter mit dem Blutsee - ach was - mit dem Blutmeer des atheistischen Stalinismus und so weiter und so fort. Heute noch werden in Nordkorea Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen, deshalb auf das Grausamste gefoltert und gemordet.

Ich rechne nicht auf, ich will nur Ihr Bild ein wenig zurechtrücken.

init.d
00
23.5.2011, 23:32
...nur Ihr Bild ein wenig zurechtrücken

Na, wenn das Ihr Bild ist, verfügen Sie aber über ein sehr eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen ;-)
Praktisch jede kriegerische Auseinandersetzung vom Altertum bis in die Neuzeit wurde zumindest mit dem Wohlwollen der Führer der jeweiligen Religionen durchgeführt, wenn diese nicht sowieso die wirklichen Kriegstreiber waren ! Einige Beispiele: Kreuzzüge, 30 jähriger Krieg, Ausrottung der indigen Völker infolge der Missionierung, WK I und WK II, ... reicht ja wohl !!!

georg furtner1
03
23.5.2011, 21:06
Aha,

Sie halten also die Kims N-Koreas und Stalin für Vertreter der Aufklärung. Das zeugt nicht von differenziertem Denken. Stalin lernte im Priesterseminar, was dann zum Personenkult führte. Und Nordkorea zeigt ist dzt einer Pseudoreligion unterworfen, aber doch einer Religion.

Bill Munny
01
23.5.2011, 20:55
Zum "Atheismus" in Nordkorea

weil wir gerade beim Zurechtrücken von Bildern sind:

http://www.youtube.com/watch?v=eZxKBLGLJL4

Dhimmi
124
23.5.2011, 13:14
"Ich konnte nicht glauben, dass Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, ..."

Mich wundert diese Primitivsicht von Schmidt, denn "Sohn" drückt im antik-religiösen Verständnis nichts weiter als größtmögliche Nähe aus, mit einem physischen Sohn hat das nichts zu tun. Genauso wie "Jungfrauengeburt" im modernen Sprachgebrauch einfach grösstmögliche Exklusivität ausdrückt.

Andererseits wundern mich die Schmidt`schen Sager wiederum nicht. Wer ihn zum Beispiel unlängst bei Beckmann gesehen hat, dem ist wohl klar, dass Schmidt sich publizistisch zurücknehmen muss. Das hohe Alter fordert überdeutlich seinen Tribut.

grauslich
06
23.5.2011, 17:09
@Dhimmi "mit einem physischen Sohn hat das nichts zu tun"

Aber warum kann das ("größtmöchliche Nähe") dann nicht gleich so dastehen (wie's - deiner Ansicht nach - gemeint ist)? Hätten die (einfachen) Leute früherer Zeiten das sonst einfach nicht richtig kapiert?
Und warum musste dann Jesus "aus dem Geschlecht Davids" bzw. "aus dem Samen Davids" kommen? Geht's da nicht vielleicht doch um biologische (Bluts-)Verwandtschaft (OBWOHL ja "Jungfrauengeburt" durch Maria und nicht Josef, den David-Nachfahren,... aber das ist ein weiteres Problem!)?

Dhimmi
11
23.5.2011, 20:13
"Aber warum kann das ("größtmöchliche Nähe") dann nicht gleich so dastehen"

Es steht ja so da. Deutlicher gehts nicht mehr - für die damaligen Menschen.
Warum man da nicht nachgezogen hat? Man hatte wohl Scheu, zu sehr an den alten Texten zu basteln. Es ging auch nicht um "kapieren", wie heute, es ging um "glauben".

Ein Prophet oder Messias waren immer lange angekündigt, mit Hinweisen auf die näheren Umstände. Bei den Juden musste er unbedingt aus dem Hause Davids kommen, bei den arabischen Christen (sprich frühe Moslems) musste der Prophet unbedingt mit Abraham verlinkt sein ( der dann auch noch zum ersten Moslem ernannt wurde).

Bei den drei Offenbarungsreligionen ging es immer um sich erfüllende Prophezeihungen - mit entsprechender Kosmetik.

Aber das muss man einfach wissen, wenn man darüber doziert.

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