Ein Musiktheater, vom Platz verschlungen

20. Mai 2011, 18:09
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    foto: rudolph

    Karlskirchentreppen treffen Xenakis' "Oresteïa".

Xenakis' "Oresteïa" bei den Festwochen auf dem Karlsplatz

Wien - Großzügig breitet sich die Festwochen-Bühne auf dem Karlsplatz aus, an einem ihrer Enden zahlreiche Erdhaufen. In Erdhügelnähe das Orchester (Leitung: Peter Rundel) im Karlsplatzbecken - wie auf dem Wasser schwebend. Dahinter dann ein Baum aus Seilen, an dem vorbei sich diese Produktion von Iannis Xenakis' Musiktheater Oresteïa mitunter bis zu den Treppen der Karlskirche ausdehnt. Dass die Festwochen ihre erste Musiktheaterproduktion heuer unter freiem Himmel (und bei freiem Eintritt) anbieten, macht natürlich prinzipiell Sinn. Betrachtet man die Vorgeschichte zum Werk:

Ypsilanti, eine Kleinstadt in Michigan, kommt drauf, dass ihr Name nicht indianischen, sondern griechischen Ursprungs ist. Die seltsame Freude darüber mündet jedenfalls im Bau eines antiken Theaters, in dem man Opera der fernen Epoche aufführen möchte. Als Einstandswerk wird Oresteïa von Aischylos erwählt, zu der Xenakis eine Begleitmusik zu schreiben gedachte. Er tat es schließlich auch. Doch kam es zur Uraufführung letztlich erst bei einer opulenten Freiluftaufführung in Sizilien.

Nun ist der Kontakt mit frischer Luft also dem archaisch anmutenden, perkussiv starken Werk keinesfalls wesensfremd. Es müsste eine auf Konzentration der Wirkkräfte angelegte Aufführung jedoch dafür sorgen, dass in der Weite des Bühnenraumes das Werk als solches nicht an den zu bewältigenden Dimensionen scheitert.

Auch hätte es sicherlich nicht geschadet, den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, das Ganze und nicht nur Teile der Inszenierung zu erhaschen. Dies hat man nicht richtig hinbekommen. 2001, als die Taschenoper mit dem Xenakis-Werk im Wiener Konzerthaus gastierte, hatte man weitaus mehr davon.

So blieb einem mit zunehmender Dunkelheit nicht viel mehr übrig, als die vielen Feuer, die der Mitbegründer der Fura dels Baus, Carlus Padrissa, in seiner Inszenierung anzünden ließ, zu genießen, die teilweise recht bunten Kostüme zu bestaunen, wie auch den Einsatz der Protagonisten und des Remix Ensembles Casa da Musica zu registrieren und dann etwas ratlos wieder das Weite zu suchen. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2011)

Noch am Samstag auf dem Karlsplatz, 20.30

accuser
00
21.5.2011, 14:19
Ambitioniert, groß und irgendwie nicht so ganz das Wahre.

Probleme wurden im Text angesprochen: Wenige Plätze bieten tatsächlich die Möglichkeit, alles zu verfolgen. Die Leute stehen an der Absperrung, die zweite Reihe hat bereits verloren. Dadurch wird auch immer wieder durch Gespräche in hinteren Reihen gestört (logischerweise, ist kein Vorwurf).

Die zunehmende Dunkelheit fand ich weniger problematisch, man konnte bis zuletzt relativ gut sehen.

Am Donnerstag gab es eine Vielzahl technischer Probleme (teilweise Stromausfälle), dadurch zündeten die der Musik angepassten, finalen Feuersäulen nicht, der Ton fiel fast durchgehend in der zweiten Hälfte aus (mein Respekt den Darstellern, die sich wacker geschlagen haben).

Fazit: Tolle Idee, leider ohne ans Publikum zu denken. Heute das letzte Mal.

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