Erinnerungen an Internet-Hype vor zehn Jahren
Das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn hat mit seinem fulminanten Börsen-Debüt vom Donnerstag Erinnerungen an den Internet-Hype vor zehn Jahren geweckt. Der Kurs stieg zeitweilig um bis zu 170 Prozent. Eine ganze Reihe weiterer Unternehmen der Branche dürften LinkedIn bald an die Börse folgen: das Online-Netzwerk Facebook, der Nachrichtendienst Twitter und der Schnäppchen-Anbieter Groupon.
LinkedIn
Am Ende des ersten Handelstages in New York hatte das Online-Karrierenetzwerk einen Börsenwert von rund 9 Mrd. Dollar (6,3 Mrd. Euro). Dies entspricht rund 7 Mio. Dollar für jeden der rund 1.300 Angestellten und fast 90 Dollar für jeden der gut 100 Millionen Nutzer. Das Unternehmen machte 2010 einen Umsatz von 243 Mio. Dollar und verdiente 15,4 Mio. Dollar. Um sein Wachstum anzutreiben, will LinkedIn dieses Jahr viel investieren und dabei einen Verlust in Kauf nehmen.
Facebook
Investoren haben die Bewertung von Facebook zuletzt in schwindelerregende Höhen geschraubt. Im März wollte ein Finanzinvestor einem Medienbericht zufolge bei Facebook einsteigen und bewertete das Unternehmen dabei mit 65 Mrd. Dollar. Im Jänner wurde Facebook von Goldman Sachs mit 50 Milliarden bewertet, im Juni 2010 mit 23 Mrd. Dollar. Facebook hatte Anfang des Jahres etwa 2.000 Mitarbeiter und weltweit mehr als 500 Millionen Nutzer. Eine Bewertung von 65 Mrd. Dollar entspricht pro Angestelltem 32 Mio. Dollar und pro Nutzer 130 Dollar. Das Jung-Unternehmen von Gründer Mark Zuckerberg machte von Jänner bis September 2010 Bankenkreisen zufolge einen Netto-Gewinn von 355 Mio. Dollar - bei einem Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar.
Twitter
Der Kurznachrichtendienst wurde im März bei einer außerbörslichen Versteigerung von Firmenanteilen auf knapp 8 Mrd. Dollar bewertet. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Dezember, als eine Finanzspritze die Ermittlung eines Firmenwertes erforderte. Im September 2010 hatte Twitter rund 175 Millionen Nutzer. Eine Bewertung von 8 Mrd. Dollar entspricht rund 45 Dollar je Nutzer oder 22 Mio. Dollar für jeden der rund 350 Mitarbeiter.
Groupon
Der Schnäppchen-Anbieter will den Sprung an die Börse im zweiten Halbjahr wagen und dürfte dabei mit insgesamt rund 15 bis 20 Mrd. Dollar bewertet werden, wie Reuters im April erfuhr. Im Dezember lehnte das Unternehmen ein Übernahmeangebot von Google im Wert von 6 Mrd. Dollar ab. Groupon macht nach eigenen Angaben seit 2009 Gewinn, aber veröffentlicht keine Details zu seinen Geschäftszahlen. Eine Bewertung von 15 Mrd. Dollar würde für jeden der mittlerweile rund 70 Millionen Nutzer mehr als 200 Dollar entsprechen und für jeden der rund 6.000 Angestellten 2,5 Mio. Dollar. (APA/Reuters)