Fachkräftemangel

Mittelstand sucht Hausverstand

Regina Bruckner, 22. Mai 2011, 16:59
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    foto: apa

    Was soll ich werden? Diese Frage beantworten zuweilen immer noch die Eltern für ihren Nachwuchs

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    grafik: kmu forschung austria

Lehrlingsmangel und Überalterung der Gesellschaft machen sich bemerkbar, Gewerbe und Handwerk finden kein geeignetes Personal

Wien - Beim Mittelstand geht es schon länger wieder aufwärts. Laut einer Creditreform-Umfrage unter 1.800 Unternehmen Anfang Mai schätzen 54,8 Prozent (2010: 41,2 Prozent) die wirtschaftliche Lage mit "gut" oder "sehr gut" ein. Folgerichtig sind die Betriebe auch wieder auf Personalsuche. Klein- und Mittelbetriebe haben in den vergangen Monaten etwas mehr Mitarbeiter eingestellt und planen weitere Aufstockungen. Vor allem der Handel sucht Leute.

Ausbildungswillige Betriebe

Sorgen macht den Betrieben allerdings der Mangel an qualifiziertem Personal. Laut KMU Forschung Austria leiden 27 Prozent der heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe unter akutem Fachkräftemangel. Und das, obwohl der mit rund 620.000 Beschäftigten größte Arbeitgeber Österreichs auch der mit Abstand wichtigste Ausbildungssektor ist. "Am mangelnden Ausbildungswillen der Firmen liegt das sicher nicht", sagt KMU-Forscher Walter Bornett im Gespräch mit derStandard.at.

Er erzählt eine jener Geschichten, die seit geraumer Zeit so oder so ähnlich ihre Runden machen. Von einem befreundeten Bodenleger, der einen Bewerber für eine Lehrlingsstelle auffordert, die Größe seines Büros abzuschätzen. Selbst bei drei vorgegebenen Möglichkeiten, die er dem jungen Mann serviert - zehn, fünfzig, zweihundert Quadratmeter - sei der Interessent überfordert gewesen. „Das Schulabschlussniveau ist leider beängstigend schlecht", seufzt Bornett. Viele der vielen Lehrstellensuchenden seien für einen Betrieb mangels Hausverstand und Basisqualifikationen einfach nicht zu gebrauchen. Auch der mit rund 300.000 Menschen gut gefüllte Pool der Arbeitslosen könne keinen Ausweg aus der Misere bieten. Unter- oder Überqualifizierung sei das Problem der Joblosen. Ein Hilfsarbeiter nütze einem Installateur genau so wenig wie der bestens ausgebildete Psychologe.

Katalog an Vorteilen

Mehr als 57.000 der insgesamt rund 130.000 Lehrlinge in Österreich werden im Gewerbe und Handwerk ausgebildet. An zweiter Stelle liegt der Handel mit knapp 18.700 Lehrlingen. Danach folgen die Industrie (16.400) und der Tourismus (12.600). Mangelnde Attraktivität und geringe Bezahlung seien das Problem nicht, ist Bornett überzeugt. Ganz im Gegenteil. "Der ausgebildete Installateur verdient sicher mehr, als jemand, der ein eher exotisches Studium abgeschlossen hat. Selbst mit einem WU-Absolventen kann er sich gehaltsmäßig messen. Außerdem steht mit der Lehre der Weg in die Selbstständigkeit offen", zählt Bornett einen ganzen Katalog an Vorteilen auf.

Karriere mit Lehre - geworben wird mit dem Slogan schon lange. Irgendwie sei er auch in den Köpfen mancher Menschen angekommen, allerdings noch nicht im notwendigen Umfang, so Bornett. "Manche Eltern leiden unter falschem Ehrgeiz. Die stecken ihre Kinder ins Gymnasium, auch wenn der Nachwuchs dort ganz offenbar seine Talente nicht ausleben kann oder überfordert ist."

"Gute Chancen"

Die demografische Entwicklung werde das Problem noch verschärfen, warnt der KMU-Forscher. Grundsätzlich könnte die Öffnung des Arbeitsmarktes eine Entlastung bringen. Es stelle sich aber die Frage, ob diese nicht viel zu spät erfolgt ist und die auswanderungswilligen, wirklich qualifizierten Leute nicht schon längst in anderen europäischen Ländern einen Arbeitsplatz gefunden haben. Warum aber sollten die jungen Nachbarn eher geneigt sein, sich im Handel und Gewerbe umzuschauen? "Weil die Chancen gut sind", sagt Bornett. Er wünscht sich, dass man dem Nachwuchs schon in der Volksschule, ja besser noch im Kindergarten, spielerisch ein Fenster in die Berufswelt öffnet. (Regina Bruckner, derStandard.at, 22.5.2011)

Wissen

Vom Fachkräftemangel sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen. Praktisch keine Rolle spielt er zum Beispiel im Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, bei den Optikern oder Fotografen. Im Gegensatz dazu sind es bei den Spenglern 54 Prozent der Betriebe, denen Fachkräfte fehlen, bei den Dachdeckern 49 Prozent oder im Baugewerbe 33 Prozent.

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Robert Diasek
00
30.5.2011, 13:42
überraschend

irgendwie kann ich die Rgumentation von Herrn Bornett doch nicht nachvollziehen - ich finde es höchst unpassend und fast schon ein bißchen demagogisch wenn man bei Geschichten Äpfel mit Birnen bzw. Fliesenleger mit Psychologen vergleicht.
Kenne mehrere akutelle Fälle wo zB ein ehemaliger qualifizierter Baumarktmitarbeiter seit 3 Jahren einen Job sucht. Kann mir nicht vorstellen, dass dieser den Anforderungen nicht gerecht werden sollte. Natürlich wird es schwierig wenn dieser Arbeitsplatz dann nicht mehr als der eines Lehrlings kosten darf.
Andererseits stimmt es leider auch, dass eine große Anzahl von Lehrlingen das in der Schule Gelernte einfach nicht anwenden und in die Praxis umsetzen können.

Gobi Todic
01
30.5.2011, 09:06
Auch ich suche händeringend

* eine 120m² Wohnung um monatlich 200 Euro
* einen neuen Golf um 5.000 Euro
* einen Supermarkt mit Preisen wie 1982
* eine Tankstelle mit Superbenzin um 30 cent
* einen Bekleidungshersteller der mir meine Fetzen wegen meinem tollen Auftreten sponsert
* einen Arbeitgeber der mir den doppelten Kollektiv bei einer 20 Stundenwoche bezahlt

Seit Jahren suche ich Händeringend danach...

birka
00
23.5.2011, 20:15

Gibts zu der Diskussion eigentlich auch Daten oder muss man sich auf Anekdoten über fehlende Rechenkenntnisse verlassen? Man wird wohl auch genügend Anekdoten finden dass KMU nicht ausbilden wollen oder zu schlecht bezahlen...

achwasweissdennich
00
23.5.2011, 17:18

Hier! So sehen Leute aus, die billige und willige Fachkräfte haben wollen: http://derstandard.at/130455235... g-Aufstieg

Irgendwie finde ich es zynisch, dass der Standard so eine Rubrick betreibt.

Velvet Velour
00
23.5.2011, 16:37
Ah endlich!

Das allmonatliche Händeringen, ich hab das schon vermißt.

Und an anderer Stelle schreibt wer in dieser Zeitung was von Medien und Qualität.

Ich mach jetzt was sinnvolles, denn mein Propagandaalarmometer ist schon wieder im roten Bereich.

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
23.5.2011, 16:18
Und weiß jemand (bzw wissen eh alle),

warum (Piraten-)Kapitäne häufig mit Augenklappen dargestellt wurden und diese daher heute unabdingbarer Bestandteil des Klischees ist?

Euroumrechner
00
23.5.2011, 16:35

Weil die Piraten die Bösen sind?

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
24.5.2011, 08:38

Nein.

(wollen damit unterstellen, dass alle Einäugigen böse sind ;) ?)

Euroumrechner
00
24.5.2011, 17:16

Na dann spannens mich nicht so auf die Folter.

Ich glaub ja eher, das Teil hat eher einen praktischen Nutzen als einen optischen, ich glaub man tat sich mit einer Augenbinde einfach leichter durchs Fernrohr zu schaun, so wurde man ev. weniger geblendet. (sieht man auch gut oben am Foto) aber das is halt nur so ein Gedanke.

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
25.5.2011, 08:46
Na alser gut:

Entgegen der Meinung, dass das Auge wohl im räuberischen Degenkampf verlorenging, hatte jeder langgediente Kapitän dieses Problem:

Das Navigieren mit dem Sextanten brachte es mit sich, dass man mehrmals täglich (eben mit einem Auge) direkt die Sonne anpeilen musste, was auf Dauer zum Verbrennen der Hornhaut und damit zur Erblindug führte.

Ich liebe Off-Topic-Postings :)!

Euroumrechner
00
24.5.2011, 17:23

und wg. "böse": Das Klischees wird in Filmen einfach gern verwendet weil man durch Augenbinden den Charakter düsterer ausschaun lassen kann. So identifiziert man den Piraten sofort als Bösewicht, während die Guten, die Helden, meist makellos, weiß, blond usw. sind.

Ohr O Pax
00
23.5.2011, 16:00
Mittelstand sucht

in erster Linie Finanzierungsmöglichkeiten.

WAKU
00
23.5.2011, 15:56
FAZIT

Lehrlinge sind halt nur faul und dumm und Unternehmer wollen Erträge und zwar jetzt, nicht Kosten für eine mögliche Zukunft, bei all den Grauenvollen Auflagen. Billig und willig, Jawohl! - wo sind die bloß geblieben...

FAZIT: weiterraunzen, jammern und Schuld zuweisen; Echt Mittelstand, oder wofür sich alle gern halten.

Hachigatsu
00
23.5.2011, 15:11

Ich weiss nicht wie es euch geht, ich habe damals eine Lehre als EDV-Techniker gemacht. Von Freunden/Bekannten die Studiert haben wurde ich nur belächelt... "Wir Studieren weil wir mal gut verdienen wollen, mit einer Lehre bist ja nichts..". Damals haben mich solche aussagen extrem genervt. Heute weiss ich das es auch anders geht. Wer in seinem Beruf gut ist, kann auch ohne studium sehr gut verdienen (auch locker mehr als studierte). Bei manchen Eltern ist das noch nicht angekommen. Natürlich will man das beste für sein Kind, aber man sollte immer noch selbst entscheiden können was für einen das beste ist. Außerdem, nach der lehre ist ein studieren ja nicht ausgeschlossen :) .

K. K. Lacke
12
23.5.2011, 13:56
komisch

jedes Jahr bleiben X Lehrlinge ohne Ausbildungsplatz
Hunderttausende sind arbeitslos

aber es gibt einen Mangel an "Fachkräften"?

der konkrete Mangel ist vermutlich eher eine Erscheinung der an die Bewerber gestellten Ansprüche

möglichst produktiv, flexibel und billig gleichzeitig sollen sie sein

daß diese WÜnsche nicht jede/r ArbeitnehmerIn erfüllen kann ist klar

sollte es evtl auch an der Attraktivität dieser Jobs liegen, daß es uns immer an "Fachkräften" mangelt?

wäre es evtl einmal anzudenken, den gewünschten Kräften auch ein bißchen entgegenzukommen?

nein, wo denken wir hin? wo es doch Hunderttausende Menschen im ehemaligen Ostblock gibt, die sicherlich genauso schlecht ausgebildet sind, aber für 2/3 vom KV arbeiten würden?

parmigiano
00
23.5.2011, 15:05

ad "der konkrete Mangel ist vermutlich eher eine Erscheinung der an die Bewerber gestellten Ansprüche":

jein, die wahrheit wird irgendwo in der mitte liegen. faktum ist leider nämlich doch, dass viele schulabgänger - und das muss man leider so deutlich sagen - wirklich für fast nichts zu gebrauchen sind.

cannery row
02
23.5.2011, 14:37
diese jubelnden wirtschaftskammer-rundumschläge..

nimmt doch eh niemand mehr ernst. jeder, der die augen aufmacht, weiss eh, was los ist. kein job mehr mit 40, auch nicht als fachkraft. zu teuer, zu unbequem.
und die medien gröhlen diese propaganda brav nach.

grazistanders
14
23.5.2011, 13:17

Genau so ist es. An dioe nächste Generation! Scheißt auf nidrieg Löhne. Lehnt den Job ab. Wehrt euch gegen den Mindestlohn. Alles wird teuerer, nur der Verdienst im Job nicht.... Irgendwann muss es eine Verteilungsgerechtigkeit geben.
Es kann nicht sein das jemand 50 Häuser hat und sich andere Personen kein Essen mehr leisten kann.

systemfehler1
01
23.5.2011, 14:06
Sie wissen aber schon,

dass ein Großteil der Löne als Lohnsteuer und SV-Beiträge "flöten" gehen?

Insoferne wäre unsere Politik gefragt - aber die Hoffnung, dass die etwas unternehmen, ist gering. Zu leicht lassen sich auf diesem Weg die BürgerInnen abzocken.

Als Unternehmer kann ich auch eines bestätigen: Das Niveau der Lehrstellensuchenden ist erschrecken niedrig. Aber an unserem Bildungssystem darf eben sowenig gerüttelt werden, wie an unserem Abgaben- und überföderalisiertem Verwaltungssystem.

anno dazumal
06
23.5.2011, 12:38
immer das selbe ...

... wenn von fachkräften gesprochen wird meint man in der regel arbeitskräfte die wenig kosten dürfen. fachkräfte sollten für eine tätigkeit richtige ausgebildet sein aber auch nicht zu viel ahnung vom "geschäft" haben damit sie nicht auf die idee kommen forderungen zu stellen oder gar zu konkurrenten werden. weil die "virtuellen" leistungen der sogenannten leistungsträger immer teurer werden, müssen die kosten für die facharbeiter reduziert werden - am besten wären facharbeitersklaven. so dumm ist die jugend nicht, dass sie dieses system nicht durchschauen ...

natoll
00
23.5.2011, 13:36

könnte aber auch das man tatsächlich von facharbeitern spricht und nicht nur von solchen die meinen solche zu sein.

silence
00
23.5.2011, 13:34
auf den punkt gebracht

styliann
00
23.5.2011, 12:26

Das Problem ist: "Installateur ist keine schöne Arbeit." Die meisten arbeiten im (Bau)Gewerbe sind dreckig, es werden viele Überstunden erwartet und selten angemessen bezahlt. Einziger Vorteil dieser Jobs ist das man schwarz viel Geld machen kann.

cannery row
00
23.5.2011, 14:40
aber als installateur..

kann man sich dumm und dämlich verdienen, selbsständig muss man halt sein (oder werden)..

Voll der Troll sagt:
01
23.5.2011, 12:45

jap - ein sehr guter vorteil, wie ich meine!

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