Musikalischer "Melting Pot" im Rahmen der Festwochen
Wien - Sie tragen weite Hosen, sind cool, männlich und können besonders
schnell sprechen, meist über Gewalt und die Erniedrigung des anderen
Geschlechts - so das gängige Rapper-Klischee. Dass das nicht stimmt und
HipHop und klassische Musik sich nicht gegenseitig ausschließen, beweist
das Projekt Melting Pot - A Night in a Rocking Mall im Rahmen des
Programmschwerpunktes Into the City der Wiener Festwochen.
Das Radiosymphonieorchester unter der Leitung von Cornelius Meister
zieht für einen Abend in Wiens größte Shopping Mall und verwandelt mit
jungen Künstlern der Street Academy dieses in eine Konzerthalle. "Die
Texte der Wiener Gruppe MA21 sollen Jugendlichen Mut machen", ist im
Programm zu lesen. "Was unsere Musik ausmacht, sind unsere Freunde,
unsere Familien und die Stadt, in der wir leben", sagt MC Simon
Dietersdorfer. Mit dem Gangster-Image will das HipHop-Trio nichts gemein
haben.
Um Wien dreht es sich auch in den Texten der 19-jährigen Rapperin EsRap.
"Es ist nicht einfach, doch ich lasse mich von niemanden aufhalten, nur
weil ich eine Frau bin", sagt die in der HipHop-Szene etablierte junge
Musikerin. Die Rapper werden gemeinsam mit den Beatboxern Fii und SaRa,
der Brakdance-Crew streetlife supreme, DJ Zuzee und Slam Poetry-Artist
Yasmin Hafdeh aufttreten. "Ich möchte körperlich gepackt werden, sei es
durch Kammermusik oder HipHop", so der Komponist des Auftragswerkes
Bernhard Gander. MA21 und EsRap schrieben die Texte und steuerten eigene
Songs bei. Eine Herausforderung für beide Seiten.
"Du hast 20 Geiger hinter dir, die richtig Gas geben, das ist Wahnsinn",
beschreibt Simon Dietersdorfer die ungewohnte Zusammenarbeit mit einem
Orchester. Gefallen fand Gander, der sich selbst als verkappten Rocker
mit klassischen Handwerk bezeichnet, vor allem an der rhythmischen
Sprache des HipHop. "Ich habe von den jungen Leuten mit anderem
musikalischen Background sehr profitiert, denn jeder der Musiker von
Melting Pot ist ein Profi in seinem Gebiet", sagt Gander über seine
Faszination an der Zusammenarbeit.
Für die passenden Visuals sorgt Videokünstlerin Petra Zöpnek. Streicher
statt DJ oder Rappen statt Arienschmettern? Ein Orchester in der
Shopping Mall oder Breakdance im Konzertsaal? Melting Pot!
Die am Freitag einmalige stattfindende Aufführung in der Arena des Donau
Zentrums ist nur der Anfang des Stadtlabors Into the City. In der
Performance Wünsch dir was installieren die Künterlinnen des
ArchitekKollektivs ProstoRoz die Bewohner des Siebenbrunnenplatzes. (11.
bis 18. 6.) Das dritte Projekt, eine Ausstellung vor und im Parlament,
untersucht die Situation der Roma in Europa. (26. 5., 27. 5. bis 8. 6.) (Elisa Weingartner/ DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2011)