Auch iranischer Regisseur Rasulof ausgezeichnet
Cannes - Für sein bewegendes Krebsdrama "Halt auf freier Strecke"
ist der Deutsche Andreas Dresen beim Filmfestival Cannes ausgezeichnet worden.
Der 47 Jahre alte Regisseur erhielt in der renommierten Nebenreihe "Un certain
regard" den Hauptpreis der Sektion. Dresen teilt sich den Preis mit dem Koreaner
Kim Ki-duk, der für sein autobiografisches Werk "Arirang" geehrt wurde.
"Halt auf freier Strecke" erzählt die Geschichte von Frank, bei dem ein
inoperabler Hirntumor festgestellt wird. Der Vierzigjährige hat nur noch wenig
Zeit zu leben und muss Abschied nehmen von seiner Frau, seinen Kindern und
seinem Leben. Das authentisch wirkende Drama hatte das Publikum in Cannes zu
Tränen gerührt. Jurymitglied Geoffrey Gilmore würdige Dresen als Regisseur, der
"sich nicht falscher Sentimentalität hingibt, sondern über die Komplexität einer
solchen Situation spricht. Der deutsche Filmemacher war 2008 bereits für sein
Liebe-im Alter-Drmaa "Wolke 9" mit dem Sympathiepreis "Wolke 9" geehrt worden
und hatte "Halt auf freier Strecke" erst vor einer Woche fertiggestellt.
Den Preis der Jury erhielt der iranische Regisseur Mohammad Rasulof für
seinen Film "Be Omid e Didar" ("Auf Wiedersehen"). Der 37-Jährige konnte jedoch
nicht zur Preisverleihung nach Cannes kommen. An seiner Stelle nahm Rasulofs
Frau den Preis der Jury unter Vorsitz des serbischen Regisseurs Emir Kusturica
entgegen.
Rasulof war ebenso wie sein iranischer Kollege Jafar Panahi im Dezember von
einem iranischen Gericht zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot
verurteilt worden. Beide Regisseure haben gegen ihre Urteile Berufung eingelegt
und befinden sich einstweilen auf freiem Fuß, dürfen aber nicht ins Ausland
reisen. Überraschenderweise wurde das Reiseverbot gegen Rasulof seinem Anwalt
zufolge am Montag aufgehoben, doch schaffte er es aufgrund der iranischen
Behörden nicht mehr rechtzeitig, das benötigte Ausreisevisum zu erhalten.
Ironischerweise geht es in seinem Film um eine junge Anwältin aus Teheran, die
versucht ein Ausreisevisum zu erhalten.
Für dem schwul-lesbischen Filmpreis "Queer Palm" wurde der erste Film in
Cannes auf Afrikaans, "Skoonheid" ("Schönheit"), ausgezeichnet. Der Streifen von
Oliver Hermanus porträtiert einen südafrikanischen Mann mittleren Alters im
Kampf mit seiner latenten Homosexualität.
Der Preis der Internationalen Kritik ging an "Le Havre" des finnischen
Filmemachers Aki Kaurismäki. Die ökumenische Jury wiederum verlieh ihren Preis
an "This Must Be The Place" des Italieners Paolo Sorrentino. Beide Produktionen
stehen auch im Wettbewerb um die Goldene Palme, die am Sonntag zum Abschluss des
Festivals vergeben wird.
Auf die Goldene Palme darf sich auch der Österreicher Markus Schleinzer
Hoffnungen machen: Mit seinem Debütfilm "Michael" über einen pädophilen Mann,
der einen Zehnjährigen über lange Zeit in seinem Keller gefangen hält, sorgte er
für gemischte Reaktionen. Neben der Goldenen Palme hätte "Michael" auch Chancen
auf Regie-, Drehbuch- oder Darstellerpreis.
Einen ersten österreichischen Erfolg gab es bereits zu verbuchen:
Neo-Regisseur Karl Markovics ist für seinen Debütfilm "Atmen" in der
renommierten Cannes-Nebenreihe "Quinzaine des Realisateurs" am Freitagabend mit
dem Preis "Label Europa Cinema" ausgezeichnet worden. Der bei den Festivals
Cannes, Venedig, Berlin und Karlsbad vergebene Preis unterstützt Kinobetreiber,
die den Film über längere Zeit im Programm führen. "Atmen" gilt auch als einer
der Favoriten für die "Camera d'Or" für den besten Erstlingsfilm.
Kulturministerin Claudia Schmied (S) gratulierte bereits "ganz herzlich": Mit
seiner "außergewöhnlichen Regiearbeit" sei dem Publikumsliebling "der
Seitenwechsel" geglückt. "Ich hoffe allerdings, dass er uns auch als
Schauspieler erhalten bleibt", so Schmied. (APA)