ÖVP tritt die "Leistungsträger" von morgen mit Füßen

Katrin Burgstaller, 20. Mai 2011, 12:55

Die Frage, wie Junge sich in Zukunft eine Existenz aufbauen sollen, stellt sich in der ÖVP offenbar niemand

Die ÖVP will künftig den Mittelstand und da wiederum vor allem die Familien stärken. Steuererleichterungen soll es vor allem für den Faktor Kind geben. Das ist schön. Das ist gut. Andererseits verliert die ÖVP vollkommen jene aus den Augen, die die Familien von morgen gründen sollen.

Studenten werden in Eiltempo durch unsere vielerorts maroden Universitäten getrieben. Wer nicht aus betuchtem Hause stammt, soll am besten mit 24 fertig sein. Ab dann gibt es keine Kinderbeihilfe mehr.

Vielleicht hat man aber mit 23 schon das Bachelorstudium abgeschlossen. In den Bundesdienst geht man damit besser nicht, denn dort gilt dieser Grad nach wie vor nicht als A-wertig. Viele Uni-AbsolventInen finden auch in der Privatwirtschaft keine adäquaten Anstellungen und bestreiten ihren Lebensunterhalt oft aus mehreren prekären Arbeitsverhältnissen.

Die Volkspartei verschließt ihre Augen vor den Problemen, die junge Leute heute haben. Die Debatte, was man für jene 10.000 Pflichtschulabsolventen tun kann, die pro Jahr das System verlassen und dann fortan als Hilfsarbeiter oder Arbeitslose herumdümpeln, ist im politischen Nowhereland versandet. Die Drop-Out-Raten an Höheren Schulen sind fatal. Auch die Problematik um die fehlenden Lehrstellen sucht man vergeblich auf der Agenda der ÖVP. Chancengleichheit ist und bleibt in unserem Bildungssystem nicht zuletzt aufgrund der VP-Blockaden bei der Bildungsrefom ein Wunschtraum.

Statt mehr für die "Leistungsträger" von morgen zu leisten, wird diese Generation mit Füßen getreten. Obendrein wäre es strategisch geschickt, auch junge Wähler für sich gewinnen zu wollen. Dass viele von ihnen ihre politische Heimat bei der blauen Konkurrenz finden, ist mehrfach aus Wahlstromanalysen vorangegangener Wahlen bekannt. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 20. Mai 2011)

 

Kommentar posten
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Strom
00
22.5.2011, 22:06
Ganz richtig!

UNSERE Kinder und ihre Ausbildung will die ÖVP auf keinen Fall fördern.

Die Wirtschaftsklammer meckert über zu viele Ungebildete, aber finanzieren will sie ihnen nichts.

Die Deutsche Arbeitsmarktpolitik fordert auch lieber weitere Zuwanderung von 2 Millionen Dumpinglöhnern, aber nur solche mit fertiger Ausbildung. Für die heimischen Arbeitslosen will sie "den Druck erhöhen".

So nicht, kalte Neoliberale!

walter prohaska
01
22.5.2011, 17:17

was erwartet man von einer partei die selbstaendige leistungstraeger dazu zwingt mitglied der kammern zu sein, damit sich dann mit ihren beitraegen diverse kommerzialraete und innen die gschafterl zuschieben und die haare schoen blondieren koennen.

clockworkorange
00
22.5.2011, 15:30
...grade gefunden...

grafik zur internationalen vermögensbesteuerung!
unglaublich:
http://twitpic.com/510w22

FS4 - the science channel
00
22.5.2011, 15:41

Autriche, zero points...

somussesnichtsein
016
22.5.2011, 14:57
leistungsträger bei den schwarzen

sind erben - erben von vermögen und erben von posten....

vor allem im rahmen der diversen schwarzen studentenverbindungen findet mann sehr viele solche erb-leistungsträger.....

Elettra
01
22.5.2011, 14:49
Bummelstudent Rauch wird´s schon wissen

auch wem er seinen Abschluss verdankt.

Jakob Troll
00
22.5.2011, 14:02

Solange man für Leistungsträger was tut, braucht man sich um "Leistungsträger" nicht zu kümmern. Für die gibts immer noch die Mindestsicherung.
Politik besteht eben darin, Prioritäten zu setzen.

Minus 30 % bei den BeamtInnen
 
11
22.5.2011, 13:19
Dieses Land könnte sämtliche Sorgen ...

... mit einem Schlag verlieren:

1. Nachhaltige Pensionsplanung für die nächsten 20 - 30 Jahre
2. Verwaltungsreform mit dem Ziel "Minus 30 % bei den Beamten" *)
3. dann wäre Geld in Hülle und Fülle vorhanden für Bildung, Forschung, Familien, Jedem am Faschingsdienstag 1000 Krapfen und was weiß ich für Blödheiten.

Geschieht irgendwas in der Richtung in diesem Land?
Nöööööööööööö ... ;-(

*) Wohin also mit den Beamten?" - Exportieren wir sie doch (samt unserem Verwaltungssystem). Damit meine ich, in großen Gebieten dieses Planeten finden zur Zeit Revolutionen statt. Die jeweils korrupte Elite in diesen Ländern ist verhasst. Ö als neutrales Land hätte gute Chancen das Produkt "Moderne öffentliche Verwaltung" zu exportieren ...

Linus Tintifax
00
22.5.2011, 19:16
bessere idee

wir exportieren die reichen ohne ihre vermögen. entweder das oder sie zahlen endlich ordentlich steuern. dann geht sich zu den 1000 faschingskrapfen noch jede menge punsch aus ;-)

Der dicke Michl
00
22.5.2011, 11:56
Und zwar die Leistungsträgerpartei...

...die ihre Leistungsträger aka "Beamte" mit 50 in die Pension verabschiedet. Wo da die "Leistung" sein soll, wird wohl irgendwo tief unten im Handbuch für den guten ÖVP Funktionär versteckt sein.

Silvio Lackner
02
22.5.2011, 11:45
Die Erwartungen haben sich gewandelt: früher studierte man in der Gewissheit, es nach weiter oben zu schaffen. Heut studiert man, um überhaupt am Leben teilhaben zu dürfen.

Weil das immer noch suggeriert wird: durch (tertiäre) Bildung schaffst du es. Dabei hat der gelernte Schlosser mehr Aussicht auf Mittelstand. Das ist dann echt eine Scheißsituation, wenn der kleine Postler merkt, dass seine Tochter als Architektin Anfang 30 es verflucht schwer hat, überhaupt in der Branche Fuß zu fassen. Geschweige denn dass sie es einmal besser hat als er. In so fern hat der Bachelor seine Berechtigung. Es kann ja nicht sein, dass man immer länger ausgebildet wird (denn nix anderes als Ausbildung für den Markt ist es), aber immer schlechter bezahlt wird. Weil es eben nicht an der fehlenden Qualifikation mangelt, sondern daran, dass in einer Wohlstandsgesellschaft Arbeit im Vergleich zum Besitz verloren hat. Ich würde heute

The man
00
22.5.2011, 12:43
mich würde ja deshalb interessieren

wieviel verdient der durchschnittliche Kunst, Germanistik, Publizistik etc. Absolvent im Vergleich zu einem HTL oder HAK Absolventen.

Weil das einzige was unterm Strich zählt ist nicht die Ausbildung sonder das was man jedes Monat aufs Konto bekommt.

Silvio Lackner
00
22.5.2011, 22:21
Die klassischen Techniker werden auch gedrückt:

http://www.youtube.com/watch?v=IIV-P6K2t4M

NOCH haben sie es wahrscheinlich dennoch leichter.
Ein grundlegendes neues Verständnis von Arbeit brauchen wir dennoch. In einer Familie (im weitesten Sinne ist ja auch eine Gesellschaft Familie) kann ich ja auch nicht immer neue Häuser bauen, damit alle permanent mit meinem Verständnis von Leistung(=bauen, produzieren) beschäftigt sind. Wenn das Haus einmal dasteht, ändern sich die Aufgaben: es soll mehr dienstgeleistet, kommuniziert und erhalten werden. Arbeit als egalitär entlohnter sozialer Beitrag zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen und Bildung als ideelles Ziel, das indirekt das Zusammenleben durch Künste, Kommunikation usw. verbessert.

Loxoceles
01
22.5.2011, 13:48

Der Maturant als Bundeskanzler verdient monatlich jedenfalls mehr als ich!

Silvio Lackner
00
22.5.2011, 22:35
Die Jugend wird betrogen.

Jeder sucht den Fehler bei sich und meint, halt nicht gut genug zu sein, zu wenig qualifiziert zu sein, zu wenig Sprachen zu sprechen, zu wenig Berufserfahrung zu haben usw. Bei uns noch nicht so arg, wie in Südeuropa, wo so viele in gutem Glauben brav studieren und dann zu Hause sitzen und bei Eltern Oliven pflücken. Man muss endlich reinen Wein einschenken: man ist nicht mehr gewillt, Arbeit und somit Wohlstand auf alle aufzuteilen. Wahrscheinlich wohl deswegen, weil manche den Hals nicht voll genug kriegen können und so nix mehr übrig bleibt.

laurelundhardy
00
22.5.2011, 11:40
Die Politiker sollten endlich die geänderten Arbeitsverhältnisse in Angriff nehmen!

1) Noch niemals waren Menschen mit geringer bis gar keiner (Aus-) Bildung und - sagen wir einmal - mit ''einfacher Intelligenz'' ausgestattet, so gefährdet wie heute. Mein Großvater sattelte nach dem Krieg, nach einem Arbeitsunfall, auf ungelernter Melker um. Heute gibt es Melkmaschinen! Intelligente Maschinen nehmen vielen Menschen die Arbeit weg.
Seit Jahrzehnten ist die Rede von der ''Zweidrittelgesellschaft''. Jetzt ist sie da! Da muß man was machen, da kann man Demagogen besiegen!

2) Vielleicht kann die ÖVP auch einmal ihren ''Unternehmerbegriff'' überdenken? Ich-AG´s, Neue Selbständige? Prekäre Arbeitsverhätlnisse? Auch wenn damit keine Wahlen zu gewinnen sind? Auch wenn es sich um ''Geringverdiener'' handelt (die oft geistig mindesten

MrGreen
00
22.5.2011, 15:22

Maschinen nehmen keinen Menschen die Arbeit weg, sondern erleichtern Ihnen diese. Niemand soll hirnlose Tätigkeiten machen müssen, die auch eine Maschine erledigen könnte.

Loxoceles
01
22.5.2011, 13:51

"Ich-AG´s, Neue Selbständige? Prekäre Arbeitsverhätlnisse?"

Das politische Phänomen ist ein anderes. Sie haben mit dem Ansprechen der obigen Punkte völlig recht. Allerdings wurde das unter dem Schlagwort "Österreich - das Land der Unternehmer" gefeiert.
Das politische Phänomen heisst: "Hauptsache die Formulare stimmen". Und es heisst: "Wegschauen, so lange die Formulare noch angepasst werden können."

Im Klartext: Sukzessiver und steigender Realitätsverlust.
Im Parlament macht man sich lieber über die Klimaanlage im Sitzungssaal und über die Cafeteria Sorgen, anstatt den Problemen den Landes ins Auge zu sehen.

laurelundhardy
01
22.5.2011, 11:43

...die oft geistig mindestens dem Mittelstand angehören)?

Die ganze Welt ändert sich und ihr schickt uns immer nur diese Typen mit den Sprechblasen und dem Gel im Haar!

Seine Dudeheit
50
22.5.2011, 11:35
Mit 24 fertig sein

sollten alle Studenten, die nicht über 15h arbeiten oder Kinder zu betreuen haben. Jemand arbeitender kann auch nicht doppelt so lange für seinen Job brauchen wie "zumutbar".

In der Privatwirtschaft gibt es in den "gebrauchten" Studienrichtungen für jeden vernünftigen Absolventen einen Job. Ich persönlich freue mich über jeden der auch irgendetwas anderes studiert, da dies die geistige Landschaft bereichert. Dass man als Langzeitzudent der IE keinen Job findet, ist aber kein "Skandal" und ich verstehe auch Arbeitende (nicht-studierte), die diese Studien nicht massiv unterstützen.

Fehlende Lehrstellen folgen fehlenden qualifizierten Schulabgängern, weil immer mehr gute Leute studieren wollen (und das auch können).

Loxoceles
11
22.5.2011, 13:55

"Jemand arbeitender kann auch nicht doppelt so lange für seinen Job brauchen wie zumutbar."

Ein Studium ist kein Job. Bildung ist keine Ware.
In Studienrichtungen wie etwa Philosophie ist eine kurze Studiendauer kein Qualitätssiegel. Im Gegenteil: Das zeigt nur, dass jemand versucht hat, mit minimalem Aufwand durch die Prüfungen zu kommen. Eine Auseinandersetzung mit der Materie fand nicht statt. Die heutigen Kurzzeitstudenten schauen überhaupt nicht mehr links oder rechts. Sie werden buchstäblich zu Fachidioten. Ein Persönlichkeitsbildung findet nicht mehr statt.

Als Ergebnis drängen viele formal qualifizierte aber real Pubertäre auf den Arbeitsmarkt, wo sie in Billigpositionen verheizt werden. Daher sinkende Löhne und Prekariat.

Seine Dudeheit
00
22.5.2011, 21:15
Studienerfolg korrelliert nicht mit

Persönlichkeitsbildung.

Oder wollen Sie ernsthaft unterstellen, dass jemand mit besserem Studienerfolg automatisch persönlich weniger weit ist?
So einen Zusammenhang kann man nur herstellen wollen, wenn man verzweifelt nach Argumenten für lange Studiendauern sucht. Und diese Argumentation sollten Sie nicht mit mir führen, sondern mit der arbeitenden Bevölkerung die den Bildungsapparat finanziert.

Wenn schon Korrellation, dann dass Studienerfolg das Resultat einer reifen Persönlichkeit ist. Aber das wäre fast genauso weit hergeholt.

Loxoceles
00

Erstens: Eine Korrelation sagt wenig über eine (stochastische) Abhängigkeit oder Unabhängigkeit aus.

Zweitens: Ich stelle nirgends einen derart engen Zusammenhang her, wie Sie ihn mir unterstellen. Ich kritisiere nur, dass heute auf Persönlichkeitsbildung kein Wert gelegt wird und die Ergebnisse dann dementsprechend ausfallen.

ja aber
01
22.5.2011, 11:55
mit der dummen begründung gibt es keine neue studien mehr

die arbeitswelt verändert sich und wenn man eine neue studienrichtung studieren will, weiss noch keiner ob die in 4-5 jahren gebraucht werden.

ausserdem: wissenserwerb lässt sich nicht abarbeiten wie eine fliessbandarbeit.

Seine Dudeheit
00
22.5.2011, 12:25
Wissenserwerb

ist planbar.

Fließbandarbeit keine Schande.

Und ich rede nicht davon, ob man neue biotechnologische oder EDV-technische Spezialstudien benötigt, sondern davon, dass es Studien gibt, deren gute Absolventen die in der Privatwirtschaft stark nachgefragt werden (technisch, anderweitig naturwissenschaftlich und wirtschaftlich).

Trends innerhalb der technisch-naturwissenschaftlichen Sparten sind auf 5 Jahre schwer abschätzbar. Tolle Einstiegsjobs für alle Absolventen von im Idealfall noch Internationaler Entwicklung, Politikwissenschaft u.ä. bis hin zu Archäologie und Urgeschichte wird es in 5 Jahren auch nicht geben, wenn wir nicht zufällig einen T-Rex im Marchfeld ausgraben.

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