Demonstranten zerstörten Autos und Geschäfte - Präsident Pinera verteidigt umstrittenen Bau von Wasserkraftwerken
Santiago/Valparaiso - Bei gewaltsamen Demonstrationen in
mehreren Städten Chiles gegen die Regierung von Präsident Sebastian
Pinera sind am Samstag 100 Menschen vorübergehend festgenommen
worden. Die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen den meist jungen
Demonstranten und der Polzei gab es in Valparaiso, wo der Staatschef
eine Regierungserklärung zur Lage der Nation abgab. Demonstranten
warfen Steine auf die Polizei und zerstörten Autos und Geschäfte. Die
Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern vor.
Pinera rief bei seiner Rede zur nationalen Einheit auf und
verteidigte zugleich den umstrittenen Bau von Wasserkraftwerken im
Süden des Landes. "Wir können nicht feststellen, dass wir mehr
Energie brauchen, diese auch großzügig in Anspruch nehmen und dann
zugleich gegen alle Formen ihrer Erzeugung sein", sagte der
konservative Präsident. "Wir werden uns nicht beirren lassen. (...)
Die Gewalttätigen werden niemals das letzte Wort behalten", sagte er
unter den Pfiffen der Opposition. Schon am Freitag hatten landesweit
etwa 50.000 Menschen gegen die Umwelt- und Sozialpolitik der
Regierung demonstriert.
Chile ist zwar eine der stabilsten Demokratien Südamerikas, es
gibt jedoch eine tiefe Kluft zwischen Armen und Reichen. Das
durchschnittlich Pro-Kopf-Einkommen des Landes am Pazifik ist zwar
fast so hoch wie in Portugal, dennoch leben drei Millionen der knapp
17 Millionen Einwohner in Armut. Für Unzufriedenheit sorgt auch der
schleppenden Wiederaufbau nach dem Erdbeben vom vergangenen Jahr. Die
Popularität Pineras ist seit seinem Amtsantritt im März 2010 stark
gefallen. (APA)