Was heißt denn hier "Sexskandal"?

Sabine Wagner, 22. Mai 2011, 19:39

Plädoyer für eine Unterscheidung

In den Medienberichten rund um den mittlerweile Ex-Chef des IWF, Strauss-Kahn, wird überwiegend nicht unterschieden zwischen "Sex" und sexuellen Übergriffen. So ist immer wieder die Rede von "Sexskandal", "Sexaffäre" oder "sexuellen Eskapaden". Es besteht aus meiner Sicht hier dringender Differenzierungs- und Klarstellungsbedarf in folgenden Punkten:

  • Ein sexuelles Verhalten auf Basis von Einvernehmlichkeit, das nicht den Moralvorstellungen der Mehrheit entspricht, ist die eine Sache. Mag ein solches Verhalten eines Prominenten dessen Image (und dem der Organisation, für die er tätig ist) schaden, so ist es grundsätzlich trotzdem die Privatangelegenheit der Betroffenen, solange es auf Einvernehmlichkeit beruht.
  • Sexuelle Übergriffe sind davon zu unterscheiden und etwas grundlegend Anderes. Sie sind kein Ausdruck sexueller Anziehung, sondern einer Haltung, dass man(n) sich in sexueller Hinsicht nehmen könne, was man(n) wolle, und zwar ohne Rücksicht auf den Willen des Gegenübers.
  • Sexuelle Übergriffe sind daher eine Frage von Besitzdenken und Macht, da ja gegen den Willen einer anderen Person agiert wird. Es manifestiert sich darin eine zutiefst respektlose Haltung, die Frauen nicht als gleichberechtigte menschliche Wesen sieht, sondern als Objekte. Darauf haben Generationen von Feministinnen hingewiesen. Opfer können all jene sein (und sind es auch), die über geringe Macht bzw. geringere Macht verfügen als die Täter.
  • Q Aus der Beratungspraxis der Gleichbehandlungsanwaltschaft ist mir bekannt, dass bei Belästigungsopfern am Anfang einer sexuellen Belästigung oft genau dies steht: das Gefühl der Unfassbarkeit, dass die eigenen Wünsche und das eigene (Nicht-)Wollen dem Belästiger vollkommen egal sind. Dies stellt eine tiefe Demütigung einer Person dar.
  • Eine solche Einstellung von Männern in einflussreichen Positionen, mit der man(Frauen qua Geschlecht nicht auf gleicher Ebene gegenübertritt, hat Auswirkungen auf deren berufliches Agieren, davon bin ich überzeugt.
  • Dass sexuelle Übergriffe in der heutigen westlichen Gesellschaft geahndet werden, ist gut und richtig und passiert - wie auch nach den Medienberichten zur diesbezüglichen Vergangenheit von Strauss-Kahn zu schließen - keineswegs sehr schnell. Im Gegenteil, bis heute wird sexuelle Belästigung/Gewalt viel zu häufig als "Kavaliersdelikt" angesehen.

In diesem Sinne: Respekt vor dem Mut jener Frau, die diesen Vorfall gemeldet bzw. angezeigt hat und sich gegen sexuelle Gewalt zur Wehr setzt!(Kommentar der anderen, Sabine Wagner, Juristin in der Anwaltschaft für Gleichbehandlung, DER STANDARD; Printausgabe, 23.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 182
1 2 3 4 5
Amy4
01
gewalt und sex = sexualisierte gewalt

auch dieser artikel i.d. taz "wenn sexuelle gewalt verniedlicht wird" zeigt wie sexuelle gewalt sprachlich verharmlost wird. aus einer vergewaltigung wird eine sex-affäre - aus einer hotelangestellten ein "zimmermädchen" usw.
"sprache spielt nicht nur machtverhältnisse wider. sie ist auch ein instrument, um machtverhältnisse zu zementieren, sexuelle gewalt gegen frauen zu verniedlichen und damit letztlich täter zu entlasten."
im kontext zu sex und gewalt wird auch von "sexualisierter gewalt" gesprochen. um deutlich zu machen, dass es bei den sex. verbrechen um gewalt und nicht nur um sexualität geht.

http://www.taz.de/1/debatte... icht-wird/

Plabutsch
30
30.5.2011, 01:34
Feminismus und männliche Gewalt

Fr. Pluhar - eine österreichische Parade-Feministin - ist es bis jetzt nicht zu blöde, einen mehrfachen Mörder schönzureden.

Dafür werden bei Assange und Strauss-Kahn die Unschuldsvermutung ignoriert.

Feminismus a la Lueger : "Wer ein böser Mann ist, das bestimme ich."

bluebeard's 8th wife.
00
30.5.2011, 14:31

pluhar war mal eine bekannte schuaspielerin, aber niemals eine "paradefeministin", sondern einfach eine frau, die ihre persönlich und berufliche autonomie geschätzt und dies auch gesagt hat.

seltsam, dass diese einfache tatsache sie dazu bringt, eine person, die ihnen nicht getan hat, zu verunglimpfen.

realityprevails
02
26.5.2011, 18:16
Feminismus, befreie dich aus deiner Geißelhaft!

Julian Assange und Dominique Strauss-Kahn haben etwas gemeinsam: mächtige politische Gegner. Während John F. Kennedy von seinen Gegner erschossen werden musste um ihn mundtot zu machen, genügt es bei politischen Mittelgewichten wie Assange und Strauss-Kahn, sie durch langwierige juristische Prozesse zum Schweigen zu bringen. Das politische Establishment ist sich der ethischen Autorität des Feminismus bewusst. Nicht jedoch, weil es die Werte des Feminismus unterstützen würde, sondern um den Feminismus für andere Zwecke zu missbrauchen.
Im Dienste der guten und richtigen Sache, begeben sich Verfechter/innen des Feminismus in diesen Tage in die Geißelhaft jener politisch Mächtigen, die Wikileaks.org fürchten und Nicolas Sarkozy wiedergewählt s

realityprevails
01
26.5.2011, 18:19

... sehen wollen. Die Fahnen des Feminismus schwingend, zeigen seine Verfechter/innen auf zwei Männer, um die sich eine Spirale aus Vorwürfen, juristischen Tricks und politischem Rufmord dreht. Die Verfechter/innen des Feminismus vergessen dabei nicht nur auf die Unschuldsvermutung in einem laufenden Gerichtsverfahren. Sie sind sich auch nicht bewusst, dass sie sich von den politisch Mächtigen ungewollt vor den Karren spannen lassen. Gerüchte sexueller Gewalt unreflektiert weiterzugeben, ist ein feministischer Reflex, der sowohl dem Feminismus schadet, als auch den Herrschenden dient.

Gusti Rentner
 
00
26.5.2011, 09:23
Wo haben studiert? In Österreich? Bis zur rechtskräftigen Verurteilung eines Angeklagten gilt HIERZULANDE nämlich die UNSCHULDSVERMUTUNG!

AndiBacher1985
11
25.5.2011, 17:39

Hab jetzt vier Kommentare von derStandard-Usern gelesen. Allesamt interessant und frisch.

Diese Aufzählung hier ist jedoch nichts als eine Erbsenzählerei.

Außerdem eine unbegründete Vorverurteilung. Wohler will die liebe Frau Sabine den wissen was geschehen ist? Wofür braucht man überhaupt noch Gerichte, wenn die Frau Sabine eh alles weiß wer schuldig ist und wer nicht?!

Wir würden uns Milliarden sparen!

okami
00
30.5.2011, 12:08
Wo lesen sie, dass 'Frau Sabine' (wie sie herablassend sagen) weiss, wer schuldig ist?

Horusauge
21
24.5.2011, 03:46
Interessehalber: Wie darf man sich Sex mit einer Feministin vorstellen?

msova
00
27.5.2011, 01:09

besser, als du es dir in deinen wildesten träumen vorstellen kannst.

Horusauge
01
27.5.2011, 11:21

Das entzieht sich in der Tat meinem Vorstellungsvermögen; denn entweder entledigen sich die feministischen Damen beim Sex Ihrer Grundsätze - dann sind Sie aber nur ver/w/irrte Papiertigerinnen - oder es ist ein Geschlechterkampf/Geschlechtsverkehrkrampf; 50:50 kann es beim Sex nie geben - eine/r muß immer oben sein.

msova
00
27.5.2011, 13:33

warum?

Horusauge
00
28.5.2011, 01:32

Warum was? Warum eine/r immer oben sein muß - okay, es gibt Löffel-Ausnahmen.
Unstrittigerweise ist Sex auch eine Machtausübung, wobei die weibliche Macht der männlichen ganz sicher nicht nachsteht - Ziel ist ein ganzheitliches Erlebnis, welches mit 50:50 nicht zu erreichen ist - korrigieren Sie mich, sollten Sie andere Erfahrungen gemacht haben.

Es ist doch g€il, die eine oder andere "Rolle" zu spielen, ich bezweifle, daß Feministinnen das noch unbeschwert können, weil ihnen immer ihre Glaubenssätze dazwischen kommen (Mann und Frau wären gleich und nur durch Erziehung entstehen Unterschiede).

msova
00
27.5.2011, 11:29

als ob ma nicht abwechseln könnte.

Horusauge
00
27.5.2011, 13:19

Also, wenn man sich die Aussagen oder Ansichten von Feministinnen - und ich rede hier nicht von selbstbewußten, emanzipierten Frauen - so zu Gemüte führt, erscheint mir das ohne Selbstverleugnung ihrer konstruierten Sicht der Welt, Biologie, Psychologie ect. nicht machbar.

jumpingjack flash
15
24.5.2011, 10:00

die frau dringt in den mann ein....

RichardRoe
12
24.5.2011, 08:18

Besser gar nicht.

AlliGator
21
23.5.2011, 19:07

§1, der erste Punkt und der letzte §: Ja. Gut geschrieben und einverstanden.

Aber die übrigen Punkte der Aufzählung gehören dringendst gegendered. Nicht alle Männer sind Vergewaltiger, und nicht alle Frauen Unschuldslämmer.

Josef Dvorak
12
23.5.2011, 19:28

und in §2 kann mit dem semantischen Feld des Begriffes "sexuell" etwas nicht stimmen: weshalb darf
ein sexueller Übergriff u.a. nicht auch dadurch motiviert sein, daß der Täter an seinem Opfer sexuellen Gefallen findet? Ich staune, was sich Juristen jetzt alles ausdenken, um mitzuhelfen, DSK
"in die Pfanne zu hauen". Gott behüte ( wie man so sagt), daß alles doch nur auf einer Intrige beruht!

Gusti Rentner
 
01
26.5.2011, 09:33
Ad "Intrige": Wäre -ebenfalls Unschuldsvermutung- das Locken eines potentiellen Präsidentschaftskandidaten in eine "Sexfalle", damit er nicht mehr kandidieren kann, denn KEIN sexueller Übergriff?

Als objektiv "in alle Richtungen ermittelungsfähige Staatsanwältin" braucht Frau Wagner sich in Hinkunft eher nicht zu bewerben...

MondXicht
01
23.5.2011, 18:40

Sprachliche Differenzierung finde ich auch sehr wichtig, und ich vermute auch DSK als schuldig, finde es aber dennoch äußerst bedenklich, dass eine FRAU JURISTIN sich hier so einfach über jegliche Unschuldsvermutung hinwegsetzt!

In dubio pro reo, das gehört nun mal zur Demokratie dazu!!

Josef Dvorak
03
23.5.2011, 19:14
Nein, nicht zur Demokratie, sondern zum Rechtsstaat!

4simo
00
23.5.2011, 19:00
ich seh hier keine aussage zur vermuteten (un)schuld des herrn

MondXicht
01
24.5.2011, 10:41

Ich darf zitieren: "In diesem Sinne: Respekt vor dem Mut jener Frau, die diesen Vorfall gemeldet bzw. angezeigt hat und sich gegen sexuelle Gewalt zur Wehr setzt!"

Das setzt die Schuldigkeit des Angeklagten vorraus.

googlehupfinger
28
23.5.2011, 15:57
Es geht dabei einzig und allein um brutale Macht.

Mit Sex hat das wirklich nichts zu tun, den hätte sich der DSK leisten können.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 182
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.