Die Frage, wie Junge sich in Zukunft eine Existenz aufbauen sollen, stellt sich in der ÖVP offenbar niemand
Die ÖVP will künftig den Mittelstand und da wiederum vor allem die Familien stärken. Steuererleichterungen soll es vor allem für den Faktor Kind geben. Das ist schön. Das ist gut. Andererseits verliert die ÖVP vollkommen jene aus den Augen, die die Familien von morgen gründen sollen.
Studenten werden in Eiltempo durch unsere vielerorts maroden Universitäten getrieben. Wer nicht aus betuchtem Hause stammt, soll am besten mit 24 fertig sein. Ab dann gibt es keine Kinderbeihilfe mehr.
Vielleicht hat man aber mit 23 schon das Bachelorstudium abgeschlossen. In den Bundesdienst geht man damit besser nicht, denn dort gilt dieser Grad nach wie vor nicht als A-wertig. Viele Uni-AbsolventInen finden auch in der Privatwirtschaft keine adäquaten Anstellungen und bestreiten ihren Lebensunterhalt oft aus mehreren prekären Arbeitsverhältnissen.
Die Volkspartei verschließt ihre Augen vor den Problemen, die junge Leute heute haben. Die Debatte, was man für jene 10.000 Pflichtschulabsolventen tun kann, die pro Jahr das System verlassen und dann fortan als Hilfsarbeiter oder Arbeitslose herumdümpeln, ist im politischen Nowhereland versandet. Die Drop-Out-Raten an Höheren Schulen sind fatal. Auch die Problematik um die fehlenden Lehrstellen sucht man vergeblich auf der Agenda der ÖVP. Chancengleichheit ist und bleibt in unserem Bildungssystem nicht zuletzt aufgrund der VP-Blockaden bei der Bildungsrefom ein Wunschtraum.
Statt mehr für die "Leistungsträger" von morgen zu leisten, wird diese Generation mit Füßen getreten. Obendrein wäre es strategisch geschickt, auch junge Wähler für sich gewinnen zu wollen. Dass viele von ihnen ihre politische Heimat bei der blauen Konkurrenz finden, ist mehrfach aus Wahlstromanalysen vorangegangener Wahlen bekannt. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 20. Mai 2011)