Eine leichtfüßige Liebesgeschichte

20. Mai 2011, 18:15
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Antonio Skármetas "Mein Vater aus Paris", ein literarisches Fundstück

Antonio Skármeta ist Spezialist für die Anbahnung von Liebesgeschichten. Der Roman Mit brennender Geduld des Chilenen ist unvergessen durch die Verfilmung: Il Postino ist die Geschichte von Pablo Neruda und seinem liebeskranken Briefträger.

In seinem neuesten Roman skizziert Skármeta wieder eine Liebesgeschichte in Chile. Jacques, ein junger Lehrer, ist verliebt in die Nachbarstochter Teresa. Deren Bruder will sich als Vermittler nur dann zur Verfügung stellen, wenn seine Bedingung erfüllt wird: "Herr Lehrer, nehmen Sie mich mit zu den Huren!"

Jacques war dort selbst noch nie und reist in die nächstgelegene Stadt Angol. Dort trifft er, völlig überraschend, auf seinen Vater, der vor einem Jahr die Familie verlassen hat. Angeblich, um in seine Heimat Frankreich zurückzukehren. Der Sohn entdeckt ihn, ein Baby im Kinderwagen schiebend. Wer die Mutter ist, erfährt er später. Ob er für seinen Halbbruder eine Ersatzmutter findet, bleibt in dem sich am Ende pirouettenhaft drehenden Roman offen.

Skármeta ist eine leichtfüßige Geschichte gelungen. Sinnlichkeit und Sehnsucht, Melancholie und Mystisches vermischen sich in diesem typisch chilenischen Buch, dessen Feinsinnigkeiten in der Übersetzung Stefanie Gerholds erhalten geblieben sind. Das 96-Seiten-Büchlein ist eine Miniatur - gut, dass es Skármeta dabei belassen hat.  (Alexandra Föderl-Schmid/ DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2011)

 

  • Antonio Skármeta, "Mein Vater aus Paris". Deutsch: Stefanie Gerhold. € 
15,50 
/ 96 Seiten. Graf, München 2011
    foto: graf

    Antonio Skármeta, "Mein Vater aus Paris". Deutsch: Stefanie Gerhold. € 15,50 / 96 Seiten. Graf, München 2011

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