Kurz vor Bremen-Wahl

Polizei nimmt die Piratenpartei vom Netz

20. Mai 2011, 16:34
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    foto: stefan puchner dpa/lsw

    Der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz beim Parteitag am vergangenen Samstag. Heute meinte er: "Ein schwerer Schlag"

Sicherheitskräfte beschlagnahmten "eine Vielzahl" von Servern

Bremen/Berlin - Nach einer Polizeiaktion ist die Piratenpartei Deutschland vorübergehend offline: Die Staatsanwaltschaft Darmstadt habe am Freitag "eine Vielzahl" von Servern beschlagnahmen lassen, teilte die Organisation mit. Das Verfahren richte sich allerdings nicht gegen die Partei und gehe auf ein französisches Rechtshilfeersuchen zurück, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Kurz vor der Bürgerschaftswahl in Bremen ist damit die digitale Kommunikation der Partei nahezu lahmgelegt. Die Aktivisten kritisieren die Aktion der Polizei als überzogen.

Die Server habe man bei der Firma Aixit in Offenbach gemietet, teilte die Partei am Freitag mit. Der designierte Parteisprecher Christopher Lang hält es für möglich, dass die Hacker-Organisation Anonymous auf dem Server der Partei illegale Aktivitäten koordiniert haben könnte. Der Vorstand betonte, er werde im "Rahmen seiner gesetzlichen Verpflichtungen zur Aufklärung der durch die französischen Ermittlungsbehörden erhobenen Vorwürfe beitragen". Die Zugänge zur technischen Infrastruktur der Piratenpartei seien daher - "so weit es den Ermittlungszielen dient" - zur Verfügung gestellt worden: "Damit soll die zielgerichtete Suche nach einzelnen Daten ermöglicht werden."

Nerz: "Ein schwerer Schlag"

Kurz vor der Wahl in Bremen sieht sich die Partei, die stark auf digitale Kommunikation setzt, einer wichtigen Infrastruktur beraubt. So laufen unter anderem Website, E-Mail und Instant Messenger über die Server. "Das ist für uns ein sehr schwerer Schlag", sagte der Parteivorsitzende Sebastian Nerz der Nachrichtenagentur dpa. So müsse man Wahlkampfveranstaltungen im Bremen, an denen Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet teilnehmen wollten, koordinieren.

Es werde "politisch ein massiver Schaden angerichtet", erklärte der Bundesvorstand in einer Mitteilung. "Im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungsarbeiten wird daher zu klären sein, ob die erfolgte Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung rechtlichen Vorgaben entsprochen hat, insbesondere ob die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurden."

Der Piraten-Chef kritisierte die Aktion als überzogen. "Wir verstehen nicht, warum die Polizei so hart durchgegriffen hat. Es wäre möglich gewesen, die Daten sicherzustellen, ohne die gesamte IT vom Netz zu nehmen", sagte Nerz der dpa. Auch die Grünen zeigten Unverständnis. Einen Großteil der IT-Struktur lahmzulegen sei falsch, twitterte Malte Spitz, Vorstandsmitglied der Partei.

Das PiratenPad

Nerz geht davon aus, dass die beanstandeten Inhalte mit dem sogenannten PiratenPad erstellt wurden - einer Web-Anwendung, in der Nutzer gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Auch Nicht-Mitglieder können auf das System zugreifen. "Wir nutzen das PiratenPad parteiintern relativ viel und tauschen uns darüber auch mit Externen aus", erklärte Nerz.

Vermutlich stammten die ins Visier geratenen Dokumente von Netzaktivisten, die nicht der Partei angehörten. Das PiratenPad basiert auf der quelloffenen Software EtherPad, die Google gekauft hat. Die Piraten versuchen nun, über ihre Kommunikationsinfrastruktur über andere Server wieder zum Laufen zu bringen - etwa über die Schwesterpartei in Luxemburg. "Ich hoffe, dass wir es vor der Wahl wieder in Gang kriegen", sagte Nerz.

Im Netz sorgte die Polizeiaktion für Aufsehen, Ärger und Spott - beim Online-Kurznachrichtendienst Twitter war das Schlagwort "Servergate" einer der meistgenutzten Begriffe. "Französisches Ermittlungsverfahren ist also wichtiger als Parteiinfrastruktur kurz vor Wahlen in DE...ja ne ist klar", meinte etwa Nutzer @thinkpixelde. Auch der Twitterer @0l1h7 hält den Schritt für überzogen: "Und wenn das nächste mal einer im Supermarkt in Berlin was klaut, wird erst einmal das Viertel evakuiert", schrieb er. Als Bewährungsprobe für den neuen Bundesvorstand sieht @rupkalwis_com die Beschlagnahmung - aber auch als Chance: "Bitte macht einen guten Wahlkampf daraus!" (APA)

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Posting 1 bis 25 von 33
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B.J.Blazkowicz
00
22.5.2011, 07:26

wenn mal die privaten computer leitenden leute einer derzeit in österreich aufstrebenden partei beschlagnahmt würden...was da wohl alles dabei rauskäme ;)

B.J.Blazkowicz
00
22.5.2011, 07:26

+der

sandor gjalski
01
22.5.2011, 03:25

aha die piraten werden langsam ernstunehmende kraft in d zumindest...selbst den mächtigen gefährlich....siehe da....

Fritz Meyer
00
22.5.2011, 09:14
Anders darf man diese Aktion der Polizei nicht auslegen.

Vor allem weil gerade Wahlen in Bremen anstehen und der Innenminister allerlei Panikmache von wegen "Bedrohungen" aus dem Internet usw. betreibt.

Chien de Pique
00
22.5.2011, 17:44

Es ist im Endeffekt wohl eher Wahlkampfhilfe. So bedenklich die Aktion auch ist.

morgen war gestern
00
22.5.2011, 00:08

angenommen selbiges wäre auf einem server der CDU passiert - wäre dann auch die gesamte IT und die damit verbundene infrastruktur zur durchführung des wahlkampfes beschlagnahmt worden?

nur aus interesse.

Malkaye
13
21.5.2011, 16:36
na, wer glaubt noch an die westliche demokratie?

mal eben vor den wahlen die aussichtsreichste partei, die die 5% noch nicht geschafft hat, lahmlegen...

Pessimist-Realist
 
54
21.5.2011, 12:22
Sry, aber...

... eine Partei die einen EX-SPDler aufnimmt, der rausgeschmissen wurde, weil er kinderpornografisches Material am Computer hatte ---

Dirty_Harry
13
21.5.2011, 12:22

und hiermit hat man wieder einmal die bestätigung, dass man gegen JEDER internetzensur sein muss -

egal ob diese zensur unter dem motto terror/geldwäsche/kinderpornobekämpfung "verkauft" wird

hage
19
21.5.2011, 10:33

Die etablierten, aber in Auflösung begriffenen Großparteien können sich solche unfairen Maßnahmen (noch) herausnehmen. Die Panik muss wirklich gross sein, wenn zu solchen Mitteln gegriffen wird, irgendein alter, verbitterter Funktionär ist sich sicher recht schlau vorgekommen, als er den Plan ausgetüftelt hat.

Aber die Grenzenlosigkeit und das offene Miteinander werden obsiegen und die Piraten sind durch nichts aufzuhalten.

Kopf hoch Leute, und weiterkämpfen!!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
21.5.2011, 06:39
Was -

für eine apa-meldung...wo ist das after shave?

soseies
10
20.5.2011, 23:50

wie dämlich von der brd stasi...

mich freut`s, eine super werbung für die 6 größte partei in d.....

Wieviel Demokratie ist es bitte?
315
20.5.2011, 22:40
Spitz, Nerz, Lang, Kurz und Bündig

müssen jetzt auf fünf Essentials besonders achten:

1. Nicht in ein Compound ziehen.

2. Kein Kontakt zu Zimmermädchen.

3. Schwedinnen meiden.

4. Den entry code vom Clubhaus von "Knock-Knock, Knock, Knock-Knock-Knock" ändern auf: "Knock, Knock-Knock-Knock, Knock-Knock".

5. Neuen Mitgliedern mit Namen wie "Danielle Durand", "Enzo Goodlife", "Boris Brzinski", "Daria Afterthought" mit äußerstem Mißtrauen begegnen.

Nick Tameer
00
20.5.2011, 22:00

Aber es sind doch recht staatstragende und verständnisbereite Freibeuter:

"Der Piraten-Chef kritisierte die Aktion als überzogen. 'Wir verstehen nicht, warum die Polizei so hart durchgegriffen hat. Es wäre möglich gewesen, die Daten sicherzustellen, ohne die gesamte IT vom Netz zu nehmen', sagte Nerz ..."

Statt über die Unverhältnismäßig der Maßnahmen des Gouverneurs zu klagen, hätte es in alten Zeiten eine Breitseite gesetzt.

Auch sollte man seine Server und Datenschätze nach gutem alten Brauch auf den abgelegenensten Inseln der sieben Weltmeere vergraben.

Obusha
 
00
20.5.2011, 20:59
denen hab ich ja zwei gratis spiele zu verdanken...

die ham sicher 100 millionen kundendaten eines japanischen elektronikonzerns auf den dingern gehabt ;)

Jürgen Rembremerding
112
20.5.2011, 20:21
Billiger Wahlkampf-Gag einer Splitterpartei!

Raptor Jesus
11
21.5.2011, 01:38
Wenn ich dich nicht kennen würde, würd ich sagen, das du von Politik keine Ahnung hast.

Viel zwar auch net, aber genug um ein rechter Radaubruder zu sein. Ins Bild passt nicht, das du vernarrt bist in dem Propagandablatt der PARTEI.

Nick Tameer
012
20.5.2011, 21:41

Die SPD hat zwar stark abgebaut, aber "Splitterpartei" scheint ein wenig übertrieben.

apoptosis
00
20.5.2011, 18:34

wer hat die polizei geschickt?

Jürgen Rembremerding
01
20.5.2011, 20:48
ralikka
04
20.5.2011, 18:23

Ja nee, is klar, wenn man keinen §278a hat nimmt man halt die Franzosen.

J-131
10
20.5.2011, 18:22

ne besser (gratis) werbung gibts gar nicht!

viel erfolg piraten!

wider Indifferenz
116
20.5.2011, 17:52
komisch, ständig bescheixxen irgendwelche verbrecher

leute auf ebay und lassen ihrer "illegalen aktivität" freien lauf, aber das bka beschlagnahmt keine ebay-server.
komisch, komisch..

O5
00
21.5.2011, 19:53

"komisch, ständig bescheixxen irgendwelche verbrecher leute auf ebay"

Wer behauptet denn so einen Blödsinn?

wider Indifferenz
00
22.5.2011, 02:34
ich tue das.

ein stück sonstwas bezahlt, nie erhalten.

jaja, eventuell strafverfahren, aber ebay, das das erst als plattform ermöglicht bleibt straffrei. keine server werden beschlagnahmt.

bei der piratenpartei aber schon.

wie gesagt, komisch..

warum?

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