Mit vollen Segeln zum Buffet

26. Mai 2011, 09:51
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Martin Grabner ließ sich von einer gewaltigen Segelyacht durchs Mittelmeer schippern - und kam vor lauter gutem Essen kaum den Mast hoch

Lässig an den Eingang zur Kommandobrücke gelehnt, überwacht Dominique Rollin die Handgriffe seiner Mannschaft. Während die Star Flyer aus Palma de Mallorca ausläuft, werden zu den Klängen von Vangelis Conquest of Paradise unter eher symbolischer Mithilfe der Passagiere die Segel gesetzt. Das Ablegen ist ein großes Spektakel, die Segel knattern im Wind, jene Passagiere, die sich nicht als "Hobbymatrosen" gemeldet haben, genießen in ihren Liegestühlen unter den letzten Strahlen der Abendsonne das geschäftige Treiben an Deck.

Das Schiff ist einer der großen Segler seiner Art, mit einer Länge von 115 Metern und einer Segelfäche von mehr als 3300 Quadratmetern, verteilt auf vier Masten. Rollin hat die Augen mittlerweile auf das offene Meer gerichtet, immer wieder nimmt er dazu sein Fernglas zur Hilfe. Der Belgier ist Erster Offizier und auch optisch ein mächtiger Mann, dessen Autorität man nie infrage stellen würde.

Über ihm gibt es in der Bordhierarchie nur Kapitän Klaus Müller, einen deutschen, netten älteren Herrn. "Wenn der Wind es zulässt, segeln wir auch wirklich, das merken die Passagiere an einer leichten Schräglage des Schiffes. Aber aufgrund des vorgegebenen Programms und der Liegezeiten müssen wir hier im Mittelmeer oft auch den Motor zu Hilfe nehmen", erklärt der Kapitän die im Moment nicht maximal gesetzten Segel.

Bekannt geworden ist die Star Flyer auch durch die deutsche Fernsehserie Unter weißen Segeln ..., die Unterhaltung ohne allzu großen Tiefgang bietet. Die Unterhaltung an Bord der Star Flyer aber, die mit Kurs auf St. Tropez segelt, ist keineswegs seicht.

"Wir haben keine klassischen Vergnügungen wie auf großen Kreuzfahrtschiffen. Unser Programm besteht aus Wind, Wetter und vor allem unserem Schiff. Das muss reichen, und genau so gefällt es den Gästen auch", erläutert Klaus Müller die Philosophie der Star Flyer.

Wobei: Im Tiefstapeln kennt Herr Kapitän sich ganz offenbar auch gut aus. Denn das Schiff ist mehr als großzügig ausgestattet. Teakholz, wohin man blickt, Marmor im Bad, das Restaurant unter Deck ist von einer Noblesse und Eleganz, die das Betreten ohne entsprechende Kleidung zur Mutprobe werden lässt. Piano Bar, Tropical Bar unter freiem Himmel, Bibliothek und zwei kleine Pools auf den Sonnendecks - irgendwo gibt es immer einen kühlen Drink zu schlürfen. Sport kann in Form von Wasserski, Tauchen oder Windsurfen betrieben werden. Das heißt, wenn die Kombüse nicht wieder mit Leckerbissen der elaborierten Sorte lockt - was so ziemlich durchgehend der Fall ist. Es beginnt mit dem Frühstücksbuffet, geht fast ohne Pause ins Mittagsbuffet über, um dem rasch wiederkehrenden Hunger mit einer Cocktailstunde samt Hors d'oeuvres um 17 Uhr entgegenzutreten. Um halb acht ist endlich Abendessen, in mehreren Gängen natürlich, und der kleine Heißhunger vor dem Zu-Bett-Gehen wird noch mit einem herrlichen Mitternachtsimbiss gestillt. Seeluft macht Appetit, Gelegenheit detto. In Kombination wird das schnell zur Belastungsprobe - fürs Gewissen ebenso wie für die Badehose.

Am schönsten ist es deshalb, an der Reling auf dem Vorschiff zu stehen, auf das offene Meer zu schauen, den Wellen und dem Wind zuzuhören oder den Matrosen beim Kampf gegen die Witterung und die drohende Korrosion durch das aggressive Salz zuzusehen. Pausenlos wird irgendwo gepinselt.

Wenn es schon Programm gibt, dann aber ordentlich. Mastklettern ist am Nachmittag auf hoher See angesagt. 20 Meter auf die erste Plattform! Insgesamt ist der Hauptmast 63 Meter hoch, doch das wäre für die Passagiere zu gefährlich. Zuerst gehen die Kinder, mit einem Gurt gesichert, die Strickleiter hoch. Danach finden auch ein paar mutige Erwachsene auf den Weg in den Ausguck. Die Vogelperspektive hinterlässt einen atemberaubenden Ausblick und auch ein ebensolches Gefühl im Magen.

Im Hafen von St. Tropez kann nicht direkt angelegt werden: Er ist schlicht zu klein für die gewaltige Yacht, und so parkt die Star Flyer weiter draußen. Mit Beibooten wird zum Landausflug ausgerückt. Rechtzeitig zum Abendessen sind aber wieder alle Passagiere an Bord, schließlich will niemand auf die gewohnten Annehmlichkeiten verzichten.

Während die Passagiere am nächsten Morgen in Monaco endgültig von Bord gehen müssen, überwacht Dominique Rollin mit strengem Blick die Handgriffe seiner Mannschaft. Diesmal aber an die Reling gelehnt - und selbstverständlich lässig. (Martin Grabner/DER STANDARD/Rondo/20.05.2011)

  • Die Star Flyer ist ein TV-Serien-erprobter Viermaster der Luxusklasse
 und sorgt auf 115 Metern für jene Art von gepflegtem Müßiggang, der 
sich nicht zuletzt durch fortwährenden Appetit äußert.
    foto: starclippers

    Die Star Flyer ist ein TV-Serien-erprobter Viermaster der Luxusklasse und sorgt auf 115 Metern für jene Art von gepflegtem Müßiggang, der sich nicht zuletzt durch fortwährenden Appetit äußert.

  • Segelkreuzfahrten der Starclipper-Gruppe sind unter www.starclippers.com zu buchen. 
Etwa 3. 9. bis 10. 9. 2011: Frankreich-Korsika-Sardinien-Italien mit 
Start und Ziel in Monaco inklusive Flug mit Flyniki Wien-Nizza-Wien. 
Sieben Nächte Kreuzfahrt, Vollpension.
Veranstalter: Papageno Touristik, Mc 
Cruise
    grafik: der standard

    Segelkreuzfahrten der Starclipper-Gruppe sind unter www.starclippers.com zu buchen. Etwa 3. 9. bis 10. 9. 2011: Frankreich-Korsika-Sardinien-Italien mit Start und Ziel in Monaco inklusive Flug mit Flyniki Wien-Nizza-Wien. Sieben Nächte Kreuzfahrt, Vollpension.

    Veranstalter: Papageno Touristik, Mc Cruise

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