Ein Kühlschrank für das Münchner Bier

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  • Gesamtgehzeit 3¼ Stunden, Höhendifferenz rund 450 Meter. Gasthaus in Priesteregg. ÖK25V Blatt 3215-West (Lofer), Maßstab 1:25.000.
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    Gesamtgehzeit 3¼ Stunden, Höhendifferenz rund 450 Meter. Gasthaus in Priesteregg. ÖK25V Blatt 3215-West (Lofer), Maßstab 1:25.000.

Zum Birnbachloch, einer Wasserhöhle, und dem einstigen Talgletscher bei Leogang

Zu einem harmlosen Firnfeld zusammengeschmolzen ist der einst am tiefsten gelegene Talgletscher Mitteleuropas. Das mächtige Eisfeld - mit Spalten - am Südfuß des Birnhorns in den Leoganger Steinbergen reichte um die Wende zum 19. Jahrhundert bis unter die Waldgrenze. Es wurde von den riesigen Schneemassen gespeist, die im Winter über die ausgedehnte, rund 1400 Meter hohe Felswand in den Öregenkessel donnerten.

Die Lage in der Nähe des Tales ließ eine wirtschaftliche Nutzung zu. Man brach im Sommer Eisblöcke aus dem Gletscher, ließ sie auf einer Rutsche bergab sausen und verfrachtete sie dann auf die Bahn. Das Eis ging vorwiegend nach München, wo es die Brauereien zur Kühlung des Biers nutzten. Bis zu hundert Arbeiter waren bei Abbau und Transport des Eises tätig und sorgten damit für eine angenehme Temperatur des berühmten bayerischen Gerstensaftes. Die Tagesproduktion betrug bis zu 300 Wagons.

Ein Teil der hölzernen Rutschbahn ist noch vorhanden und restauriert, in einer Unterstandshütte und am Weg informieren etliche Tafeln mit Fotos über den einstigen "Kühlschrank" und vermitteln ein beeindruckendes Bild von der eisigen Vergangenheit. Das allein wäre schon Grund genug für einen Ausflug in den Örgenkessel, es gibt aber noch eine zweite Sehenswürdigkeit: das im Jahre 1988 zum Naturdenkmal erklärte Birnbachloch; nach dem Lamprechtsofen die bedeutendste Wasserhöhle Salzburgs. Die Schüttung erreicht zeitweise bis zu hundert Liter pro Sekunde, was einen ansehnlichen Bach ergibt. Das Wasser steigt aus dem tiefen Schacht auf, der sich bisher, nicht zuletzt wegen der starken Strömung, jeglicher Erforschung widersetzte. Man sollte auch keinen Stein in den Schlund werfen, das könnte fatale Folgen haben. So steht es im Sagenbuch. Auf jeden Fall muss man bei einem solchen Frevel damit rechnen, dass aus dem Schacht eine Stimme mahnt: "Gründst du mi, dann schlünd' i di." Die Route weist keine Schwierigkeiten auf, man bewegt sich in einer grandiosen alpinen Umgebung. Auf Schneefeldern allerdings ist besondere Vorsicht geboten. Die Reste des Talgletschers dürfen wegen der Steinschlaggefahr nicht betreten werden.

Die Route: Vom Parkplatz der Passauer Hütte oberhalb von Ullach folgt man der roten Markierung. Man erreicht eine Unterstandshütte, von der es auf schottrigem Pfad zum ehemaligen Gletscher und zum Birnbachloch geht. Gehzeit ab Parkplatz 1½ Stunden.

Auf der Anstiegsroute kehrt man ein Stück zurück, nahe der Unterstandshütte hält man sich rechts, quert den Birnbach und wandert einen steilen Hang entlang nach Priesteregg. Gehzeit ab Birnbachloch 1¼ Stunden. Dort hält man sich links, nach den ersten Häusern wieder links - Vorsicht: Abzweigung leicht zu verfehlen -, um in einer weiteren halben Stunde den Ausgangspunkt zu erreichen. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/21.05.2011)

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