Ostasiatisches Gipfeltreffen: China lockert Importverbot für japanische Lebensmittel
Auf dem ostasiatischen Gipfeltreffen hat Gastgeber Japan seinen Besuchern aus China und Südkorea einen ganz besonderen Genuss aufgetischt: Mini-Tomaten, Gurken und Gemüse aus dem Krisengebiet in Japans Nordosten. Lachend bissen Japans Regierungschef Naoto Kan, Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und Südkoreas Präsident Lee Myung-bak bei ihrem Besuch der Bebenregion zu - dem Atomunfall in Fukushima zum Trotz.
Die Atomkatastrophe bestimmte nicht nur den Speiseplan, sondern auch die Tagesordnung des Gipfels am Sonntag. Die Länder bekannten sich zwar weiter zur Atomenergie, aber wollen nun erneuerbare Energien stärker ausbauen. Japan versprach, Nachbarn und Welt umfassend von den Lehren des Bebens zu informieren. Zudem vereinbarten die Länder bessere Information bei künftigen Katastrophen. Das Abkommen über den weitreichenden Austausch von Informationen über die Sicherheit von Atomkraftwerken sei "sehr wichtig", sagte Südkoreas Präsident Lee Myung-bak. "Wir haben gelernt, dass sofortiger Informationsaustausch dringend notwendig ist."
Damit spielte er auf die harsche Kritik an Japans Krisenmanagement an. Japan hatte radioaktiv verstrahltes Wasser aus dem Atomkraftwerkskomplex Fukushima 1 ins Meer abgelassen, ohne Südkorea und China vorher in Kenntnis zu setzen. Dieser Schritt hatte die Strahlenangst in Südkorea und China angeheizt.
Im Gegenzug für prompte Informationen sagten China und Südkorea den Gastgebern zu, die Strahlenpanik in ihren Ländern einzudämmen, die den Absatz von Produkten "Made in Japan" gefährdet. China gestand Japan zu, den Importbann für Lebensmittel von derzeit zwölf auf zehn Präfekturen einzuschränken.
130 Mrd. Euro für Aufbau
Japan wird ab jetzt noch reichlich Gelegenheit haben, sich als besserer Kommunikator zu beweisen. Denn die Krise wird sich noch Monate hinziehen. Der Betreiber der Krisenmeiler, Tokyo Electric Power (Tepco), behaupten noch immer, die Meiler in sechs bis neun Monaten herunterkühlen zu können, obwohl die Lage schlimmer ist als zuvor angenommen. Am Sonntag teilte Tepco mit, dass wenigstens für die Abklingbecken der Meiler 1 bis 4 bis Ende Juli ein Kühlsystem fertiggestellt werden soll. Japans Regierung bezifferte die Wiederaufbaukosten nach Erdbeben und Tsunami mit 130 Milliarden Euro.
Andere wichtige Tagesordnungspunkte gingen in dem Rummel über die Atomkatastrophe fast unter. So vereinbarten die drei Wirtschaftsriesen, noch dieses Jahr eine Studie über eine trilaterale Freihandelszone zu beginnen. (Martin Kölling aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 23. Mai 2011)