STANDARD-Exklusivinterview

Ex-Nato-Militärchef hält Intervention in Syrien für möglich

Christoph Prantner, 22. Mai 2011, 17:22

Wesley Clark: "Assad könnte das gleiche Schicksal wie Gaddafi ereilen"

Ex-Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark sieht im Gespräch mit Christoph Prantner die Allianz in Libyen auf einem guten Weg: Gaddafis Abgang sei eine Frage der Zeit, der Einsatz von Bodentruppen möglich. Eine Intervention ist auch in Syrien vorstellbar.

***

STANDARD: Sie waren in den 1990er-Jahren führend bei den Balkankriegen dabei. Welche Lektionen gelten heute für die Libyen-Intervention?

Clark: Die wesentliche Lektion ist, dass man nicht warten darf, bis ein Staat kollabiert. Die USA, Europa und die UN haben damals viel zu lange gezögert, obwohl sie wussten, dass Jugoslawien auseinanderfallen würde. Konflikte müssen früh gelöst werden - am besten politisch. Und wenn das Töten beginnt, muss man besser schnell intervenieren. Je länger das Töten andauert, desto schwieriger wird es, die Positionen und Herzen zu versöhnen. Am Balkan hätten wir deswegen beinahe verloren.

STANDARD: Ist der diplomatische Weg in Libyen bereits versperrt?

Clark: Nein. Die Libyer bekommen bloß nicht jene Antwort, die sie erwarten. Es ist völlig klar, dass sie keine Lösung akzeptieren können, die Muammar al-Gaddafi im Land belässt. Er hat seine Finger überall Spiel. Es kann keine haltbaren Zukunftsversprechen geben, solange er dort ist. Sein von der Stasi trainierter Geheimdienst ist immer noch sehr effektiv und äußerst skrupellos. Wenn er bleibt, wird er fürchterliche Rache üben.

STANDARD: War es klug, Gaddafi als Kriegsverbrecher anzuklagen? Er muss nun bis zum Ende kämpfen.

Clark: Das stimmt nicht. Sein Ausweg ist, dass er endlich jener Staatsmann werden muss, der er zu sein behauptet. Er hat sich bisher nicht um eine wirkliche Lösung der Krise gekümmert. Wie Slobodan Milošević während des Kosovokrieges sagt er bloß: Hört auf mit den Bombardements und lasst mich im Amt bleiben!

STANDARD: Wie läuft die Militäraktion ihrer Einschätzung nach?

Clark: Adäquat. Die Nato ist effektiv, keine Frage. Wie lang es gehen wird, hängt von Gaddafi ab. Die Nato wird die Operationen jedenfalls nicht von sich aus einstellen. Die Allianz ist eine sehr effektive Konsensmaschine. Sobald es Übereinstimmung gibt, dann gibt es keinen Weg mehr zurück: Das haben auch Milošević und seine russischen Unterstützer auf die harte Tour lernen müssen.

STANDARD: Wird es Bodentruppen in Libyen brauchen wie seinerzeit in Bosnien?

Clark: Das ist möglich. Ich hätte gerne schon früher Friedenstruppen dort gesehen. Wenn Gaddafi um Hilfe und Mediation gebeten hätte, wäre er heute nicht ein angeklagter Kriegsverbrecher. Das Ende Gaddafis ist unumgänglich. Wenn es sich länger hinzieht, dann könnte ein Nato-Land Bodentruppen entsenden. Die UN-Resolution erlaubt dies - dort wird nur eine Besatzung Libyens untersagt. Die USA haben Pakistan auch nicht besetzt, sondern nur Osama Bin Laden eliminiert.

STANDARD: Ist der Tod Bin Ladens der Startschuss für den US-Abzug aus Afghanistan?

Clark: Das ist eine Voraussetzung, keine Frage. Es läuft ein Entscheidungsprozess, im Juli wird es dazu wohl Ankündigungen geben. Ich denke, wir werden Truppenreduzierungen sehen. Dazu brauchen wir aber auch einen Übergangsplan, bei dem alle beteiligten Parteien mitreden. Pakistan muss sich gänzlich aus Afghanistan zurückziehen. Und es braucht einen Sicherheitsdialog auf dem gesamten Subkontinent.

STANDARD: Zum Nahen Osten: Was geschieht, wenn in Syrien die Dinge völlig außer Kontrolle geraten?

Clark: Bashar al-Assad könnte das gleiche Schicksal wie Gaddafi ereilen, wenn er jetzt nicht seine Armee und Sicherheitskräfte unter Kontrolle bringt. Die geostrategische Bedeutung Libyens machen Öl und Menschen aus. Im Fall Syrien ist das geostrategische Gewicht ein völlig anderes: Wenn Assad dort einen humanitären Anlass für eine Aktion gibt, könnte die Entscheidung dafür durchaus beschleunigt werden, weil der Wert eines Wandels in Syrien als sehr hoch eingeschätzt wird. Assad bewegt sich derzeit auf sehr dünnem Eis.

STANDARD: Wie viel Spielraum hat Assad noch?

Clark: Sehr wenig, wenn es um die internationale Gemeinschaft geht. Intern muss er selbst sehen, wie er klarkommt. Wenn er der Präsident sein will, dann muss er danach handeln.(DER STANDARD Printausgabe, 23.5.2011)

Zur Person:

Wesley Clark (66) ist einer der prominentesten US-Offiziere. Zuletzt war er Nato-Oberbefehlshaber für Europa und verantwortlich für den Kosovokrieg 1999. 2003 kämpfte er erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Am Wochenende war er einer der Stargäste bei der Gründungsversammlung des "Center for Global Dialogue and Coorperation" in Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 166
1 2 3 4
Oddo Wolf
02
http://www.youtube.com/watch?v=Ha1rEhovONU

-
Der selbe Wesley Clark bestätigt: das Pentagon hatte bereits im Jahr 2001 den Auftrag erhalten in den Ländern Iraq, Syria , Lebanon , Libya, Samolia , Sudan and Iran militärisch zu intervenieren und deren Regierungen zu stürzen.

Chocha
10
23.5.2011, 21:51
der Santa Claus mit der MP

Kann er sich vorstellen? Und warum nicht in Bahrein? Ach ja, da sind sie schon mit der 5.Flotte!

Harry Meier
 
94
23.5.2011, 13:27
Mir sind bisher nur zwei Weltkriege bekannt und ..

. die wurden bekanntlicherweise beide von Österreichern angefangen. Was auch die pro Diktatur Beiträge in diesem Forum erklärt.

Mostbluzza
12
24.5.2011, 08:58
auf ewig asche auf unser haupt

und der rest der welt war so arm, dass sie sich wehren mussten, sonst hätte österreich 2x ein weltreich aufgebaut und 200 nationen unterjocht ...

wie ist eigentlich eure offizielle geschichtschreibungsversion in japan (zum wk2) diesbezüglich, oder haben dort die sozialisten gar nix zu melden ....

Hossam Hassan
10
24.5.2011, 14:20
Auf ihr Haupt gehört nur Asche und sonst nichts

Der Rest der Welt hat 50 Millionen Kriegstote und Millionen in Vernichtungslagern ermordet. Die Asche auf ihrem Haupt ist aus Auschwitz und sie sollten sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
Der kleine Schritt zum Nazi ist leicht getan, wenn man so wie sie ihr Österreichertum mit einer politischen Haltung verwechselt.

manfred maier
21
23.5.2011, 19:36

der terrorharry auf der suche nach gleichgesinnten.....etwas einsam in ihrer höhle, mein junge?

Hossam Hassan
21
24.5.2011, 14:29
Dass der Herr Maier halt so reagiert wie jeder Österreicher

wenn man ihm den Spiegel der Nazis vorhält, nämlich mit blauäugiger Verdrängung, das bestätigt die Beobachtung.
Linker Antiimperialismus ist der Name für jenes rechtsextreme Gedankengebäude, das sich moralisch und humanistisch auf die Zärtlichkeit der Völker beruft (bzw. ihr Selbstbestimmungsrecht, eine alte Lenin'sche Floskel), weil man von den Rechten des Individuums nichts wissen will und weil dieses Recht dort prototypisch verkörpert wird, nichts so sehr hasst wie Israel und die USA.
Aber das war schon bei den historischen Nazis der Fall, da brauchen sich die neuen nicht auch noch was erfinden.

Der Herr Maier ist ein Feind der Freiheit im Namen einer abstrakten Freiheit der Völker, die keine Individuen kennt.

Walther von der Vogelweide, der 1.
12
23.5.2011, 12:34
Ja seids den schon völlig gestört?

Bomben in Afghanistan, Bomben in Libyen und jetzt auch vielleicht in Syrien. Für die Bevölkerung nur mehr ein Sparpaket nach dem anderen und für euer Kriegsgerät gibt's Geld? Schleichts euch ihr Größenwahnsinnigen!

Harry Meier
 
41
23.5.2011, 15:48
Ja klar damit Gaddaffi und Assad ihre Bevölkerung ..

. ganz umbringen können.

der Rabe
13
23.5.2011, 11:57
Wenn die NATO auf solche rabiaten Haudraufs hört,

wird si3e bald auch in Syrien vor dem Desaster stehen, vo dem sie jetzt in Libyen steht: es gibt keinen Weg heraus ohne Gesichtsverlust. Und die humanitäre Katastrophe beginnt erst.

Wsie viele solche Sackgassen-Kriege können sich die USA noch leisten? So schnell werden sie nicht an das libysche Öl und Gas kommen.

Carlito336
02
23.5.2011, 12:20
Erst losschlagen, und dann darüber nachdenken, wie man da wieder raus kommt.

Der Klassiker, wie sich Imperien überheben.
Vorwärts zum Endsieg! Dooch wie schaut der aus?

jolo -
21
23.5.2011, 12:06

"wird sie bald auch in Syrien vor dem Desaster stehen, vo dem sie jetzt in Libyen steht"

Ich sehe kein Desaster in Libyen - nur einen Diktator, der eigentlich schon Geschichte ist, es aber in seinem Bunker nicht wahrhaben will.

manfred maier
23
23.5.2011, 12:49
"Ich sehe kein Desaster in Libyen"...NOCH nicht?

....tausende tode, hunderttausende flüchtlinge, eine zerstörte infrastruktur sind für euch rechtsaussen bekanntlich kein desaster.
ob folgendes auch sie einmal als desaster erkennen werden?
am 20.2. meldete der standard in seinem liveticker (http://derstandard.at/129781844... Tripolis): " Denkfabrik ESISC (European Strategic Intelligence and Security Center) in einer am Montagabend veröffentlichten Expertise. "Wir haben aus mehreren Quellen erfahren, dass bekannte Islamisten die am Wochenende im Osten begonnene Rebellion anführen."..

jolo -
00
23.5.2011, 17:32

"....tausende tode, hunderttausende flüchtlinge, eine zerstörte infrastruktur sind für euch rechtsaussen bekanntlich kein desaster"

Wenn ich rechtsaussen wäre, würde ich mich mit ihnen als linksaussen wunderbar verstehen. Und ich würde Gaddafi, den großen Freund der Bärenthaler-Fraktion, bis aufs Blut verteidigen....

manfred maier
21
23.5.2011, 18:58
zum thema wie immer ein ungepflegtes nichts?

....dafür die mc carthy perspektive eines kriegshetzers......WAS ausser links glauben sie, könnte von ihrem rechten rand aus erkennbar sein?

double standard
00
23.5.2011, 11:50

hat man denn öl entdeckt?

derEuro
 
02
23.5.2011, 11:42
NuoViso im Gespräch... mit Jochen Scholz

Der ehemalige Oberstleutnant der NATO-Luftwaffe, Jochen Scholz, weist im Interview auf die Diskrepanzen zwischen Berichterstattung und den tatsächlichen Gründen der deutschen Beteiligung am Jugoslawienkrieg im Jahre 1999 hin.

http://www.youtube.com/watch?v=x_KtLZ32-6U

DieBo
00
23.5.2011, 11:42
Wenn Staaten wie Syrien schlau wären würden sie jetzt eine Frau an die Spitze wählen. Dann kämen Männer, die mit kleinem Piepmatz aber die ganz auf dicke Hose machen in Erklärungsnot......

manfred maier
16
23.5.2011, 11:36
"Als Imperialismus bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens oder dessen Anführer, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen, bis hin zu deren Unterwerfung und Eingliederung in das eigene Umfeld.......

....Dazu gehört eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten."
http://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus
diese defination trifft auch auf den faschismus zu, welchen wir bei dem bankrotten US terrorstaat und seinen handlanger in seiner immer ausgeprägeren form erleben.
und dies ausdrücklich auch dann, wenn sie ihren bomben "zivilisten schützen" auf die hülle schreiben. (bereits ah hatte begriffen, dass er seinen terror mit positiven umschreibungen tarnen muss).
bei den handlangern in der EU breiten sich die volksaufstände immer weiter aus......ob wir auch bei uns bald mit bombardements vor dem weiterleben geschützt werden?
ruft die gänse, stellt die teerfässer bereit!

bruno3
31
23.5.2011, 13:15

so, und jetzt wo sie den einleitungsabsatz aus der wikipedia zu 'imperialismus' gelesen haben, versuchen Sie den zu 'faschismus' zu lesen, lesen hilft und ist abenteuer im kopf!

manfred maier
11
23.5.2011, 14:10
hoch aktuell....faschismustheorie

http://de.wikipedia.org/wiki/Fasc... mustheorie
...."Faschismus ist die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals...In dem Moment, in dem der Kapitalismus bedroht sei – etwa durch eineWeltwirtschaftskrise – wandele sich die bürgerliche Demokratie zur faschistischen Diktatur, die auch mit brutalsten Mitteln die Kapitalverwertung aufrecht erhalten würde"
so mein junge...findet nun ein abenteuer im kopf statt oder sind sie bereits an der kreation eines neuen nicks?

manfred maier
11
23.5.2011, 13:23
"....ist abenteuer im kopf!"

...ihr abenteur scheint im kreieren von immer neuen nicks zu bestehen.
wenn sie jetzt noch statt patzige und halb halboriginelle sprüchlein aufsagen endlich erklären, WO der imperialismus (dessen defination sie kja offenbar akzeptieren) ideologisch einzuordnen ist, wären sie so etwas ähnliches wie ein diskusssionsteilnehmer.
oder übersteigt das abenteuer die kapazitäten ihres kopfes?

Martin Demelmair
 
00
23.5.2011, 10:58

na, da wird die begeisterung bei den rädchen der consensus machine schier grenzenlos sein!

das ding ist ja schon vor/zu/nach beginn der libyen-kampagne nicht gerade gelaufen wie geölt; mehr sand als öl im getriebe.

(und die garantie ist schon seit juli 91 abgelaufen.)

was wir im gegensatz zu einem engagement auch in syrien in nächster zeit - in analogie zu ju 99 - beobachten werden dürfen: eine eskalation der bombardements, noch großzügigeres targeting und gezielte schläge gegen die zivile infrastruktur.

der automatismus dieser "machine" funktioniert einwandfrei.

derEuro
 
02
23.5.2011, 11:39
Der Krieg gegen Libyen seit 10 Jahren geplant - deutsche Untertitel

In einem Interview mit Amy Goodman von "democracy now" spricht Vier-Sterne-General Wesley Clark sich darüber aus, was wir von den Kriegseinsätzen im Mittleren Osten halten dürfen: http://www.youtube.com/watch?v=5-TZxI8m8ss

chaote2
 
02
23.5.2011, 10:46

Wenn Wesley Clark als Schütze Asch vorangeht bin ich voll dafür. Andere vorschicken und selbst im Sicheren sitzen ist keine Kunst.

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