Europas Bankomat in Washington

Andreas Schnauder, Stefan Brändle, 19. Mai 2011, 19:01

Dominique Strauss-Kahn hat dem IWF eine neue Identität und einen sozialen Touch verpasst. Der Einsatz für Europa sorgt aber nicht nur für Lob

Es war, "als hätte der Papst die Lehren Martin Luthers übernommen", kommentierte der Londoner Kolumnist Samuel Brittan, als Dominique Strauss-Kahn Anfang 2008 beim Weltwirtschaftsforum in Davos dazu aufrief, Milliarden in die Weltwirtschaft einzuschießen, um ihren Crash zu verhindern. Auch der US-Ökonom Larry Summers erklärte staunend: "Es ist das erste Mal, dass ein IWF-Direktor zur Erhöhung der Budgetdefizite aufruft." Doch der Franzose blieb dabei: Vor dem Londoner G-20-Gipfel von 2009 meinte er, der Konsum müsse mit fiskalischen Maßnahmen gestützt werden.

Das neue DSK-Dogma beim IWF wurde erhört: Vor allem westliche Regierungen butterten Milliarden auf ihr karges Haushaltsbrot; auch erhöhten sie den Kreditrahmen des IWF, wie von Strauss-Kahn gewünscht, auf 750 Milliarden Dollar. Orthodoxe Stimmen wie das Wall Street Journal fragten sich schon erschreckt, ob da ein "Linker" am Werk sei. Offiziell ist Strauss-Kahn Mitglied des französischen Parti Socialiste. In seiner Partei gilt er aber als "neoliberal". DSK sah sich in französischen Diskussionsrunden schon vorgehalten, er betreibe beim IWF eine Politik der "sozialen Brutalität" und der "Mithilfe zum Finanzraub". Solche Stimmen hatte einigen Einfluss auf Strauss-Kahns Kurs: Er gab sich in der Folge noch sozialer, um die Chancen für die französischen Präsidentschaftswahlen 2012 zu sichern.

Nach seinem Rücktritt wird er vor allem in Europa mit lobenden Worten verabschiedet. Andernorts werden die Gewichte anders gelegt. "Der IWF ist klar die wichtigste internationale Institution geworden", sagte gestern der US-Ökonom Clin Bradford. Sein früherer Berufskollege, Mohamed El-Erian, fügte an, dass Strauss-Kahn die Rolle des IWF in der Welt deutlich stärkte. Er habe nicht nur die Rekapitalisierung der Organisation über die Bühne gebracht, sondern die Aufsichts- und Kredit-Instrumente reformiert und eine "leichte" Neugewichtung der Stimmrechte zugunsten der aufstrebenden Märkte bewerkstelligt.

Dem britische Volkswirtschafter Simon Ward fiel allerdings auf, dass die reichen Europäer fast ein Drittel der IWF-Hilfen eingestrichen hätten: Griechenland 30 Mrd. Euro, Irland 17,5 und Portugal 26 Milliarden. Es gebe beim IWF "wahrscheinlich Leute, die mit dem Grad der nach Europa vergebenen Mittel nicht einverstanden sind", warnt Ward mit Hinblick auf mit zukünftige Kreditvergabe. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren nord- und südamerikanische, aber vor allem auch asiatische Staaten, dass Strauss-Kahn gegenüber den europäischen Kreditgesuchen zu großzügig gewesen sei. Sie meinen, sie seien bei der Finanzkrise von 1997 vom IWF viel härter behandelt worden.

IWF und Österreich

Das Verhältnis zwischen Österreich und dem IWF unter Strauss-Kahn stellt sich wie ein Zweiteiler dar. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise war es der Währungsfonds, der die Gefahren im von Österreichs Banken dicht besiedelten Osteuropa thematisierte. Der Standard publizierte im Jänner 2009 ein internes Papier des Fonds, in dem vor einem "Kreditschock in der ganzen Region" und einer "Kettenreaktion" gewarnt wurde, sollten sich heimische Banken wegen mangelnder Finanzkraft zurückziehen. Das war die Grundlage für Spekulationen, Österreich drohe der Bankrott.

Alles andere als beruhigend wirkte dann auch noch eine Statistik über die Auslandsschulden osteuropäischer Staaten. "Eingabefehler" und falsche Annahmen ließen den Wert im Verhältnis zu den Währungsreserven und die Nervosität nach oben klettern. Strauss-Kahn entschuldigte sich später für den Fauxpas.

Doch letztendlich hat der Fonds weit weniger Porzellan zerschlagen, als er aufgekehrt hat. Es war der IWF, der vorsorglich eine Stabilisierung einleitete. Der Franzose Strauss-Kahn galt als Motor des hohen Engagements in Osteuropa, das sich in Hilfspaketen von Lettland bis zur Ukraine äußerte. Auch die Koordinierung der Maßnahmen mit anderen Institutionen wie Weltbank, Osteuropabank oder EU gilt als Grund dafür, dass österreichische Banken - und letztlich die Republik - nicht komplett abstürzten. (Andreas Schnauder, Stefan Brändle, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.5.2011)

>der Konsum müsse mit fiskalischen Maßnahmen gestützt werden.<

genau das ist der punkt
wo sich die kapitalistische raubkatze
selber in den eigenen schweif beisst.

roter baron

Sodala,

mal schauen was der Nachfolger für Vorlieben hat, die man ihm beizeiten als Falle aufstellen wird.....

Na ja, er wurde eh beseitigt ...

DSK-Komplott: So tappte der IWF-Chef in die Falle

Operation “Screw DSK”. Die Hinweise auf eine Verschwörung gegen Dominique Strauss-Kahn mehren sich. Der IWF-Chef wurde Opfer seiner eigenen Sex-Sucht. Ihm wurde ein "weiblicher Trojaner" vermittelt. Die perfekte Falle. Anschließend verlief alles nach Drehbuch.

http://www.mmnews.de/index.php... -die-falle

ernsthaft?

Echt cool diese Verschwörungstheorie.

Fact ist, dass selbst französische Abgeordnete nicht gerne allein mit diesem Herrn in einem Zimmer sind.

OE1 berichtete!

es war definitiv nicht sein erster rumpatzer.

Daccord! Mit einer kleiner Ergänzung: Die Frau heißt "Nafi" Diallo und sie öffnete die Tür zum Appartement nicht selbst, sondern ein Zimmerkellner, der gerade das Geschirr abräumte, ließ sie herein…

…und sagte ihr, sie könne das Zimmer aufräumen. Der Rest ist Geschichte.

Mit Analyse vom FS3:
http://derstandard.at/plink/130... 0/21262490

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