Zu wenig Kaufkraft

"Alles andere ist am Absterben"

19. Mai 2011, 18:39
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    foto: urban

    Die Zahl leerer Geschäfte habe sich in fünf Jahren halbiert, sagt die Wirtschaftskammer Wien. In der Märzstraße eher nicht.

Trotz guter Verkehrsanbindung bleiben in der Wiener Märzstraße Kunden aus

Wien - Handyshop, Schuhservice, Damenmodeboutique und Zuckerlgeschäft. In der Märzstraße im Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus haben diese vier Geschäfte eines gemeinsam: Sie sind zugesperrt. Trotz guter Verkehrsanbindung mit einer U-Bahn-Station und mehreren Haltestellen von Straßenbahnen und Bussen. Auch Parkplätze sind in dem Bereich rund um die Schweglerstraße zu finden.

Allein: Die Märzstraße teilt das Schicksal vieler Straßen Wiens. Wenig Kaufkraft in der Umgebung, sich ausdünnender Branchenmix, dadurch auch immer weniger Laufkundschaft. Gabriele Kendl kann dies bestätigen. Seit 1980 betreiben ihr Mann und sie ein Lederwarengeschäft. "Es war damals noch eine richtige Einkaufsstraße, aber dann hat ein Geschäft nach dem anderen zugesperrt." Dass weniger Passanten zufällig zu ihr kommen, sei aber kein Problem für sie. "Wir haben rund 5000 Stammkunden."

"Alles andere ist am Absterben"

"Ich würde mich selbst auf keinen Fall hier ansiedeln", sagt Sassa Khosravipour, die in ihrem Unternehmen Belini Designermöbel und Wohnkonzepte anbietet. Warum sie dann dennoch hier in der Märzstraße ist? "Es ist nur ein Schauraum, das Haus gehört meiner Familie und ich wohne darüber." Ihre Kunden kämen aus reicheren Bezirken. "Es gibt einige gute Lokale und Restaurants hier, aber alles andere ist am Absterben", schildert sie. "Die Bevölkerung ist zwar angestiegen, aber die Menschen haben wenig Geld."

Eine Einschätzung, die die Kaufkraftstudie des Marktforschungsunternehmen GfK bestätigt. Selbst in den Nachbarbezirken Ottakring und Hernals haben die Menschen mehr Geld zur Verfügung. Der Kaufkraftindex pro Einwohner liegt in Rudolfsheim-Fünfhaus bei 87,5 Punkte. Der Österreichschnitt beträgt 100 Punkte, für Wien wird ein Wert von 106,7 Zählern ausgewiesen.

Kaum Branchenmix in siechenden Grätzeln

Dass der 15. Bezirk ein Problemfall ist, gesteht man auch bei der Wirtschaftskammer Wien ein. 50 Läden sind dort derzeit als leerstehend in der Datenbank eingetragen. Tatsächlich sind es wohl deutlich mehr - denn wenn beispielsweise irgendwann das gesamte Haus umgebaut werden soll, kommt auch ein vor Monaten aufgelassenes Geschäft nicht in die Liste. Was für die Passanten keinen Unterschied macht - sie spazieren an leeren Auslagen und heruntergelassenen Rollläden vorbei.

Einig sind sich Wirtschaftskammervertreter und Unternehmerin Khosravipour, dass das Stadtbild verbessert werden muss. Bei der Gemeinde Wien gibt es zwar einen eigenen Fördertopf für Nahversorgungsbetriebe. Manche Branchen können dadurch extra Geld bekommen. 1,36 Millionen Euro wurden im Vorjahr ausgeschüttet. Ob der Branchenmix in siechenden Grätzeln dadurch verbessert wird, scheint fraglich. Denn die meisten Förderungen gingen an Gastronomen, Friseure und Kosmetiker. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
ackoreo
00
15.3.2012, 14:47
Die Alserbachstraße ...

zwischen U4 Friedensbrücke und Franz-Josef-Bahnhof macht trotz vieler Passanten auch einen absterbenden Eindruck.

mosley7
00
30.8.2011, 01:13
15/16.

für mich der schönste teil in wien zu wohnen und leben.<3
die mischung hier hat was und das zusammenleben funktioniert einwandfrei.

Sean Bescher
09
24.5.2011, 01:27
ich muss hier mal kurz eine lanze für den 15. brechen

sicher, der 15. gilt als typischer wäh-bezirk - und genau in das gleiche rohr blasen auch die zahlreichen (standard-)journalistInnen.

nun, bzgl märzstraße: ich bezweifle dass früher die menschen in scharen gekommen sind, um hier shoppen zu gehen. aber immerhin erreicht von der U3 station schweglerstraße binnen von fünf minuten einen spar, billa, penny, dm, bipa, apotheke, trafik, erste bank, bank austria, putzerei, eduscho, kent, ... zu fuß.

auch wenn die märzstraße sicherlich keine blühende flaniermeile ist geht es mir schon auf die nervInnen, dass man - sobald es um den 15. geht - immer nur schlechtes lesen muss.

der bezirk wird unterschätzt :-)

trollvottel
01
29.8.2011, 15:47

... vor allem sind diese Gegenden in Wien noch bezaubernd, malerisch, bildhübsch und wirtschaftlich belebt!

... in Vergleich zu aussterbenden Ruhrpott-Hacklerdörfern (Oberhausen *schauder* nur noch Ein-Euro-Läden, Glücksspielmafia (in Oberhausen/Umgebung betreibt die die echte italienische M. viele Salons und Restaurants, mit Geräten von Novomatic)
... oder im Vergleich mit den derberen Gegenden von Berlin, wo um die Hochhaus-Wohnklos ab 19 Uhr nur noch Glatzen und vietnamesische Zigarettenverkäufer unterwegs sind ... im Vergleich ist Wien schwer okay.

PS Ein weiterer Grund, wieso Einkaufsstraßen aussterben? Shoppingmalls wie Lugnercity und Co. Früher ist man eine Straße rauf und runter, heute fährt man Lift.

Angelika70
01
24.5.2011, 10:01

Sie haben eindeutig den "Bierigen" vergessen, der doch ein ziemlich großes Einzugsgebiet hat. ;-)

Sean Bescher
01
24.5.2011, 13:19
ich weiß ...

... außerdem den hofer ;-)
aber die sind beide nicht *direkt* auf der märzstraße und habe sie deshalb ausgelassen ;-)

dafür sind mir der mann und die kleine, aber feine türkische bäckerei (sonntags geöffnet) auf der märzstr. entfallen ;)

Grillkohle
01
22.8.2011, 16:36
Die Galaxie (Märzstr. 1)

Herrliche bosnische Küche in super-gepflegter Atmosphäre. Bei längerem Verweilen kommt man sich vor wie in einem first-class Lokal im wilden Karst!

BraS
 
15
23.5.2011, 11:24

Na, was für ein Wunder.
Auf der einen Seite saugt die U3 die Kunden ab, um sie direkt in die Mariahilfer Straße zu liefern, auf der anderen Seite steht die Lugner-City.
Wie soll da eine kleine Einkaufsstraße in der Mitte nicht zerrieben werden.

für diese Voraussetzungen ist die Märzstraße allerdings noch erstaunlich lebendig

. g.bac
51
20.5.2011, 23:19
kein vorschlag daraus eine fuzo zu machen?

immerhin fährt dort schon eine strassenbahn, also muss das ja schon zum erfolg führen.

vielleicht haben die grünen den artikel noch nicht gefunden...

Minister für Verwaltungsreformen
10
20.5.2011, 13:25
bei der wirtschaftsfeindlichen politik

ists am besten man sperrt die läden zu und macht garagen draus.

theWatcher14
1612
20.5.2011, 10:41
Weil...

...sich hier (wie in vielen anderen Bezirksteilen) ein Ghetto gebildet hat, verursacht über die Jahre durch eine weitgehend unfähige, abgehobene und intellektuell minderwertige Wiener Stadtregierung.

PS: Ich bin ein Roter!

Gerhard Schwarz6
 
01
25.8.2011, 18:31

Wie definieren Sie "Roter" ?

Frau Trude
99
20.5.2011, 13:34

interessant: wie definieren sie ghetto?

diese gegend ist lebendig, hat viele kleine geschäfte und das zusammenleben aller menschen funktioniert hervorragend.

kommen sie doch einfach mal vorbei und sehen sich die gelebte realität an, bevor sie irgendeinen blödsinn aus krone & co. zitieren.

theWatcher14
23
20.5.2011, 16:43
Ich kenne.....

...die Gegend sehr gut, ich bin da aufgewachsen.

trollvottel
12
29.8.2011, 15:51

Du bist also ein alternder Rassist, der keine Türken mag und den weniger wohlhabenden davon unterstellt, ein Ghetto zu bilden.

Das Altern macht schwermütig, man wünscht sich die Jugend zurück und all den Liebesstress, die Glückshormone, das Rundherum. Da ist dann alles böse, was sich geändert hat, und sei's eine Würstelbude, die noch Salat und Knoblauchjoghurt ins Fleischsemmerl gibt und das Döner nennt.

Ich hab übrigens am Brunnenmarkt gewohnt -- und lache jeden schallend aus, der 15./16. als "Ghetto" bezeichnet. Wer sowas sagt, ist ein Provinzkasperl ohne jede Ahnung, wie es in den ärmeren Vierteln anderer Großstädte rund geht, ein Opfer der Verhetzung durch FPÖ & Krone.

Herr Wenzel
02
29.7.2011, 17:47
... und wir ...

... leben immer noch da!

John Doe 1881
314
20.5.2011, 15:31
Realität

Die vielen kleine Geschäfte bestehen aus Handyshops, Wettlokalen, anatolischen Greislern, Kebap Buden, Schuh/Schlüssel Buden, 1cent shops, Bäckereien udgl. - sprich es sind die typischen ÖmMhg (Österreicher mit Migrationshintergrund) Gschäftln die nur deshalb überleben können weil die ganze Familie darinnen arbeiten und sämtliche Freunde und Bekannte dort einkaufen. Alle anderen Geschäfte gehen zu Grunde weil die Menschen dieser Gegenden einfach keine Kaufkraft haben (siehe Artikel) - so isses - wohne 14/15! Aber laut Aussage vom weissen Gspritzen hat Wien kein Ghettoproblem.

trollvottel
10
29.8.2011, 15:53

Aha. Ist jede Gegend, wo die Geschäfte billiger sind und die Leute weniger verdienen und wo viele Unternehmensgründer sich und ihre Familie rigoros ausbeuten, automatisch ein "Ghetto"? Mach dich nicht lächerlich.

Dani Düsentrieb
 
42
23.5.2011, 11:20
wenn mit

weißen gespritzen der häuptl gemeint ist - der hat doch von nix eine ahnung - außer wie man täglich 5000 kcal in sich stopft.
ein wunder, dass der hals den kopf noch nicht verdrängt hat.

no_milk_today
08
20.5.2011, 04:32

Selbst in den Nachbarbezirken Ottakring und Hernals haben die Menschen mehr Geld zur Verfügung.

---

ah, das erklärt dann das hohe aufkommen an wettlokalen und vertretern des kleinen glücksspiels in der gesamten hernalser hauptstraße ebenso wie in der thaliastraße. der hernalser spitz oder wie die ecke da unten zwischen gürtel und elterleinplatz heißt, erscheint mehr wie ein trauerspiel als wie eine florierende einkaufsstraße.

trollvottel
00
29.8.2011, 15:55

Das an sich nette Flair des Brunnenmarktes wird auch durch einige Novomatic-Wettlokale zerstört, die den dortigen Cafes mit traditionellen Brettspielen systematisch das Wasser abgraben.

Vor dem Novomaticbeisl hab ich mehrmals Männer gesehen, die an die Wand gelehnt leise heulten und sich murmelnd selbst beschimpften; zur Obdachlosenbetreuung sind es nur ein paar Dutzend Schritte.

Modjo
05

Hernals und Ottakring verfügen am Stadtrand über sehr wohlhabende Villenviertel. Natürlich kommt da statistisch gesehen ein höherer Wohlstand heraus, als beim reinen Arbeiterbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus.

Die gürtelnahen Gegenden des 16. und 17. Bezirks unterscheiden sich kaum vom 15. Bezirk.

academius
285
19.5.2011, 22:57

Sozialistische Misswirtschaft und grüne Raumordnung - hier bitte, hier ist das Resultat.

So etwas gibt es in den ÖVP-geführten Ländern nicht. Hier herrscht noch eine gesunde Wirtschaft, durch fleißige Menschen geschaffen.

Hier der Kontrast:
http://derstandard.at/130455236... -Kaufkraft

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
00
29.8.2011, 17:01

siehe das besonders tolle angebot an arbeitsplätzen in grenznahen gebieten und in bergtälern. vom freizeitangebot gar nicht zu reden! nur verblendete ziehen in größere landeshauptstädte.
</ironie>

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