Claus Philipp über Cannes und Lars von Trier

"Hitler muss man kaputtreden"

Kommentar der anderen | Claus Philipp, 20. Mai 2011, 19:07
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    foto: standard / cremer

    Über den Autor:
    Claus Philipp, bis 2008 Leiter des Kulturressorts des Standard, ist Geschäftsführer des Wiener Stadtkinos.

     

Zur Frage der Verhältnismäßigkeit der öffentlichen Empörung über den Nazi-Sager Lars von Triers beim Festival von Cannes: Bevor man den Regisseur derart massiv an den Pranger stellt, sollte man vielleicht einen Blick in seine Autobiografie werfen.

Ich möchte Lars von Trier für ein paar öffentliche Momente der rhetorischen Undeutlichkeit nicht unbedingt "verteidigen". Aber die Form und die Massivität, mit der er gerade politisch überkorrekt an den Pranger gestellt wird, die sind jämmerlich. Was ist das für eine internationale (Film-)Öffentlichkeit, die weniger Zeit für die Betrachtung seines jüngsten und - ich bin nicht der Verleiher! - von mir noch nicht gesehenen neuen Films Melancholia aufwendet als dafür, ein nervöses Manöver ("Wie komme ich aus dem Satz wieder heraus?") im Rahmen einer Pressekonferenz schlagzeilenmächtig abzulehnen?

Rein gar nichts ist neu und immer schon war vieles missverständlich (manche sagen: provokant) an den Ausführungen des Lars von Trier. Schon vor Jahren ging es - damals war ich noch Journalist - in Interviews mit ihm um exakt dieselben Motive und künstlerischen Motivationen: Von Triers Spiel mit gemeinhin verpönten "Feindbildern" hat im Kino wie in öffentlichen Auftritten autobiografische Begründungen. Es geht bei ihm immer wieder um falsche Bilder, die man sich von sich selbst - als Nation, als Kollektiv, als Individuum - gemacht hat, um dann erst recht unsicher zu sein, wo dann ein "falsches" Gegenüber bzw. eine "eigene" Legitimation des Handelns zu verorten wäre.

Lies nach in Wikipedia: "Lars Holbæk Trier, später Lars von Trier, ist das einzige Kind von Inger Trier (geborene Høst), die eine Angestellte im öffentlichen Dienst und Frauenrechtlerin war. Ihr Ehemann war Ulf Trier, ein dänischer Jude, der während des Zweiten Weltkriegs nach Schweden geflohen war. Nach von Triers Angaben waren seine Eltern Kommunisten und erzogen ihn antiautoritär. Seine Mutter gestand ihm kurz vor ihrem Tod im Jahr 1995, dass sein leiblicher Vater ihr ehemaliger Arbeitgeber Fritz Michael Hartmann sei, ein Nachkomme des Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann, der von einer deutschen Familie abstamme."

Auf dieser für ihn offenbar traumatischen Erkenntnis, "anderen Ursprungs" zu sein, basierte auch in den vergangenen Jahrzehnten ein Gros seiner "provokanten" Äußerungen. Was heißt das, "den Deutschen in mir" anerkennen zu müssen? Was heißt das, wenn ich zuerst eigentlich "Jude" hätte sein sollen, mit deutscher Geschichte umzugehen? Was für ein Verrat wurde an mir begangen? In der filmischen Sicht des Lars von Trier heißt das, Überblendungen aufzubauen, Doppelbelichtungen vorzunehmen, mit (Film-)Negativen umzugehen, kurz: auch den Teufel an die Wand zu ... projizieren.

Anders als Filmemachern, die Untergänge verfilmen, um z. B. Adolf Hitler zwecks Staatsschauspiel besser zu verstehen und zu vermarkten und zu verkaufen, war und ist Lars von Trier jemand, von dem ich einen "Untergang" immer interessant empfunden hätte. Aber: Bezeichnenderweise hat er so einen "Untergang" nie gemacht. Dennoch hat man ihn in Cannes zur "persona non grata" ernannt. Währenddessen kann Mr. Mel Gibson, der, wenn er viel trinkt, erwiesenermaßen antisemitische Sprüche absondert, auf dem roten Teppich vor dem Palais du Festival ein Comeback mit Jodie Fosters "The Beaver" feiern.

Christoph Schlingensief sagte einst in seinem ersten Interview mit dem Standard (damals ging's um ein Programm namens Begnadete Nazis): "Hitler muss man kaputtreden. Das Bild Hitler muss abgenutzt werden. Macht kaputt, was euch kaputtmacht." Nichts anderes macht - Tagesform hin oder her - Lars von Trier. Vielleicht hätte er bei der Pressekonferenz in Cannes, wie seine Stars meinen, "echt die Klappe halten" sollen, aber "Persona non grata"? Never! (Kommentar der anderen von Claus Philipp / DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2011)

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miriam7
41
23.5.2011, 16:23
Aber die Form und die Massivität, mit der er gerade politisch überkorrekt an den Pranger gestellt wird, die sind jämmerlich.

Mag sein, daß das Alles überzogen ist - obwohl ich den Ausschluss völlig in Ordnung finde. Schließlich wurde er nicht als Künstler ausgeschlossen, sein Film blieb im Programm, sondern als Mensch, der - gelinde gesagt - Dubioses von sich gibt.

In Wirklichkeit sollte LvT froh darüber sein, daß sich alle Welt so an seinem Hitler- und Nazi-Sager verbeisst und damit völlig darüber hinweg sieht, daß er offensichtlich ernsthaft Albert Speer für einen Künstler hält.

Jemand der Albert Speers gigantomanische, groteske, Hitler's Größenwahn folgende Enwürfe für Kunst hält, müsste es sich eigentlich gefallen lassen, daß man seinen eigenen Zugang zur Kunst und zu seinem Selbstverständnis als Künstler hinterfragt.

Jojo07
61
23.5.2011, 14:15
Geh bitte! Der LvT ist ein arme Hirni! Wenn er eine Psychotherpaie benötigt, um seine Identitätsprobleme zu bewältigen - dann bitte: soll er eben eine machen!

Aber die Öffentlichkeit für seine abgeschmackten Rülpser missbrauchen? Damit er in seiner Verzweiflung und Paranoia, nicht angemessen bemerkt zu werden, wenigstens "negative" Aufmerksamkeit ernten kann???

LvT: Bitte, geh in eine Psychotherapie - und verschone die Welt vor deinen lächerlichen Sprüchen! Mach deine Filme - und gut ist! Erspar dir deine Interviews!

PS: Würde jeder seine Psychoprobleme so in der Öffentlichkeit breitwalzen, müsste man sich nicht mehr mit wirklichem Leid und Not auseinandersetzen! Wär alles nur mehr eine selbstverliebte Nabelschau!

PPS: Das "Totreden" ist ja wohl die letzte Pseudorechtfertigung für Dummheit! Und herrliche Legitimation für alle Nazis, die gerne noch vieeeeel mehr über AH schwadronieren würden!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
32
23.5.2011, 17:17
Du gehörst wohl auch zu denen,

die am liebsten "das Leben des Brian" als Blasphemie verbieten würden, gell?

Jojo07
40
23.5.2011, 21:53
Jaja, muss was Feines sein, anderen die eigene GRMPFL zu unterstellen!

Übrigens: Für Geistesgrößen deines Formats gibts wunderbare Zeichentrickfilme, z.B. Spongebob! Da musst du nicht mal nachdenken - und schon gar nicht dich bemühen, irgendwas zu verstehen!

So long!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
12
23.5.2011, 22:33
Dort, wo ich herkomm,

war uns der Spruch "wer sagts is söwa" schon in der zweiten Volksschulklass zu primitiv.
Dir gibt er offensichtlich im Erwachsenenalter noch Berge; lausiger Kleingeist, billigst unetrhalten.
Danke, daß Du meine Mutmaßungen so glänzend bestätigst hast.

Jojo07
20
24.5.2011, 15:36
Fein,

dass mein Postings von einem feebleminded Lari entziffert werden kann - und dass du noch in Volksschulzeiten schwelgst, freut natürlich ungemein, zeigt es doch, auf welcher Entwicklungsstufe du stehen geblieben bist!

Ich freu mich schon auf die verzweifelten Entzifferungsversuche meiner restlichen Postings durch Lari! Da kannst wenigstens ein bisserl Lesen lernen - tust dann halt deine lieben Volksschullehrerin erfreuen, wennst wieder ein neues Wort bei mir glernt hast!

Viel Spaß, spongebob!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
12
25.5.2011, 08:29
wie Du überdeutlich demonstrierst, kannst Du nicht einmal

einfachste logische Verknüpfungen entziffern.
Also was soll ich auf ein Matschhirn wie Dich Zeit verschwenden?

Jojo07
20
25.5.2011, 14:34
Hi, feebleminded!

Wie gehts? Ist die Galle noch in Ordnung? Wenn schon oberhalb der Schultern pures Vakuum existiert, dann sollten doch die Gedärme noch funktionieren!

*BRUHAHAHAHA*

Jojo07
20
25.5.2011, 13:09
Besser ein Matschhirn

als vollständig enthirnt, wie es Lari in ALL seinen Postings permanent demonstriert! An Lächerlichkeit sicher von niemandem zu überbieten!

Dass Bl**heit nicht weh tut? Aber ich nehme an, Lari schrei(b)t deshalb so viel in seinen Postings, weil er an unendlichen Schmerzen leidet!

Naja, immerhin etwas ...

AlexArnauld
 
12
22.5.2011, 18:41

'Hitler kaputtreden'. Dabei hilft es aber wenig, Hitler bloß zu dämonisieren. Beängstigend ist doch mehr seine menschliche Seite. Also der Hitler in jedem von uns.

Hannes Kartnig
00
26.5.2011, 22:43
blödsinn. es ist eben nicht in jedem ein hitler.

Der Waehlerwille
 
03
22.5.2011, 15:29
Hitler kaputtlachen ist noch viel effektiver.

Nichts schmerzt die Deutschnationalen mehr als sie auf ihre himmelschreiende Lächerlichkeit hiinzuweisen.

Iris Berger
01
22.5.2011, 17:52

wäre dabei, wenn es das bewirken wüde, was es sollte.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
23.5.2011, 17:21
es ist eine unter vielen Möglichkeiten, und nicht die schlechteste,

aber eben auch keine perfekte.

frankenbacher
04
22.5.2011, 13:03

Hitler kaputtreden wäre wahrscheinlich wirklich der richtige Weg. Das Thema sollte mit den heutigen Generationen solange medial durchgekaut werden bis es keiner mehr hören kann.

Ähnlich wie mit dem Strache. Wenn der mal wieder eine Medienoffensive startet und er täglich in der Zeitung steht hängt er auch den meisten schnell beim Hals raus.

Dunkelgrau
02
22.5.2011, 13:04

Hitler und Strache passend in einem Kontext

Gerhard Bichler1
10
22.5.2011, 10:38
Hitler kaputtreden? - das wird schon seit ca. 60 Jahren erfolglos versucht.,.

Cooper the Bloom1
 
95
22.5.2011, 01:32
Ich bin froh, daß sich das Festival so vehement gegen Trier stellt.

Das ist auch die einzig adäquate Reaktion auf seine dümmlichen Aussagen. Wenn er sie ernst gemeint hat, hat er sich damit als Künstler desavouiert, hat er sie nicht ernst gemeint, dann als Mensch!
Gerade in Südfrankreich hat Hitler gewütet und die französischen und spanischen Kollaborateure haben gemeinsam mit den Nazis eine tödliche, administrative Falle mit Visabestimmungen errichtet, die nicht zu erfüllen waren, an denen tausende Menschen zerbrochen sind. Unter anderem hat sich Walter Benjamin in dieser Falle aus Verzweiflung das Leben genommen... Hitler und seine Schärgen sind durch nichts kaputtzureden! Vorallem nicht, indem man ihnen "Bewunderung" zollt...

Cerberus303
00
Oh mann...

... Ihr (leut wie du) seid doch alle engstirnige Schwachmaten, die scheinbar noch immer von einer Art Erbsünde befallen seid...

Wie viele Jahre braucht ihr armen Hascherl eigentlich noch um Euch von diesem lächerlichen Tabu zu befreien? Dass LvT die Person Hitler differenziert wahrnehmen kann zeichnet ihn eher aus. Sein Fehler war zu glauben, dass Kunsttreibende in Cannes dazu ebenso fähig wären, was sich als falsch herausgestellt hat. LvT ist kein Hitlersympathisant, das weiß jeder, der sich ein bisschen mit ihm beschäftigt hat. Aber der Kleingeist nimmt halt einzelne Aussagen und schreit gleich - Pfui, böse, er hat das böse H Wort gesagt. Hitler war ein Mensch, kein feiner, aber trotzdem ein Mensch der in seinem Kontext gehandelt hat...

natha
10
22.5.2011, 17:24

danke für dieses posting.

austriannobody
35
22.5.2011, 15:17
überfliege wenigstens

den artikel bevor du so superschlau daherschreibst.

valtheWU
29
22.5.2011, 00:08
danke.

hans graucher
03
21.5.2011, 23:29
Ich finde man redet einfach zu viel über Lars von trier.

Weil er Künstler ist, ergehen sich Kommentare und Spekulationen über seine Motive: gezielte Provokation, Interpretation über Leben und Werk, die versuchen dies Aussage in geeigneten Kontext zu stellen, apologeten und ankläger.

Meiner Ansicht nach hat er einfach einen dummen Sch**ss gesagt!

Not more, not less. Dass er jetzt dafür gewatscht wird, geschieht im recht, mein Mitleid hält sich in grenzen, das ganze zum Thema Nr 1 zu machen, ist aber auch übertrieben. Auch Künstler sind nicht davor gefeit einfach deppert zu sein, und das ist meine Meinung zu LvT.

Ich vermute mal nicht, dass er ernsthaft einer nazi-affinen ideologie anhängt, übermotivierte und allzu bemühte erklärungsversuche halte ich aber für genauso unpassend und überzogen.

omar chamra
75
21.5.2011, 20:58
Seltsamer Vorschlag, sich die Lebensgeschichte anschauen

Nehmen wir an ein bekannter Rechter hätte so geschwatzt, da hätte man sich richtig empört.
Meiner Meinung nach ist die Lebensgeschichte dabei irrelevant.
Niemand sollte in einer anständigen Gesellschaft den vielleicht schlimmsten Massenmörder der Geschichte exkulpieren dürfen und mit Zustimmung seiner Zuhörerschaft rechnen.
So ein Geschwätz über Hitler hat vor 11 oder 12 Jahren in Wien vor Freiheitlichen Akademikern Horst Mahler deutscher Neonazi mit linker Vergangenheit
von sich gegeben.
Weil in Österreich die Staatsanwaltschaft dazu neigt, solches zu dulden wenn es aus dem Dunstkreis der FPÖ kommt, muss das eine zivilisierte kultivierte Gesellschaft - wie die in Cannes - nicht tolerieren.

van.der.stiege
00
22.5.2011, 09:34
sorry aber...

... wirds nicht eher im "linken dunstkreis" toleriert? der hubsi kramer darf in naziuniform zum opernball.... und martin graf darf wohl nichtmal ein fred perry shirt tragen.

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