Xenakis' "Oresteïa" bei den Festwochen auf dem Karlsplatz
Wien - Großzügig breitet sich die Festwochen-Bühne auf dem Karlsplatz aus, an
einem ihrer Enden zahlreiche Erdhaufen. In Erdhügelnähe das Orchester (Leitung:
Peter Rundel) im Karlsplatzbecken - wie auf dem Wasser schwebend. Dahinter dann
ein Baum aus Seilen, an dem vorbei sich diese Produktion von Iannis Xenakis'
Musiktheater Oresteïa mitunter bis zu den Treppen der Karlskirche
ausdehnt. Dass die Festwochen ihre erste Musiktheaterproduktion heuer unter
freiem Himmel (und bei freiem Eintritt) anbieten, macht natürlich prinzipiell
Sinn. Betrachtet man die Vorgeschichte zum Werk:
Ypsilanti, eine Kleinstadt in Michigan, kommt drauf, dass ihr Name nicht
indianischen, sondern griechischen Ursprungs ist. Die seltsame Freude darüber
mündet jedenfalls im Bau eines antiken Theaters, in dem man Opera der fernen
Epoche aufführen möchte. Als Einstandswerk wird Oresteïa von Aischylos
erwählt, zu der Xenakis eine Begleitmusik zu schreiben gedachte. Er tat es
schließlich auch. Doch kam es zur Uraufführung letztlich erst bei einer
opulenten Freiluftaufführung in Sizilien.
Nun ist der Kontakt mit frischer Luft also dem archaisch anmutenden,
perkussiv starken Werk keinesfalls wesensfremd. Es müsste eine auf Konzentration
der Wirkkräfte angelegte Aufführung jedoch dafür sorgen, dass in der Weite des
Bühnenraumes das Werk als solches nicht an den zu bewältigenden Dimensionen
scheitert.
Auch hätte es sicherlich nicht geschadet, den Zuschauern die Möglichkeit zu
geben, das Ganze und nicht nur Teile der Inszenierung zu erhaschen. Dies hat man
nicht richtig hinbekommen. 2001, als die Taschenoper mit dem Xenakis-Werk im
Wiener Konzerthaus gastierte, hatte man weitaus mehr davon.
So blieb einem mit zunehmender Dunkelheit nicht viel mehr übrig, als die
vielen Feuer, die der Mitbegründer der Fura dels Baus, Carlus Padrissa, in
seiner Inszenierung anzünden ließ, zu genießen, die teilweise recht bunten
Kostüme zu bestaunen, wie auch den Einsatz der Protagonisten und des Remix
Ensembles Casa da Musica zu registrieren und dann etwas ratlos wieder das Weite
zu suchen. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2011)
Noch am Samstag auf dem Karlsplatz, 20.30