Autobahn light nach Aspern: Bund zahlt 230 Millionen Euro

20. Mai 2011, 18:47
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Statt einer 800-Millionen-Autobahn werden der neue Stadtteil Aspern und die A23 durch eine deutlich günstigere Bundesstraße verbunden

Wien - 800 Millionen Euro für eine gerade mal drei Kilometer lange Straße: So viel hätte die Anbindung der Seestadt Aspern an die A23 bei Hirschstetten laut ursprünglicher Planung kosten sollen, denn die Autobahn durch dicht besiedeltes Gebiet hätte aufwendige Umwelt- und Lärmschutzmaßnahmen notwendig gemacht. Die rot-grüne Koalition wünschte sich in ihrem Regierungsübereinkommen von der Asfinag trotz der angespannten finanziellen Situation eine "stadtverträglich geplante und ausgestaltete Straße".

Rot-rot-grüner Kompromiss

Diese wird Wien nun bekommen, die teure Autobahn-Variante wurde offiziell abgesagt. Wie der Standard am Freitag erfuhr, soll im Ministerrat voraussichtlich schon am kommenden Dienstag eine Novelle des Bundesstraßengesetzes beschlossen werden, laut der eine Bundesstraße den neuen Stadtteil im 22. Bezirk mit der wichtigen Autobahn verbindet.

Die Gesamtkosten liegen nun laut Standard-Informationen bei geschätzten 400 Millionen Euro. Laut Infrastrukturministerium sind im geplanten Ministerratsbeschluss Ausgaben von 230 Millionen festgeschrieben, damit bleiben etwa 170 Millionen, die die Stadt zu dem Projekt beisteuern muss. Es handelt sich dabei um einen Kompromiss zwischen Bund und Stadt; Ministerin Doris Bures (SPÖ) hatte im Zuge von Spar-Verhandlungen mit den Ländern betont, es müsse "nicht jede Straße eine Autobahn sein". Diese wäre ausschließlich zu Lasten des Bundesbudgets gegangen.

Die Asfinag hatte ursprünglich angekündigt, nur die Verbindung zwischen der S1 bei Raasdorf und der Seestadt Aspern bauen zu wollen. Für den Teil der Spange Aspern, die nun beschlossene Verbindung zur A23, müsse die Stadt aufkommen, hatte es im Vorjahr geheißen.

Die grüne Wiener Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou zeigte sich am Freitag "sehr erfreut" über das Ergebnis der Verhandlungen, die im Winter - kurz nach ihrem Amtsantritt - begonnen hatten. "Es war immer klar, dass wir eine hochleistungsfähige Straße nach Aspern brauchen und damit auch den 22. Bezirk und vor allem Hirschstetten entlasten", sagt Vassilakou. Auch im Büro von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) wird betont, dass der Anschluss Hirschstetten und damit die Fertigstellung der Spange Aspern "ein Erfolg für Wien ist".

Ebenfalls zufrieden ist der nicht-amtsführende Stadtrat der VP, Wolfgang Gerstl. Er geht davon aus, dass die abgespeckte Straßenvariante verhindern wird, dass zu viel Durchzugsverkehr an dem neuen Stadtteil vorbeiführen wird. Gleichzeitig plädiert er für eine rasche Fertigstellung des restlichen Regionenrings rund um Wien - inklusive Lobau-Tunnel. Etwa 20 Kilometer Straße fehlen dazu noch.

Auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern wird bis 2025 ein neuer Stadtteil mit Wohnungen für 20.000 Menschen sowie der gleichen Zahl an Arbeitsplätzen entstehen. Schon 2013 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Neben der Straßenverbindung wird auch die U2 bis in die Seestadt Aspern verlängert, die Bauarbeiten dafür haben bereits begonnen. (Bettina Fernsebner-Kokert/Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22. Mai 2011)

  • Die U-Bahn nach Aspern ist schon in Bau, auch die Auto-Anbindung ist jetzt fix.
    foto: derstandard.at/julia schilly

    Die U-Bahn nach Aspern ist schon in Bau, auch die Auto-Anbindung ist jetzt fix.

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