Fitnessprogramm für die Simpsons

20. Mai 2011, 20:27
68 Postings

Kampf gegen Fettsucht und Co: Minister Stöger sucht Ziele für die Gesundheitspolitik

Wien - Das Gesundheitsministerium geht mit schlechtem Vorbild voran. "Wer mich besucht, muss den Aufzug nehmen", sagt Hausherr Alois Stöger, "die Stiegen sind kaum zu finden." Eine typische Kleinigkeit, die dazu beiträgt, dass nicht alle Leute so drahtig sind wie der SPÖ-Minister.

Fettleibigkeit ist nur eines der modernen Leiden, die Stöger bekämpfen will. Zehn Generalziele soll die Gesundheitskonferenz formulieren, die er am Freitag bei einem Massenaufmarsch von Politikern, Experten und Funktionären eröffnet hat. Der auf ein Jahr angelegte Diskussionsprozess soll die angepeilte Strukturreform, von der sich die Regierung mehr Durchgriff im zersplitterten System erhofft, ergänzen. Zum Auftakt stand zur Debatte, wo der Hebel anzusetzen ist.

Für Anregungen hat Stöger Ilona Kickbusch geladen. Die Schweizer Expertin fordert eine "Gesundheitsrevolution", um die Auswüchse der Konsumwelt in den Griff zu bekommen. Diese seien bedrohlich: Während das gängige Szenario von einer stetig zunehmenden Alterung ausgeht, meinten Pessimisten, dass die Sechs- bis Zehnjährigen von heute als erste Generation wieder an Lebenserwartung einbüßen könnten.

Für typisch hält Kickbusch die Lebenswelt der Fernsehfamilie Simpson, die zwischen Atomkraftwerk, brennender Mülldeponie und einem Fluss wohnt, in dem sich mutierte Fische tummeln. Oberhaupt Homer vertilgt schachtelweise Donuts und isst siebenmal die Woche Schweinefleisch, das er mit reichlich Bier hinunterspült.

Die Statistik zählt hierzulande viele Homers. Ob Rauchen, Saufen, Übergewicht: In einschlägigen Disziplinen ist Österreich vorn dabei. Dazu greifen psychische Leiden à la Burnout um sich.

Die international erprobten Gegenmaßnahmen gehen vom Hundertsten ins Tausendste: Sie reichen von Gemeinschaftsküchen über Kampagnen gegen den hohen Salzanteil in Nahrungsmitteln bis zu Kühlschränken in Schulen, um eine frische Jause aufzubewahren. Manche Städte versuchten sogar, die Zahl der Fastfood-Restaurants pro Quadratmeter per Verordnung zu begrenzen, erzählt Kickbusch. "Wir haben mächtige Gegner, die bei der Konferenz nicht dabei sind", ergänzt Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely: "McDonald's, Nestlé oder Masterfoods haben ganz andere Ziele."

Dass ein kleiner Minister da allein nicht weiterkommt, weiß Stöger selbst: "Ganz Österreich muss mitmachen." Kein leichtes Unterfangen, meint die Schweizerin Kickbusch. Schon am Flughafen hat sie ein Plakat mit einem Schnitzel gesehen, das über einen Tellerrand hängt: "In diesem Land muss ein Gesundheitsminister besonders mutig sein." (Gerald John, STANDARD-Printausgabe, 21./22.5.2011)

  • TV-Star Homer Simpson: typische Konsumwelt.
    foto: rex features / picturedesk

    TV-Star Homer Simpson: typische Konsumwelt.

Share if you care.