Nicht nur als Danilo immer am Ball

20. Mai 2011, 18:11
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Daniel Schmutzhard singt an der Volksoper in der "Lustigen Witwe"

Wien - Nein, meint Daniel Schmutzhard lachend, natürlich wäre er nicht lieber Tenor geworden als Bariton - aber Fußballer, das vielleicht schon. Doch statt für den grünen Rasen entschied sich der ehemalige Wiltener Sängerknabe mit 17 für die Kunst und ging ans Landeskonservatorium in Innsbruck, um Gesang zu studieren, bei Karlheinz Hanser.

Für den musikalischen Verein, dem Schmutzhard die letzten fünf Jahre angehörte, hat der lyrische Bariton in den nächsten Tagen einen Pflicht-Elfmeter zu verwandeln: Er singt den Danilo in der Neuinszenierung der Lustigen Witwe - Kernrepertoire und Cash-cow der Volksoper. (Info-Einschub: Seit 1906 gab es 996 Aufführungen dieses Werkes am Haus, kumulierte Zuschauerzahl ca. 1,3 Millionen. Schmutzhard tritt als Danilo in eine Reihe mit Johannes Heesters, Fred Liewehr, Eberhard Waechter, Peter Minich.)

So muss also, erstens, die Inszenierung sitzen (Marco Arturo Marellis sei "sehr ästhetisch", so Schmutzhard); und da müssen, zweitens, die Hauptdarsteller wissen, was zu tun ist. Die Partie sei für einen Bariton gesanglich eine "Herausforderung", meint Schmutzhard, aber auch die ganzen Dialoge exakt und pointiert hinzubekommen, das sei schon eine ziemliche Arbeit. Mit der "Witwe" Alexandra Reinprecht, mit der der erst 28-Jährige schon am Haus (in seiner ersten Zauberflöte) wie auch jüngst an der Staatsoper (Arabella) zusammengearbeitet hat, stimme die Chemie aber. Noch stimmiger wird die Chemie wahrscheinlich nur noch mit Annette Dasch sein: Auf der Japan-Tournee der Volksoper in der nächsten Saison wird die gefeierte Sopranistin an der Seite Schmutzhards die Hanna Glawari singen - dann schon als seine Ehefrau, geheiratet wird im Juli.

Demnächst in Frankfurt

61 Aufführungen hat der vielseitige Schmutzhard allein in dieser Saison an der Volksoper gesungen; ab der nächsten Spielzeit ist der Tiroler, der in seiner noch jungen Laufbahn schon auf Auftritte bei den Salzburger Festspielen, in Aix-en-Provence und bei der Glyndebourne Touring Opera verweisen kann, Ensemblemitglied der Oper in Frankfurt am Main. Am renommierten Haus wird er zunächst mit Operetten- und Mozart-Partien beginnen, mittelfristig hofft der Tiroler, vom breiteren Repertoire des Hauses zu profitieren und Wunschpartien wie den Fritz aus Korngolds Die tote Stadt, den Billy Budd oder den Pelléas verwirklichen zu können. In einer Agrippina-Aufführung in Berlin sei Frankfurt-Intendant Bernd Loebe auf ihn aufmerksam ge- worden; in Hessen wird Schmutzhard auch auf Daniel Behle treffen, ebenfalls ein einstiges Ensemblemitglied der Volksoper.

Auf die fünf Jahre an der Volksoper blickt er "mit Freude" zurück. Ist er sorgsam aufgebaut worden, wie es jedem jungen Sänger empfohlen wird? Ja, meint Schmutzhard, er habe sich - sei es vonseiten der Korrepetitoren, der Dirigenten, des künstlerischen Betriebsdirektors Diethmar Straßer - in guten Händen gefühlt. Ein Risiko, so früh schon, mitten in der Ausbildung, an ein Haus verpflichtet zu werden? Ach, eigentlich sei er sich seiner Rollen und seiner Sache sicher gewesen, meint Schmutzhard, in dessen Charakter sich Sanftmütigkeit und Bodenständigkeit zu einem unerschütterbaren Grundvertrauen zu einen scheinen.

Mit den Volksopern-Kollegen hat Schmutzhard jeden Karfreitag ein kleines Fußballturnier gespielt; bleibt nur zu hoffen, dass in Frankfurt etwas öfters gebolzt werden kann. (Stefan Ender/ DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.5.2011)

Ab 21. Mai, 19.00

  • Daniel Schmutzhard als neuer Danilo.
    foto: standard / urban

    Daniel Schmutzhard als neuer Danilo.

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