Journalistin klagt nicht

Strauss-Kahn: Enthaftung verzögert sich

20. Mai 2011, 20:02
  • Artikelbild
    foto: ap/drew

    Der zurückgetretene IWF-Boss darf laut Gericht auf Kaution das Gefängnis verlassen, wird in New York aber auf Schritt und Tritt überwacht - auf seine Kosten.

US-Justiz will nun auch frühere Vorwürfe gegen Ex-IWF-Chef prüfen - Französische Autorin verzichtet auf Anklage

Die vorübergehende Haftentlassung des wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn verzögert sich. Die millionenschwere Kaution (1 Million Dollar in bar, fünf Millionen Dollar in Form von Bankbürgschaften) sei zwar bereits hinterlegt worden, gab das zuständige New Yorker Gericht am Freitagabend (MESZ) bekannt. Es gebe aber noch Probleme mit den weiteren Kautions-Auflagen, etwa den Vorrichtungen zur elektronischen Rund-um-die-Uhr-Überwachung des 62-jährigen Franzosen.

Widerstand an der Upper East Side

Hintergrund könnte sein, dass sich ein Mieter jenes noblen Apartmentgebäudes in der Upper East Side, in das Strauss-Kahn nach der Haftentlassung einziehen soll, offenbar dagegen querlegt.  Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclair hat eine Wohnung im "Bristol Plaza" gemietet, wo der Franzose unter ständiger Überwachung bis zu seinem Prozess wohnen sollte. "Jemand Wichtiges" in dem Gebäude habe dagegen aber Einspruch erhoben, heißt es in Medienberichten.

Nach den ursprünglichen Plänen sollte "DSK" noch am Freitag seine Einzelzelle auf der Gefängnisinsel Rikers Island gegen das Appartement in Manhattan tauschen. "Es ist eine große Erleichterung für seine Familie, ihn um sich zu haben", sagte Verteidiger Bill Taylor nach dem Gerichtstermin am Donnerstagabend (MESZ).

Zuvor war Straus-Kahn offiziell angeklagt worden. Die Grand Jury bestätigte alle Vorwürfe gegen den französischen Spitzenpolitiker, ihm werden sechs Straftaten zur Last gelegt. Weil er bei der schwersten - "sexuelle Belästigung in einem besonders schweren Fall" - gleich zweimal angeklagt ist, sieht er sich sieben Punkten gegenüber.

Laut Anklageschrift soll Strauss-Kahn am Samstag die Tür seines Hotelzimmers in New York zugeschlagen haben, als das Zimmermädchen zum Aufräumen eingetreten war. "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers."

Wegen dieses zweimaligen angeblichen Kontakts wirft die Staatsanwaltschaft dem 62-Jährigen die doppelte "sexuelle Belästigung ersten Grades" vor. Dafür allein drohen jeweils 25 Jahre Haft. Hinzu kommt "versuchte Vergewaltigung ersten Grades", dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. "Sexueller Missbrauch" steht zweimal in der Anklage, das wird ersten Grades mit sieben Jahren, dritten Grades mit drei Monaten Haft geahndet. Das Schließen der Tür, um die Frau am Weglaufen zu hindern, wird zudem als Freiheitsberaubung gewertet. Dafür drohen Strauss-Kahn ein Jahr Gefängnis, ebenso wie für "unsittliches Berühren", ein weiterer Anklagepunkt.

Auch frühere Vorwürfe im Fokus

Die US-Justiz untersucht zudem auch frühere Vorwürfe gegen Strauss-Kahn. Die Ermittler prüfen den Fall der ehemaligen IWF-Mitarbeiterin Piroska Nagy von 2008 sowie Anschuldigungen der französischen Autorin Tristane Banon aus dem Jahr 2002, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Justizkreisen erfuhr. Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung seien für den aktuellen Fall insofern von Bedeutung, als sie Aufschluss über die Persönlichkeit und den Hintergrund von Strauss-Kahn geben.

Strauss-Kahn hatte mit der IWF-Mitarbeiterin Nagy vor drei Jahren eine kurze Affäre. Die Volkswirtin warf ihm anschließend vor, seine Position missbraucht zu haben, um sich ihr anzunähern und sie unter Druck zu setzen. Strauss-Kahn wies die Vorwürfe zurück.

Französin verzichtet auf Klage

Im Falle Banons soll Strauss-Kahn die damals 22-jährige Autorin während eines Interviews sexuell bedrängt haben. Bisher hatte die Französin von einer Anzeige abgesehen. Am Montag erklärte ihr Anwalt aber, seine Mandantin erwäge, dies nun nachzuholen.

Wie am Freitagabend bekannt wurde, dürfte Strauss-Kahn zumindest diese Klage aber nun erspart bleiben. Laut ihrem Anwalt David Koubb änderte sie ihre Meinung, sie wolle auf keinen Fall von der amerikanischen Justiz instrumentalisiert werden, sagte der Anwalt am Freitag dem Sender BFM TV.

Zwei Reisepässe abgegeben

Für die Zeit nach Strauss-Kahns Enthaftung ist geplant, dass eine Sicherheitsfirma jeden seiner Schritte rund um die Uhr überwacht. Alle Reisedokumente - Strauss-Kahn hat zwei Reisepässe - werden einbehalten. Der Franzose darf die Wohnung nur in Begleitung eines Sicherheitsbeamten verlassen und muss eine Fußfessel tragen. Der Richter machte deutlich, dass der 62-Jährige beim geringsten Verstoß wieder ins Gefängnis wandere. Die Kosten für die Überwachung, geschätzte 200.000 Dollar im Monat, muss Strauss-Kahn auch selbst tragen.

Neuer Verhaltenskodex

Der IWF hat unterdessen neue Verhaltensregeln für seine Mitarbeiter veröffentlicht, die unter anderem intime Beziehungen zwischen IWF-Angestellten und den Umgang mit Fällen sexueller Belästigung regeln. Der neue Kodex sei bereits am 6. Mai nach zwei Jahre langen Beratungen beschlossen worden, teilte der IWF mit. (APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 527
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Warentester
11
20.5.2011, 22:13

"Laut ihrem Anwalt David Koubb änderte sie ihre Meinung, sie wolle auf keinen Fall von der amerikanischen Justiz instrumentalisiert werden, sagte der Anwalt am Freitag dem Sender BFM TV."

Ich liebe die Franzosen. Gebt der Frau einen Orden.

Enrico
01
21.5.2011, 23:48
... bei dem nationalen Pro-Kahn Reflex der Franzosen hat sie vielleicht gefürchtet, im eigen Land verfolgt zu werden oder hat schon böse Drohungen erhalten.

Herr Kahn hat so oder so einen festen Denkzettel bekommen, und es ist gut, dass die Einhaltung der Gesetze mit dem gleichen Ernst auch von hochgestellten Persönlichkeiten eingefordert wird. Eine schaurige Illustration von Alfred Kubin zu Vergewaltigung >> http://tinyurl.com/KubinVergewaltigung

onlooker
01
20.5.2011, 22:01
eine interessante variant kommt von greg palast ein investigativer reporter,

er arbeitet unter anderem für BBC,
"palast@gregpalast.net" es ist auf englisch, aber wert jede zeile

onlooker
21
20.5.2011, 23:10
wenn gregs vermutung stimmt, dann könnte ich mir ein ganz anderes motiv vorstellen,

hass ist oft ein motivator, und nachdem DSK guinea ruiniert hat? who knows

Chien de Pique
01
20.5.2011, 23:49

Das klingt, gemessen an div. anderen Deutungen, noch vergleichsweise plausibel. Nur halte ich es nach allen Beschreibungen tatsächlich für mehr als glaubhaft, dass die Frau keine Ahnung hatte, wer der Typ denn war, ja das Gegenteil für unwahrscheinlich. Sie könnte es allerdings nachträglich erfahren und einen einvernehmlichen Kontakt dann zu nationalen Rachezwecken umgedeutet haben, aber das passt nicht unbedingt zu den Beschreibungen des folgenden Geschehens.

Die Theorie könnte auch daran scheitern, dass die Frau nach manchen Angaben schon etliche Jahre früher als 2002 in die USA kam, die negativen Entwicklungen für Guinea durch die Schuld des IWF also wohl kaum mehr direkt mitbekommen hätte.

onlooker
00
21.5.2011, 09:22
laden sie sich doch das newsletter von greg palast herunter,

"http://www.gregpalast.com/strauss-k... ws.africa"
der selbe link wird auch von FS3 angeführt, sollten mit meinem link ein problem haben, probieren sie seinen link, MFG

Chien de Pique
00
21.5.2011, 14:05

Danke, das habe ich schon gelesen. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge kann ich nicht beurteilen.

F S 3
12
20.5.2011, 22:31
Hier finden sie Gregs Geschichte - eine interessante Hgr.-Analyse…



http://www.gregpalast.com/strauss-k... ews-africa

…wie auch die ergänzenden Infos aus dem entsprechenden FS3-Thread, mit der letzten Sendung HIER:

http://derstandard.at/plink/130... 8/21273281

…und dem ersten Beitrag dazu HIER:
http://derstandard.at/plink/130... 9/21196511

dünneseis
00
20.5.2011, 22:08
was ist denn das für link? wenn schon eine e-mailadresse. auch unter gregpalast.net ist nichts zu finden

onlooker
00
20.5.2011, 23:12
der link über ihnen (FS3) hat die richtige adresse

sie brauchen nur zum forum zurück kommen und finden dann den richtigen link, tut mir leid, bin noch etwas patschert, MFG,

Killbill2
00
20.5.2011, 21:32
Kahn ...

... ist das nicht der deutsche goal keeper, dem Samen in der Besenkammer eines Hotels geraubt wurde?

Personifizierte Unscheinbarkeit
00
21.5.2011, 01:09

Nein, Sie meinen Doris Pecker.

Hepkat
01
20.5.2011, 20:46

"Die US-Justiz untersucht zudem auch frühere Vorwürfe gegen Strauss-Kahn."

Dieser Fall hat gar nichts mit den USA zu tun! Es handelt sich um die Justiz des Staats NY. Meines Wissens hat er keinerlei Schwierigkeiten mit den US-Justiz.

dünneseis
13
20.5.2011, 20:26
hier läuft ja eine pr maschinerie pro strauss-kahn wie pro gaddafi

W_O_L_F_G_A_N_G
03
20.5.2011, 19:40

Mit der Berechnungsmethode dürfte unser Herr Fritzl auf ca. 100000 Jahre Freiheitsstrafe kommen.

Para Dox
01
20.5.2011, 21:08
Jein

er würde z.B. 4x lebenslänglich + 200 Jahre Haft bekommen (bzw. in den USA je nach Staat die Todesstrafe). In den USA kann auch mehrfache lebenslange Haft verhängt werden.

Michael Tfirst
 
00
20.5.2011, 21:05
Brächte dem gegenüber das Vertuschen und Schützen von Missbrauchstätern wenigstens 5000 Jahre? Es wäre wünschenswert.

Ich habe heute meinen Blog umbenannt (siehe Headline):

„Hätten wir US Recht, wäre Vertuscher Kardinal Schönborn hinter Gitter“.

Und der Subtitle lautet:

Dokumentationsarchiv von tausenden sexuellen Missbrauchsfällen der katholischen Kirche.

http://www.michaeltfirst.blogspot.com/

MfG
Michael Tfirst

byzantine
41
20.5.2011, 19:29

eines steht jedenfalls fest: um versuchte vergewaltigung gehts hier definitiv nicht in erster linie!

dünneseis
02
20.5.2011, 20:21
na was ist denn ihr ansatz dazu, aus ihrem posting kann man ja gar nichts ableiten

Personifizierte Unscheinbarkeit
01
21.5.2011, 01:21

Wahrscheinlich hat er die Überschrift falsch aufgefasst und gelesen "Entsaftung verzögert sich".

max notax
14
20.5.2011, 20:20

Richtig erkannt, sondern um: "sexuelle Belästigung in einem besonders schweren Fall" .
An all jene, die hinter jeder Schlechtwetterfront eine Verschwörung der Imperialisten vermuten - DSK wäre dank seiner häufig ausgelebten Neigungen für jeden Geheimdienstchef der ideale Traum-Präsident (ob des IWF oder Frankreichs) gewesen. Schon ein bisserl ein seltsames Verhalten des homo sapiens, dass die größten Ferkeln die meisten Fans haben.

Alter Knacker
21
20.5.2011, 22:10

ich kann ja gar nicht richtig Stellung nehmen dazu, weil ich kann mir das gar nicht vorstellen. Ich bin 68 und ein 62-jähriger ist doch nicht so geil und stürzt sich im eigenen Hotelzimmer auf die nächste wildfremde Person. die bei der Tür herein kommt, ohne sie nach ihrem Namen zu fragen und obwohl sie eine schwarze Hautfarbe hat usw. Das ergibt ja alles keinen Sinn. Die haben das vielleicht alles gemeinsam inszeniert, um die Weltbevölkerung zum Narren zu halten ? Es ist ja das ganze Weltgeschehen ein riesengroßer Blödsinn und man kann sich ja nur mehr von der Außenwelt abkapseln, weil man glaubt ja, man hat es mit lauter Beklopften zu tun.

Chien de Pique
02
20.5.2011, 23:51

Wieso "obwohl"?

onlooker
10
20.5.2011, 23:16
nana, die franzosen sind halt ein anderes kaliber,

es kommt auf die hormone an, und auch auf den partner,

bester Freund der Liebe
11
20.5.2011, 19:24

da funktioniert der Rechtsstaat noch. Alle Achtung.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 527
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.