Grillsaison

Die Gifte vom Grill

22. Mai 2011, 17:05
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    foto: apa/hendrik schmidt

    Zubereitung auf dem Rost als Krebsrisiko.

Ab jetzt ist wieder Grillsaison. Wie schädlich sind heterozyklische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine in gebratenem Fleisch?

Das Leben kann so herrlich einfach sein. Im Kamin der uralten, rußgeschwärzten Bauernküche brennt ein Feuer. Ein Metallrost hängt darüber, und darauf liegen ein paar Koteletts, zwei Forellen oder ein ganzes Huhn, über dem Rücken aufgeschnitten und eingerieben mit Öl, Knoblauch, frischem Rosmarin und etwas Chilipulver. Die Flammen müssen niedrig bleiben, damit nichts verbrennt, aber der aufsteigende Rauch vom Ahornholz gibt genau das richtige Aroma. Draußen donnert ein heftiges Sommergewitter. Im Glas ein kühles Bier, die Katze hat sich auf der Küchenbank zusammengerollt. Modern? Nein danke.

Wahrscheinlich grillt die Menschheit schon so lange, wie sie denken kann, und auch heute noch garen wir gerne über Feuer oder glühender Holzkohle. Doch der beliebte Sommerspaß ist seit einiger Zeit etwas in Verruf geraten. Nicht nur, dass Fett und Fleisch an sich schon von einigen Ernährungsbewegten als Gesundheitsschädlinge an den Pranger gestellt werden, auch die Zubereitung auf dem Rost gilt mittlerweile als Risikofaktor. Nicht ganz zu Unrecht. "Beim Grillen setzen wir uns leider sehr oft einer unnötigen Menge karzinogener Substanzen aus", betont der Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski von der Universität Innsbruck.

Chemische Analysen haben gezeigt, was bei der kulinarisch so wertvollen Maillard-Bräunungsreaktion alles entsteht - darunter eine ganze Palette sogenannter heterozyklischer Amine, abgekürzt HCA, deren krebserregende Wirkung bereits mehrfach in Tierversuchen nachgewiesen wurde. Des Weiteren werden bei der Verbrennung von abtropfendem Fett polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzpyren gebildet, die ebenfalls als karzinogen gelten. In gepökelten Würsten und Speck entstehen beim Grillen zudem Nitrosamine. Auch sie können Tumorwachstum auslösen. Mit anderen Worten: So manches gebrutzelte Schmankerl enthält insgeheim ein wahres Sammelsurium an Giftstoffen.

Laufende Studie

Wie gesundheitsschädlich Grillen allerdings tatsächlich ist, darüber herrscht noch keine endgültige Klarheit. Die Materie ist zu komplex, um sie mit einfachen Laborversuchen erforschen zu können. Es braucht Langzeituntersuchungen mit zahlreichen Teilnehmern. Besonders interessant ist diesbezüglich die europäische EPIC-Studie, in deren Rahmen unter anderem der Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Ernährungsgewohnheiten bei mehr als 21.000 Personen aus Südwestdeutschland unter die Lupe genommen wurde. Die Ergebnisse geben einige deutliche Hinweise. So haben Menschen, die über ihren Fleischkonsum besonders große Mengen der häufigsten HCA-Substanz PhIP (durchschnittlich zirka 40 Nanogramm täglich) zu sich nehmen im Vergleich zu gering PhIP-Belasteten eine 47 Prozent höhere Chance, an Darmpolypen, kolorektalen Adenomen, zu erkranken. Adenome gelten als mögliche Vorstufe von Darmkrebs. Man schätzt, dass sich zehn bis 20 Prozent dieser Polypen später bösartig entwickeln, vielleicht auch mehr, erläutert die EPIC-Forscherin Sabine Rohrmann von der Universität Zürich.

Das Problem der HCA-Belastung von Fleisch tut sich gleichwohl nicht nur bei Gegrilltem auf. Auch beim Braten können HCA-Konzentrationen von mehreren Nanogramm pro Gramm entstehen, je nachdem, wie stark Steak oder Wurst gebrutzelt werden. Die höchsten Werte treten bei dunkel gebratenen oder angebrannten Krusten auf. PAK entstehen dagegen kaum in der Pfanne. Am Grill kann man die PAK-Produktion durch die Verwendung von Unterlagen aus Aluminium vermeiden. Doch leider leidet dann auch das typische Räucheraroma.

Die Kontamination von Grillfleisch mit krebserregenden Stoffen wirft eine interessante Frage auf: Wieso haben unsere Vorfahren zehntausende Jahre lang ihre Jagdbeute über offenem Feuer zubereiten können, ohne dafür von der Evolution bestraft zu werden? Die Antwort ist relativ einfach, erklärt Maximilian Ledochowski. "Der Vorteil vom Erhitzen des Fleisches ist, dass Parasiten abgetötet werden und das Fleisch im Wesentlichen keimfrei ist." Deshalb sei das Grillen in der Urzeit von Vorteil gewesen. Abgesehen davon treten Tumoren meist erst ab 40, 50 auf. "Die Menschen sind nicht so alt geworden, dass sie groß an Krebs sterben konnten", meint hierzu auch Sabine Rohrmann. Zur erfolgreichen Fortpflanzung reichte es dagegen schon, und dieser wurde durch hohen Fleischkonsum wahrscheinlich begünstigt.

Die Zeiten haben sich gleichwohl geändert, sollten wir also unsere liebgewonnenen prähistorischen Feuerspiele aufgeben? "Nein, solange man es nicht jeden Tag macht", sagt Rohrmann. Auch Maximilian Ledochowski möchte keine Schwarzweißmalerei betreiben. "Wir sind das ganze Leben lang karzinogenen Substanzen ausgesetzt. Wenn man sich unsicher ist, sollte man das Grillen vermeiden." Wer aber viel Freude daran hat: "Warum nicht?"

Das gute Gemüse

Vegetarier sind beim Grillen gesundheitstechnisch klar im Vorteil. In ihren Bratlingen und Veggie-Würsteln kann praktisch kein HCA entstehen. "Dazu müsste man den Tofu schon sehr quälen", meint Sabine Rohrmann lachend. HCA geht nämlich nur aus dem Kreatin hervor, welches in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorkommt. Es gibt jedoch noch eine weitere Wirkung pflanzlicher Kost, von der eventuell auch Fleischliebhaber profitieren könnten. Viele Obst- und Gemüsesorten enthalten reichlich Flavonole und andere Polyphenole. Sie scheinen die Krebsgefahr zu verringern.

Sabine Rohrmann und ihre Kollegen konnten in der EPIC-Studie einen positiven Effekt von einer hohen Flavonoid-Aufnahme auf das Polypen-Risiko durch PhIP beobachten. "Flavonole könnten den enzymatischen Aufbau von PhIP-Molekülen fördern und so deren karzinogene Wirkung herabsetzen", erklärt die Wissenschafterin. Einer anderen internationalen Studie zufolge leiden Menschen, die viel Obst und Gemüse verzehren, anscheinend viel seltener unter durch Nitrosamine ausgelöstem Magenkrebs. Vielleicht also kann eine große Schüssel bunter Salat helfen, die krebserregenden Stoffe im Grillfleisch zu bändigen. Das schmeckt schließlich ja auch. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD Printausgabe, 23.05.2011)

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Posting 1 bis 25 von 92
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Jürgen Rembremerding
00
27.5.2011, 21:43
Die Giftstoffe gleich mit Bier ausschwemmen!

Die sicherste Prophylaxe!

Petzi Bär
00
25.5.2011, 17:32
Wer ist die heterozyklische Amine?

Kann ich die Dame mal kennen lernen?

Noxventa
02
25.5.2011, 14:26
Breaking News: DAS LEBEN IST GESUNDHEITSSCHÄDLICH

Simplicius Simplicissimus
10
25.5.2011, 11:09
Wie die Kartoffeln ...

... einfach in Alufolie wickeln. Dann essen. Allerdings vorher die Folie entfernen.

werwolfi
02
24.5.2011, 16:12

"Wahrscheinlich grillt die Menschheit schon so lange, wie sie denken kann"

dann hätte sie noch nie grillen dürfen... ;oP

styliann
00
24.5.2011, 15:01

passt, ein gemischter salat passt eh hervorragend zum gegrillten

Tethys
01
24.5.2011, 11:48

Super.

Jetzt hab ich Appetit auf Grillfleisch. Und mein Magen knurrt, der Zimmerkollege schaut schon so komisch rüber.

Danke.

Ich hoffe, die Standardredaktion ist zufrieden.

;-)))

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
01
24.5.2011, 07:50
Rituale...

Mit der selben Zuverlässigkeit, wie Anfang März die Berichte in Zeitungen auftauchen, daß die Umstellung auf die Sommerzeit ja dermaßen schädlich sei, folgen Anfang des Sommers die Meldungen, daß das Grillen auf offenem Feuer gesundheitsschädlich sei.

Und mit der selben Verläßlichkeit werden diese Warnungen von fast der gesamten Leserschaft - zum Glück - ignoriert.

Tenor des heutigen Berichtes ist ja auch: Grillen ist gefährlich, aber nix genaues weiß man nicht.

Kahuna
00
23.5.2011, 22:42
Bitte fragts die soeben gekuerten Grillweltmeister

ca ramba
00
24.5.2011, 11:07

Ja, aber beeilt Euch, in ein paar Jahren ist der unter der Erd.

Ulrike Reiter
01
23.5.2011, 20:52
Feuer und Fleisch

Mein Lieblings-Lebensmittelchemiker Udo Pollmer weiß auch etwas:
http://www.dradio.de/dkultur/s... it/818738/

Wer gerne Gegrilltes isst, darf sich darauf berufen. Ich zumindest finde es schwer, ihn zu widerlegen, weil der historische Verweis zu denken geben sollte.

El Lute
01
24.5.2011, 01:11

Danke für den Hinweis. Wir sind keine "Fleischtiger", deshalb werden uns die seltenen Grillveranstaltungen kaum schaden.

Peixe venenoso
00
23.5.2011, 18:46
es gaebe einen massen-langzeitversuch

in argentinien und brasilien wird ungleich mehr fleisch gegessen und extrem oft und ganzjaehrig gegrillt (parilla/churrasco).
weisen diese beiden laender signifikant hoehere magenkrebsfaelle auf als z.b.europa, dann koennte was dran sein.

hagane
00
24.5.2011, 10:39

es geht hier jetzt nicht um den fleischkonsum an sich, sondern um die art zubereitung.
in argentinien grillt man vollkommen anders.

Peixe venenoso
00
24.5.2011, 13:12
acha, und dabei werden keine karzinogenen Substanzen entwickelt

konnte keinen grundlegenden unterschied feststellen. ausser dass viel holz anstelle holzkohle verwendet wurde und wuerste direkt ins feuer gehalten wurden.
aber sie werden uns sicher verraten wie der zaubertrick funktioniert

hagane
00
24.5.2011, 16:02

indirektes grillen, kein grillen direkt über feuer/kohle, keine hohen temperaturen (teilweise her garen), kaum gewürze usw usw... von einem zaubertrick weit entfernt.
welchen trick du dir aber ansehen solltest, wie man es wegzaubert sich angegriffen zu fühlen nur wenn jemand nicht die eigene meinung teilt.

Irma la Douce
00
23.5.2011, 17:10
Läßt sich alles mit 5-6 Red Bull neutralisieren!

Got Your Noes!
02
25.5.2011, 06:57

wer neutralisiert dann den mist?

FaLoR
 
00
26.5.2011, 12:21
mhm...

vermutlich ist das überaus gesunde bier die lösung allen übels ;-)

Got Your Noes!
00
26.5.2011, 13:09

stimmt, lösen kann man gut darin:)

rob1968
 
11
23.5.2011, 16:43
also ich habe das Problem nicht....

.... Ich säubere meinen Hals und Bauch/Magen nach / vor und während des grillens (das sich kein Grillstaub anlegt) penibel mit "Pilsner Urquell" ( sozusagen die Urquelle überhaupt) , das hat mir ein tschechischer Hausarzt geraten ;-)

Fürchterlich was da geschrieben wird, das letzte Vergnügen wird einem noch mies und krank gemacht, ab jetzt nur mehr rohe Karotte und Gurke in der Schale!

Zamperl
00
23.5.2011, 16:25
Davon wird aber höchstens das leben von den Viechern länger

Simon Says
31
23.5.2011, 15:49
Geh Bitte!

Wenn man über das Essen immer liest kommt die Frage auf: Was bitte ist NICHT Krebserregend oder Gesundheitsschädlich?

Sterben müss ma ja sowieso, ob das jetzt 3 Jahre früher oder später ist ist ja eh egal, wir werden eh immer Hackeln müssen und dann wird einem mit solchen Behauptungen immer der Spass am Leben genommen.

Schön langsam glaub ich die Wissenschafter sind Sadisten und freuen sich wenn sie uns was zu fleiss machen können....

15115
01
23.5.2011, 19:29
Veggi-Würstel

Genau. Und wenn da eine Redakteur kommt und erklärt mit Veggi-Würstel ist man im Vorteil, dann seh ich das eher als im Eck sein an. Gemüse grillen ist eine feine Sache, aber warum dann als Würstel? Schmecken muss es, man muss es ja nicht verbrennen ...
Dafür etwas weniger Klumpert aus dem Supergesundmarkt (Acitmel und Co) oder dem Fertigpizzamarkt und schon ist das wieder wettgemacht.
Und wie Sie richtig sagen: Wenn man stirbt, sollte man wenigsten krank sein ... Im Kern ist da schon was dran.

die windfrau
 
06
23.5.2011, 14:53
mag ja gaaanz fürcherlich ungesund sein...

aber es ist gesund für meine seele und erfreut mein herz. (vor allem in lieber gesellschaft und schöner umgebung)

der "alles ist todesgefahr, gift oder unmoralisch"-puritanismus ist mit sicherheit mindestens genau so schädlich. es gibt mehr leute als man glaubt, die daran schon zugrundegegangen sind (oder langsam zugrunde gehen)

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