Die Gefahr der Alpha-Männchen

Eric Frey, 18. Mai 2011, 18:22

Hinter den sexuellen Vorwürfen gegen mächtige Männer steht ein Wertewandel

Erfolgreiche Politiker und Manager gelten meist als tatkräftig, entscheidungsfreudig und mit einem Schuss Egozentrik ausgestattet. Und auch die Kunst der Verführung gehört häufig zum Repertoire starker Führungspersönlichkeiten.

Diese Eigenschaften eines Alpha-Männchen sind allerdings im Umgang mit dem anderen Geschlecht eine akute Gefahrenquelle - vor allem in einer Zeit, in der Macho-Gehabe und aggressive sexuelle Avancen immer weniger toleriert werden. Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger, Silvio Berlusconi, Dominique Strauss-Kahn oder der wegen Vergewaltigung verurteilte israelische Ex-Präsident Moshe Katzav sind allesamt Einzelfälle, aber auch Teil eines Musters. Es sind mächtige Männer, die sich gerne das nehmen, was sie wollen - und dabei auch Abhängigkeiten ausnützen. Aber sobald sie gewisse Grenzen überschreiten oder auch nur an die - aus ihrer Sicht - falsche Frau geraten, finden sie sich inmitten eines Skandals oder gar in Untersuchungshaft wieder.

Sexuelle Eskapaden und Übergriffe sind in den USA schon lange ein Karrierekiller - und zunehmend auch in Europa. Wenn Männer so handeln, gefährden sie nicht nur die Frauen in ihrer Umgebung, sondern auch sich selbst, ihre Familien und die Institutionen, für die sie arbeiten - selbst wenn sie kein Gesetz gebrochen haben. US-Konzerne wie Boeing und Hewlett-Packard haben wegen Sexaffären erfolgreiche Chefs verloren, und für den IWF ist Strauss-Kahns Verhaftung ein Albtraum. Selbst Wikileaks hat durch das mutmaßliche Fehlverhalten ihres Gründers Julian Assange einen schweren Rückschlag erlitten.

Dahinter steht ein grundlegender Wertewandel, der vor 30 Jahren eingesetzt und sich seither noch beschleunigt hat. Wäre John F. Kennedy heute in der Politik, dann wäre er nicht nur über Sexaffären gestolpert, sondern möglicherweise auch von einer seiner Sexpartnerinnen der Vergewaltigung bezichtigt worden. Selbst Unternehmen erkennen sexuelle Beziehungen zwischen Chefs und ihren Untergebenen zunehmend als Problem.

Früher mussten sich Männer nicht entscheiden, ob sie Frauenheld oder Erfolgsmensch sein wollten. Wer sich jedoch heute in beiden Bereichen von seinem Testosteron treiben lässt, droht abzustürzen. Gerade Männer über 60, die noch in der alten Zeit aufgewachsen sind, tun sich mit diesem Wandel schwer. Aber selbst eine Gesprächskultur mit anzüglichen Witzen und zotigen Bemerkungen, die auch jüngere Jahrgänge pflegen, führt schnell in die Bredouille. Das musste ÖVP-Mandatar Wolfgang Großruck gerade mit seinem dumpfen Strauss-Kahn-Reim erleben.

Bei der Suche nach Führungskräften in der Wirtschaft und der Politik wird daher wohl verstärkt auf Charakter und Privatleben geschaut werden. Ging es früher darum, ob ein Mann eine nach außen solide Ehe führt, werden heute Scheidungen genauso akzeptiert wie Singledasein und Homosexualität. Aber die Frage, wie ein Mensch mit seinen Partnern umgeht, wird zunehmend zum Kriterium für jede Spitzenjobbesetzung werden.

Das öffnet die Tür für mehr Frauen, die in dieser Hinsicht weniger Risiko darstellen. Und es schafft mehr Chancen für Männer, die nicht immer nur vorpreschen, sondern auch abwägen. Wenn man den Schaden bedenkt, den etwa die hormongetränkte Risikokultur in vielen Banken vor der Finanzkrise angerichtet hat, wäre das keine so schlechte Entwicklung. (Eric Frey, STANDARD-Printausgabe, 19.5.2011)

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down under in vienna
00
21.5.2011, 21:32
differenzierterer kommentar ...

... es ist beruhigend zu lesen, dass es im umkreis des standard wesentlich differenziertere kommentare als jenen von herrn frey gibt - http://diestandard.at/130455213... alen-Sumpf - man möchte ja nicht glauben, dass dieser vermischung von hormontheorien mit verharmlosung von straftaten so viel platz eingeräumt wird.

carlito_brigante
00
20.5.2011, 12:27
augenaufschlag-theorie

aber vergessen wurde auf die tatsache, dass es durchaus auch frauen gibt, welche erotik als aufstiegshilfe einsetzen z.b. mittels der sogenannten "augenaufschlag-strategie" was ähnliche risiken zur folgen haben kann.
dazu ein guter artikel aus der zeit:
http://www.zeit.de/online/20... -als-spiel

Aguirre74
 
00
20.5.2011, 07:42

Das Foto erinnert frappant an einen Schimpansen. Obwohl ein Schimpanse vermutlich weniger Verlust eingefahren hätte.

wakeup
20
19.5.2011, 19:19
herr frey sie irren sich..

es ist die ohnmacht, die männer zu derartigen "handlungen" gegenüber frauen treibt.

noirc80
00
19.5.2011, 19:32

welche ohnmacht? ob mächtig oder ohnmächtig, es ist unrecht, was diese männer treiben.

Aguirre74
 
00
19.5.2011, 21:53

Was ist schlimm daran, wenn sich der Clinton im oval office verwöhnen lässt? Sind wir jetzt schon puritanischer als die Puritaner?

edgar franz
00
20.5.2011, 03:44

nichts ist schlimm daran ... nur bloed, wenn sich ein puritaner dabei erwischen lässt.

und es ist dumm, nur weil er gerade mal gusto hat, sich die abendessen generell zu versauen.

deshalb, vorher denken, nachher handeln

Aguirre74
 
00
20.5.2011, 07:40

Von mir aus kann er machen, was er will, solangs im Rahmen der Gesetze bleibt. Außer Doppelmoral fällt mir dazu nicht viel ein.

ravenna
00
19.5.2011, 19:30

Quelle dieser Weisheit?

soliton
11
19.5.2011, 18:56
mit vergewaltigugsvorwuerfen unbequeme gegner ausschalten

die wikileaks afaire ist in diesem artikel genauso fehl am platz wie eine 17jaehrige auf berlusconis partys.
ich empoere mich!

josefa maier449
02
19.5.2011, 18:43
Ich glaube, Ihr Artikel, hat bei vielen Männer siehe Postings

einen wunden Punkt getroffen! Sehr interessant, die Reaktionen der Männer!

noirc80
00
19.5.2011, 19:38

seh ich anders, finds erfeulich, wieviele hier anscheinend schon den von eric frey behaupteten wertewandel vollzogen zu haben scheinen:)

Blogger007
02
19.5.2011, 17:38
ich, als ...

... gesunder mann
... am "normalen" ufer stehend
... kein weichei
... nicht immer nur lieb, sondern manchmal auch agressiv
kann trotzdem zu diesen sexuellen übergriffen der mächtigen nur eines sagen...
...übergriffe dieser art sind nur ein zeichen von mangelnder sozialer intelligenz und selbstreflexionsfähigkeit.
...oder einfach nur: PURE BLÖDHEIT...

blosssom
00
20.5.2011, 03:46

ach, james

presumption of innocence
02
19.5.2011, 17:33
Alphatiere denen beim Anblick eines Rocks nicht gleich das Hirn in die Hose rutscht

sind das, was wir an Ethik brauchen.

gripol
01
19.5.2011, 17:31
in Italien hätten sie das zimmermädchen verhaftet

Sebastian Auinger
02
19.5.2011, 17:26

Zitat: "Frauenheld oder Erfolgsmensch."

Also, hier geht es um eine versuchte Vergewaltigung. Unter "Frauenheld" verstehe ich keinen Vergewaltiger.

Toni Laddorfer
02
19.5.2011, 17:15
Sex addiction

Vor gar nicht langer Zeit galt der "Marlborough Cowboy" noch als Inbegriff von Männlichkeit. Dieses Image ist Gottseidank schon etwas angekratzt.

Auch Autofahren nach ein paar Gläsern Whisky gilt in der Zwischenzeit nicht mehr als so cool....

Über ein wildfremdes Zimmermädchen herfallen gehört in dieselbe Kategorie, wird aber von einigen Lesern immer noch nicht als Übel akzeptiert.

All diese Verhaltensweisen haben eins gemeinsam: Das ist der Suchtcharakter

Die Amerikaner beschreiben das Verhalten der Herrn Schwarzenegger, Clinton oder Srauß-Kahn-richtigerweise mit "Sex addiction".

Vielleicht verstehen es einige Zweifler besser wenn sie erfahren ,dass das Opfer von Herrn Strauß-Kahn möglicherweise HIV positiv war......

unangenehm
14
19.5.2011, 17:44
wird hier das opfer zu täterin gemacht?

warum sollte gerade sie hiv positiv sein und nicht dsk selbst, und sie noch zusätzlich dadurch gefährdet haben?
warum vermuten sie gerade bei der frau das hi virus und nicht bei dsk?
die frau ist die gefahr, nicht der aggressor oder was?

WoS2u
20
19.5.2011, 17:19
Amen.

*esofan*
11
19.5.2011, 17:01
gut so!

und die nächste gruppe bei der die rechte beschnitten werden, sind die mütter.

noirc80
10
19.5.2011, 17:09

*gähn*

über den Dächern von Wien
19
19.5.2011, 16:54
Es geht darum...

...ob die Frauen den Sex wollten oder nicht.

Monica war sehr einverstanden.
Ruby nur gegen sehr viel Geld.
Die Bekannten von Assange wollten es angeblich zumindest nicht SO.
Die Frauen in den Fällen Katzav und Strauss-Kahn wollten es ü-ber-haupt-nicht.

Und je nachdem ist das dann ganz etwas anderes.

sooo funny
00
20.5.2011, 11:05
warum "wollten" es monica und ruby in dieser unserer welt wie sie derzeit halt so ist

ich sehe in diesem zusammenhang den zwangsmoment ein bisschen weiter. ich muss mir nicht einreden, mr president zu lieben, wenn ich von vornherein auf chancengleichheit bauen kann, ich muss mich nicht bei bunga bunga parties herumtreiben, wenn ich nicht schon vorher in diese richtung viktimisiert wurde.

Bumbu
 
00
20.5.2011, 12:36
wenn ich nicht schon vorher in diese richtung viktimisiert wurde.

Irgendwie habe ich den Eindruck, daß Sie hier einer möglichen Täuschung aufsitzen.

Sie dürfen Clinton gerne sexuell nicht sonderlich anziehend finden; aber wenn Monica das anders sieht, ist sie nicht notwendiger­weise psychisch krank oder viktimisiert. De gustibus non est disputandum.

Wenn Sie Prostitution grundsätzlich ablehnen, werden Sie Ruby natürlich als Opfer der Umstände sehen. Trotz­dem geht es ihr realistisch besser als 98% aller Prostituierten (die für genauso un­appetitliche Dienste viel weniger Geld bekommen), und letztlich ist Prostitution so wie jede andere Form der Erwerbs­arbeit eine Folge ungleich verteilten Reichtums. Kann mal alles in Bausch&Bogen ablehnen, wird man aber kaum ab­schaffen können.

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