GNOMEOS: Vom Desktop zum Betriebssystem?

20. Mai 2011, 10:52
82 Postings

Stärkere Fokus auf ausgewählte Komponenten und Systeme vorgeschlagen - Diskussion über weitere Ausrichtung

Die "schönsten" Flamewars beginnen üblicherweise aus einer Seitendiskussion zu einem eigentlich vollkommen anderen Thema, so auch aktuell auf der Entwicklungsliste des GNOME-Projekts. Aus einer Diskussion über die Absegnung des Boot-Systems Systemd als offizielle Abhängigkeit, ist nun ein grundlegender Streit über die weitere Ausrichtung des Projekts entbrannt.

GNOMEOS

Der Hintergrund: Einzelnen EntwicklerInnen des Projekts schwebt eine stärkere Konzentration der Bemühungen des Projekts vor. Statt eine Unzahl von verschiedenen Komponenten und Betriebssystemvarianten zu unterstützen, sollte man sich lieber auf gezielt ausgewählte Bestandteile festlegen - und daraus in Folge ein Linux-basiertes GNOMEOS entstehen lassen. Entsprechende Ideen kursieren in der Community schon seit einigen Monaten, wie auch an dieser Stelle schon mehrmals berichtet wurde. Treibende Kraft ist hier nicht zuletzt Jon McCann, der auch maßgeblich für die Koordination der GNOME3-Entwicklung zuständig zeichnete.

Linux-only

Die inhaltliche Überleitung zwischen Systemd und GNOMEOS besteht darin, dass Systemd derzeit nur für Linux verfügbar ist, mit einer fixen Abhängigkeit würde man also anderen Betriebssystemen wie FreeBSD oder Solaris das Leben etwas schwerer machen. Dies auch, da Systemd-Entwickler Lennart Poettering signalisiert, zwar nichts gegen eine Portierung des Boot-Systems auf andere Plattformen zu haben, diese aber nicht in den Hauptentwicklungszweig von Systemd aufnehmen will, um den Code möglichst schlank und übersichtlich zu halten.

Abwägungen

Zudem ist man auch bei Canonical von Systemd bisher nicht sonderlich überzeugt, nicht zuletzt da man in diesem Bereich mit Upstart eine Ubuntu-eigene Lösung hat. McCann argumentiert hier nun, dass man nicht ewig auf alle Eventualitäten Rücksicht nehmen könne, aus der gezielten Auswahl einzelner Komponenten würde letztendlich eine bessere User Experience resultieren.

Ablehnung

Dem stimmen andere GNOME-EntwicklerInnen nur teilweise - oder auch gar nicht - zu. So betonen einige im Verlauf der Diskussion, dass gerade die Platfformunabhängigkeit eine der Stärken des freien Desktops sei. Im Endeffekt geht es aber wohl auch ein stückweit um die Frage, wie offen oder verschlossen man sich gegenüber anderen Plattformen gibt - immerhin ist der Source Code ja ohnehin offen verfügbar und kann entsprechend auch von Dritten portiert werden.

Nutzen

Bei GNOME soll Systemd vorerst vor allem zur Integration mit System-Services zur Zeit- und Spracheinstellung genutzt werden. In weiterer Folge soll es aber auch zum Start der GNOME Session selbst genutzt werden, nicht zuletzt, um den Login weiter zu beschleunigen und besser administrierbar zu machen. (apo, derStandard.at, 20.05.11)

  • Kommt nach GNOME3 das GNOMEOS?
    screenshot: andreas proschofsky

    Kommt nach GNOME3 das GNOMEOS?

Share if you care.