Klaus Kamolz, kulinarischer Profil-Chronist, hat ein Kochbuch herausgebracht
Es gehört schon Chuzpe dazu, in einem durchaus stolzen Magazin wie dem Profil Woche für Woche Speisenfotos von einer Qualität abzudrucken, für deren Verdauung der Leser doch recht unerschrockenen Hunger benötigt.
Klaus Kamolz, der kulinarische Chronist des Blattes ("Eatdrink"), hat Chuzpe - ansonsten würde er jetzt nicht auch noch ein Kochbuch herausbringen, welches ausschließlich und durchaus opulent mit ebendiesen (und noch weiteren, bisher gnadenhalber unveröffentlichten) Schnappschüssen illustriert ist. Das Erstaunliche daran: Das Buch macht dennoch Appetit.
Kamolz' leichtfüßiger Stil, sein enormes und nicht zuletzt geografisch weitverzweigtes kulinarisches Wissen und die schiere Lust am Ausprobieren wirken ansteckend auf den Leser.
Kamolz erzählt Geschichten, die stets ein Gericht zum Thema haben - und das wird dann auch verkocht. Das kann die Pasta der Mamma von Martin Scorsese sein, die mit Ingwer und Sechuanpfeffer aufgemotzte Forelle eines in Wien gestrandeten Wenzhou-Chinesen oder, ebenso faszinierend wie abwegig, eine Art Crème brûlée vom kärntnerischen Osterschinken. Der Mann kocht eben ungleich besser als er knipst und ist mit Herz bei der Sache. Letzteres wird übrigens im Wok gerührt. (Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.05.2011)