USA kochen im IWF ihr eigenes Süppchen

Frank Herrmann, 18. Mai 2011, 17:33

Washington fordert rasche Ablöse von Strauss-Kahn als Währungsfonds-Chef

Es war eine Rücktrittsaufforderung durch die Blume. Dominique Strauss-Kahn ("DSK") hatte noch keine 24 Stunden in seiner Einzelzelle auf Rikers Island gesessen, da ging der US-Finanzminister auch schon auf Distanz zu ihm.

Vom Gefängnis aus sei der Franzose "ganz offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu führen", dozierte Timothy Geithner am Dienstagabend im illustren Harvard Club in New York. Die Strafsache selbst wolle er nicht kommentieren, doch sei es geboten, dass der Internationale Währungsfonds Strauss-Kahn für eine Übergangszeit durch einen amtierenden Direktor ersetze.

Es ist das erste Mal, dass ein Spitzenpolitiker der Regierung Barack Obamas öffentlich Stellung zu den Vorwürfen gegen den 62-jährigen Ökonomen nimmt. Was Geithner bezweckt, liegt auf der Hand. Anstelle von DSK soll dessen Stellvertreter, der Amerikaner John Lipsky, das Ruder beim IWF übernehmen. Ein solcher Schritt bedeutet auch eine personelle Garantie, dass Washington die Weichen in der Umbruchphase stellen kann.

Laut Wall Street Journal haben Emissäre der Organisation bereits Kontakt zu Strauss-Kahns Anwälten aufgenommen, um den Inhaftierten zu einer Entscheidung zu drängen. Man habe sich "höflich" nach seinen Plänen erkundigt, umschreibt es das Blatt.

Noch so ein Wink mit dem Zaunpfahl: Bisher hat der Untersuchungshäftling nicht einmal angedeutet, dass er das Handtuch zu werfen gedenkt, offenbar in der Hoffnung, dass sich das anstehende Gerichtsverfahren zu seinen Gunsten wendet.

Karten neu verteilt

Das Weiße Haus hat ihn fallen gelassen und will beim Tauziehen um die Nachfolge Strauss-Kahns offenbar als Schiedsrichter auftreten. Noch lässt es mit keiner Silbe erkennen, welche von zwei möglichen Varianten es favorisiert: die traditionelle Option, wonach wie bisher ein Europäer das Amt ausübt, oder die historische Zäsur, bei der erstmals ein Kandidat aus Asien, Afrika oder Lateinamerika zum Zuge kommt. "Wir haben volles Vertrauen, dass der IWF in dieser schwierigen Zeit seine Aufgaben für die Weltwirtschaft erfüllen wird", drechselt Präsidentensprecher Jay Carney einen Satz, der alles offenlässt.

Kritischer sieht es Nancy Pelosi, bis Jänner Vorsitzende des Repräsentantenhauses und noch immer eine gewichtige Stimme bei den US-Demokraten. Bei allen Finanzinstitutionen, wie sie im Zuge des Zweiten Weltkriegs entstanden, müsse man offen darüber diskutieren, ob sie ihren Gründungszielen heute noch gerecht würden. Eine Übereinkunft zwischen den Europäern und den USA hat seit der Gründung des IWF im Jahr 1945 dafür gesorgt, dass ein Europäer das Washingtoner Institut leitet. Im Gegenzug benennen die Amerikaner bisher immer den Chef der Weltbank.

Die Schwellenländer wollen nun mit dieser Tradition brechen. So forderte der seit kurzem drittgrößte IWF-Teilhaber China, die Auswahl solle fair, transparent und auf Basis von Leistungen erfolgen. Es war das erste Mal, dass sich China derart früh und offen zu einer IWF-Personalie äußerte. Brasilien und Südafrika sprechen sich ebenfalls für einen Kandidaten aus einem Schwellenland aus.

Differenzen um Alibi

In der Strafsache Strauss-Kahn selbst gab es Geplänkel um Opfer und Alibi. Das Zimmermädchen erklärte anfangs, um 13 Uhr überfallen worden zu sein, später wurde die Uhrzeit auf 12 Uhr revidiert. Das ist insofern interessant, als Strauss-Kahn nach Anwaltsangaben um 12.30 Uhr mit seiner Tocher in einem Restaurant gewesen sei.

Die afroamerikanische Hotelangestellte habe nicht gewusst, wen sie beschuldigte, sie sei derzeit nervlich sehr angespannt, aber zu einer Aussage bereit, heißt es. Mittwoch wurden Nachrichten laut, die junge Frau lebe mir ihrer Mutter in einem Haus für Aids-Opfer. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.5.2011)

Man soll nicht alles auf einen Kahn laden.

Er bereut seine Sünden, konvertiert und tritt bei den DominiKahnern ein ...

geniale Goya Zeichnung eines scheinheiligen Mönchs >> http://zeichenblogger.blogspot.com/2011/05/h... .html#Goya

Kemal Dervis

Ein guter Kompromiss wäre Kemal Dervis. Ich denke, er wird das Rennen machen.

Bei unseren dämlichen, schüchternen Politikern ist es leicht denkbar, dass wir sämtlichen IWF Einfluß an USA/Schwellenländer verlieren und die Weltbank bei der USA bleibt.
Der größte Anteilseigner (und damit Zahler!) ist im Übrigen Europa und nicht die USA.

Wann wacht Europa endlich auf? Wir haben international nichts zu melden!

wenn europa bereit wäre europa zu sein und nicht eine vielzahl von kleinen bis mittleren staaten, dann wäre es er größte anteilseigner und der internationale einfluß wäre ausreichend.

nun ja... Europa ist anders :-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.