Tod in der libyschen Wüste

20. Mai 2011, 16:28
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Der Schutz von Journalisten werde international ein Schwerpunkt österreichischer Bemühungen im Rahmen der UN sei, sagt Spindelegger - Hoffen wir, dass es nicht nur bei den Worten bleibt

Noch vor wenigen Tagen hatten in Südafrika seine Freunde in einer groß angelegten Demonstration seine Freilassung gefordert. Nun dürfte es gewiss zu sein: der Photoreporter Anton Hammerl dürfte in Libyen seinen Verletzungen erlegen sein. Nicht an irgendwelchen Verletzungen, sondern an den Folgen eines Bauchschusses, abgefeuert durch Gaddafi-treue Soldaten. All dies geschah, als Anton Hammerl gemeinsam mit drei anderen internationalen Kollegen am 5. April bei der libyschen Stadt Brega von Gaddafis militärischen Gefolgsleuten gewaltsam festgenommen und die Gruppe verschleppt worden war.

Niemand in der Welt sollte durch die Bilder und Berichte der Journalisten von den Gräueln des libyschen Bürgerkriegs erfahren. Libyen sollte ein weißer Fleck auf der internationalen Informationslandkarte sein. Wir kennen diese Strategie noch all zu gut aus dem Irakkrieg, während dessen Journalistinnen und Reporter in Geiselhaft genommen wurden, um weltweit die Medien davon abzuhalten, ihre Teams ins Land zu schicken. Zu groß wurde das Risiko, zu gering die Bereitschaft der Versicherungen, solche Medienleute noch unter Vertrag zu nehmen.

Auch die Gaddafi-Regierung sah sich seit 5. April international diplomatischen Druck ausgesetzt. Bisher gab sie sich ahnungslos über den Verbleib der Journalistengruppe. Vorgestern wurden dann doch Hammerls KollegInnen Clare Morgana Gillis aus den USA, der Brite James Foley und der spanische Photograf Manu Brabo von den libyschen Autoritäten freigelassen. NGOs, Organisationen der UN sowie die Außenministerien der Heimatländer der Journalistengruppe hatten massiv für deren Freilassung interveniert- auch das österreichische. Der 41-jährige Anton Hammerl war nicht nur südafrikanischer sondern auch österreichischer Staatsbürger. Er ist Sohn eines österreichischen Migranten, der sich in Südafrika eine neue Existenz aufgebaut hat.

Anton Hammerl selbst lebte mit seiner Frau Penny Sukraj - auch sie ist Journalistin -, in London. Ihr zweites Kind ist erst drei Monate alt. Die freigelassene Reportergruppe wollte zuerst Penny Sukraij informieren, bevor sie ihr Wissen über Anton Hammerl veröffentlichten. Er hatte, als sie ihn auf Geheiß der Soldaten zurücklassen mussten, stark geblutet und wurde medizinisch unzureichend versorgt. Laut Reporter ohne Grenzen dürfte Anton Hammerl nun bereits der fünfte Journalist sein, der im Dienste der Presse- und Informationsfreiheit seit Beginn des Bürgerkrieges in Libyen, seit Mitte Februar, dort sein Leben verlor. Laut Gaddafi-Regierung ist sein Verbleib unbekannt. International beginnt eine Sammelaktion für seine Familie.

Auch mit Blick auf den UN-Menschenrechtsrat verurteilt Außenminister Spindelegger den Vorfall aufs Schärfste und bricht der Pressefreiheit eine Lanze. Der Schutz von Journalisten werde international ein Schwerpunkt österreichischer Bemühungen im Rahmen der UN sei. Hoffen wir, dass es nicht nur bei den Worten bleibt.

P.S. Am selben Tag, an dem in Libyen Clare Morgana Gillis , James Foley und Manu Babro freigelassen wurden, konnte auch die Al-Jazeera Journalistin Dorothy Parvaz wieder in die USA zurückreisen, derStandard.at berichtete. Sie war Ende April, wie ich hier kürzlich schrieb, von Syrien kurzerhand als unerwünschte Berichterstatterin in den Iran abgeschoben worden. Auch der Iran ist nicht primär Menschenrechtsorientiert.

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    Anton Hammerl

  • Bild vom 21. April, Johannesburg: Demonstranten fordern seine Freilasung.
    foto: epa/jon hrusa

    Bild vom 21. April, Johannesburg: Demonstranten fordern seine Freilasung.

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