Rochade in Bulgarien

Premier entlässt Verteidigungsminister und 15 weitere Spitzenfunktionäre

19. Mai 2011, 14:48

Medien vermuten Streit über AKW-Bauprojekt - Verkehrsminister wurden Bahn-Schulden zum Verhängnis

Paukenschlag in der bulgarischen Regierung: Ministerpräsident Bojko Borissow hat am gestrigen Mittwoch 16 Spitzenfunktionäre abgelöst, darunter Verkehrsminister Alexander Zwetkow, den stellvertretenden Energie- und Wirtschaftsminister Marij Kossew und die Vorsitzenden mehrere wichtiger Behörden. Ihre Jobs verloren unter anderem die Chefin der Pensionsversicherung, Christina Mitrewa, die Vorsitzenden des Partenamts und der Behörde zur Hochschulakkreditierung sowie die gesamte Führung der Verkehrspolizei in der Hauptstadt Sofia.

In den meisten Fällen handelte es sich um Rücktritte, einige der Spitzenbeamte wurden pensioniert. Die parteilosen Regierungsmitglieder Zwetkow und Kossew hatten in der Parlamentsfraktion von Borissows GERB (Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens) nur wenig Rückhalt. Ihnen folgen GERB-Politiker nach: Neuer Transportminister ist Iwajlo Moskowski, Vize-Wirtschaftsminister wird Deljan Dobrev.
Zwetkow wurden Medienberichten zufolge die hohen Schulden der bulgarischen Staatsbahn zum Verhängnis. Die Entlassung Kossews wirft mehr Fragen auf. Er dementierte ursprüngliche Berichte, wonach er freiwillig zurückgetreten sei. Kossew war für die Verhandlungen mit Russland über Gaslieferungen und den Bau eines zweiten AKW in Belene verantwortlich. Offenbar sah er das AKW-Projekt kritisch. Sein Nachfolger ist ein junger Parteikader, der gelernter Buchhalter ist und keine Erfahrungen im Energiesektor mit sich bringt, schreibt die Zeitung „Sega".

Die Chefin des Pensionsfonds, Mitrewa, war von Borissow schon vor einer Woche öffentlich zum Rücktritt aufgefordert worden. Die Zeitungen „Trud" und „24 Stunden" (24 Tschassa) betrachten sie als „Sündenbock", der angesichts der zunehmenden Unzufriedenheit unter den Pensionisten geopfert werde. Mitrewa beklagte, dass die Regierungspartei sie dazu genötigt habe, GERB-Leute anzustellen. Borissow bezeichnete diese Aussage verärgert als „Frechheit". Ansonsten gab sich der Regierungschef ungewöhnlich wortkarg zu den umfangreichen personellen Weichenstellungen. Er sagte lediglich, noch Rochaden im Landwirtschaftsministerium zu planen. (APA)

michikklas
00
19.5.2011, 16:36

Wurde jetzt der Verteidigungsminister oder der Verkehrsminister entlassen?

Johannes Oetztaler
01
19.5.2011, 22:53

ist eh wurscht, sie gehören alle der gleichen partei an:
raff - gier - und - nimm

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.