Österreicher sind keine "Pillen-Schlucker"

19. Mai 2011, 16:54
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Zumindest im Europa-Vergleich - Arzneimittelaufwendungen unterdurchschnittlich - Daten aus Studie im Auftrag der Apothekerkammer

Wien - Die Österreicher nehmen im Europa-Vergleich mit den alten EU15-Staaten und der Schweiz relativ wenig an Arzneimittel ein. Die Aufwendungen für Medikamente sind ebenfalls unterdurchschnittlich. Das hat ein Studie des Instituts für Pharmaökonomische Forschung ergeben, die im Auftrag der Österreichischen Apothekerkammer erstellt und am Donnerstag in Wien präsentiert wurde. Die Daten kamen im Vorlauf zum Österreichischen Apothekertag, der vom 26. bis 29. Mai in Graz stattfindet. 

"In Österreich wurden im Jahr 2009 rund 30,3 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben. Die Gesundheitskosten steigen an, aber auch das Bruttoinlandsprodukt steigt. Wir haben nicht, was wir oft hören, eine 'Kostenexplosion' im Gesundheitswesen. 13 Prozent der Gesamtausgaben für Gesundheit entfallen auf die Arzneimittel", sagte Studienleiterin Evelyn Walter.

Weiter unter dem Durchschnitt

Verglichen wurden mit den Daten des Jahres 2010 die Apothekenmärkte in den 16 etwa vergleichbaren Staaten. Sehr weit unter dem Durchschnitt liegen die Österreicher beim Arzneimittelkonsum: Das waren im Durchschnitt 1.010,2 Einzeldosen im vergangenen Jahr pro Kopf. Spitzenreiter war Frankreich mit 1.452,04 Einzeldosen (Tablette, sonstige Dosis), gefolgt von Großbritannien mit 1.274,91 Dosen. Der Durchschnitt in den verglichenen Ländern lag bei 1.096,29 "Standard-Dosen" an Arzneimitteln. Am Ende der Liste waren die Niederlande mit 674,32, was aber wahrscheinlich auf andere Abgabemodalitäten für Medikamente zurückzuführen ist. Bei verbrauchten Arzneimittelpackungen lag Österreich mit 25,04 pro Einwohner im Jahr 2010 praktisch am Europa-Durchschnitt (25,23 Packungen). 

Auch bei den Arzneimittelpreisen liegt Österreich laut der Untersuchung deutlich unter dem Schnitt. Evelyn Walter: "Der heimische Apothekenverkaufspreis (Privat- und Kassenverkauf, Anm.) pro Packung positioniert sich mit 16,62 Euro im Jahr 2010 im europäischen Vergleich (18,95 Euro) unterdurchschnittlich." Absolut seien die Durchschnittspreise wegen der Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente im Vergleich zum Jahr 2006 (damals: 17,24 Euro pro Packung) sogar gesunken. 

Während der Anteil der Apothekenleistung am Apothekenabgabepreis im europäischen Vergleich durchschnittlich ist, so die Studie, sind die Arzneimittelausgaben in Österreich pro Person und Jahr (2010) unterdurchschnittlich: Es waren 416,13 Euro (Europa-Durchschnitt: 437,28 Euro). An der Spitze lag Dänemark mit pro Kopf 589,43 Euro, am Ende Großbritannien mit 227,72 Euro.

Stagnierender Gesamtumsatz

Anlässlich des Österreichischen Apothekertages werden auch die neuen Wirtschaftsdaten der Apotheker präsentiert. Im vergangenen Jahr erzielten die 1.276 öffentlichen Apotheken einen Gesamtumsatz von 3,167 Milliarden Euro, was nur knapp über den 3,113 Milliarden Euro im Jahr 2009 lag. Apothekerkammer-Vizepräsident Leopold Schmudermaier: "Die Median-Apotheke, also die 'Durchschnittsapotheke', kam demzufolge im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 2,409 Millionen Euro. Im Jahr 2009 waren es 2,378 Millionen Euro." Die geringe Umsatzsteigerung von 1,3 Prozent sei auf die Kostendämpfungsmaßnahmen der Krankenkassen zurückzuführen. Immerhin macht der Umsatz mit auf Kassenrezept verschriebenen Arzneimitteln 70 Prozent vom Gesamtumsatz aus. (APA)

  • Die Österreicher liegen  im europäischen Vergleich beim 
Arzneimittelkonsum weit unter dem Durchschnitt
    foto: frank may

    Die Österreicher liegen im europäischen Vergleich beim Arzneimittelkonsum weit unter dem Durchschnitt

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