Justizaffaire

Lagardes IWF-Chancen schwinden

Stefan Brändle, 18. Mai 2011, 17:32
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    foto: ap/christophe ena

    Die französische Finanzministerin, über deren Kandidatur für den IWF-Chefposten spekuliert wird, ist ins Visier der Justiz geraten.

Die französische Finanzministerin, über deren Kandidatur für den IWF-Chefposten spekuliert wird, ist ins Visier der Justiz geraten

Die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde ist ins Visier der Justiz geraten. Sie soll den konservativen Unternehmer Bernard Tapie in einem Verfahren begünstigt haben. Neue Enthüllungen in diesem Fall schmälern Lagardes Chancen, die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF)anzutreten.

US-Finanzminister Timothy Geithner hat offen Strauss-Kahns Rücktritt gefordert. Auch Frankreichs Regierungspartei UMP distanziert sich vom inhaftierten IWF-Chef. Das Zimmermädchen, das Strauss-Kahn der Vergewaltigung beschuldigt, will laut ihrem Anwalt gegen ihn aussagen.

 

***

Paris - Das französische Enthüllungsblatt Canard Enchaîné berichtet in seiner Mittwochausgabe, die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde habe sich in der sogenannten Tapie-Affäre mehrfach über die Meinung ihres Ministeriums hinweggesetzt; dies nähre den Verdacht, dass sie die Wahlinteressen von Präsident Nicolas Sarkozy über das öffentliche Interesse gestellt und den Staat um hohe Millionenbeträge gebracht habe.

Die Vorwürfe sind deshalb brisant, weil Lagarde von Paris diskret als Nachfolgerin von Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds portiert wird. Die solide, perfekt englischsprachige Ministerin (55) gilt in Finanzkreisen als "sehr reputiert", wie notabene die Financial Times schrieb. Die Französin könnte den traditionellen europäischen Anspruch auf den IWF-Vorsitz retten; neben Washington scheint auch Berlin geneigt, Lagarde als "westliche" Kompromisskandidatin zu akzeptieren, um die Kandidatur von Schwellenländern wie Brasilien oder Indien abzublocken.

Wenn nur nicht diese Tapie-Affäre wäre. Sie reicht bis in die Neunzigerjahre zurück, als die ehemalige Staatsbank Crédit Lyonnais den Sporthersteller Adidas verkaufte. Der vormalige Besitzer Bernard Tapie fühlte sich dabei geprellt und klagte gegen die Sachverwalterin des bankrott gegangenen Crédit Lyonnais. 2005 schien seine Gerichtsklage zunehmend aussichtslos, als sie auch der Kassationshof abwies.

Da beschloss Lagarde überraschend, ein privates Schiedsgericht einzusetzen. Und es gab Tapie recht: Der ehemalige Fußball-Unternehmer erhielt vom französischen Staat 285 Millionen Euro, davon 45 Millionen als Entschädigung.

Zwei Dinge fielen dabei auf: Die Entschädigung war für französische Verhältnisse sehr hoch - und das Wirtschaftsministerium als Vertreter der öffentlichen Hand legte keinen Rekurs ein. Die sozialistische Opposition wirft Lagarde seither vor, sie habe im Auftrag von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt, der den heutigen Zentrumspolitiker Tapie aus wahltaktischen Gründen für sich gewinnen wollte. Vor wenigen Tagen genehmigte der Kassationshof einen Antrag der sozialistischen Partei, den "Justizhof der Republik" - einen Sondergerichtshof für Minister - einzuschalten und Ermittlungen gegen Lagarde einzuleiten.

Lagarde bestreitet, andere als öffentliche Interessen vertreten zu haben. Am Mittwoch hat aber der Canard Enchaîné einen Bericht des Rechnungshofes publiziert, laut dem die Ministerin Empfehlungen ihres Ministeriums in der Tapie-Affäre in den Wind geschlagen habe. Dabei war es zum Schluss gekommen, dass ein Schiedsgericht "gegen das Interesse" des Staates verstoßen würde; und wie es später hieß, hätte die "außergewöhnliche Höhe" der Entschädigung einen Rekurs "auf jeden Fall gerechtfertigt".

Lagardes Kabinett erklärte, der Bericht stelle keine Neuigkeit dar; alle erwähnten Berichte seien längst bekannt. Die Zeitung Le Parisien kommentierte allerdings, die Affäre werfe durchaus einen "Schatten" auf die IWF-Kandidatur Lagardes. Und der will einfach nicht weichen - im Gegenteil. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
noirc80
00
19.5.2011, 19:27
hier wirds besser beschrieben:

http://www.faz.net/s/Rub3D5D... ntent.html

Juan Reigh
00
19.5.2011, 08:48
Nur Kriminelle ???

Leider kommt immer wieder zu Tage, dass ein Großteil der mächtigen "Persönlichkeiten" der In der Politik und Finanzwesen KORRUPT und KRIMINELL sind. Wie kamen diese Leute in diese Positionen ???
Das gemeine Volk hat sie NICHT GEWÄHLT - also muß die globale Politmafia ihre Hand im Spiel haben.

theinfinitemadness
00
19.5.2011, 00:16
xxx...yyy...
00
18.5.2011, 23:26
hochkonjunktur für

verschwörungsparanoiker!

agrammatiker
03
18.5.2011, 21:53
alles falsch, mein lieber standard:

nicht die damals noch staatliche CL war pleite, sondern tapies adidas. die gelbe bank (man kennt sie vom gleichfarbigen tricot bei der tour de france) musste dem notleidenden tapie unter die arme greifen und ihm seinen bankrotten schuerzeuger abkaufen.
dann wurde die CL privatisiert, und als er, tapie, seine betrugs und bestechungsstrafen abgesessen hatte und sarkozy an der macht war, da hat man dem armen bernard, schwuppdiwupp, 300 millionen an steuergeld zugeschoben. dass er sich von seinem bankrott, und vom knast erholt, der aermste. die lagarde sollte wohl fuer die caritas kandidieren, nicht fuer den iwf.

Arthur Harald Lambauer
 
11
18.5.2011, 21:51
Siehe zur Immunität der Funktionäre des IMF

sowie zur Frage der Ausübung der Inanspruchnahme der inkriminierten Dienste eines Zimmermädchens im Rahmen offizieller Funktionärsmacht unter (am Ende von):

http://ahlambauer.wordpress.com/2011/04/2... bus-rebus/

witherabbitt
 
12
18.5.2011, 21:44
Info-War der USA?

witherabbitt
 
33
18.5.2011, 21:56

Ich halte von Verschwörungstheorien im Allgemeinen nichts, aber man muß sich schon fragen, warum die Skandale und Skandälchen, die ja nicht unbekannt waren, gerade jetzt wieder aufgekocht werden.

Strauss-Kahn hat es gewagt, beim IFW eine Abkehr vom reinen Marktdogma durchzusetzen. Nachdem die zweite europäische Kandidatin so prompt erledigt worden ist, wird mir das der Zufälle allmählich zu viel.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
19.5.2011, 07:26
jaja, der der canard enchainé, das altbekannte Sprachrohr

der CIA...

Lunar_Park_Fan
11
18.5.2011, 21:17
ich mag

weder die USA noch den IWF...

meine güte... Ich bin ANARCHIST. am BESTEN gefiele es mir, fielen die ZOMBIES über uns her.

ZOMBIES zombies ZOMBIES zombies ZOMBIES

Ich will den Ausnahmezustand!

hahahahaha

neeeed
11
18.5.2011, 21:15
haha

von der ganzen welt hört man meldungen dass ein politiker scheisse baut (deutschland, england, frankreich,..) und dies auch konsequenzen hat (zumindest indirekte) - nur in österreich, da gibts für die so vielen korrupten politiker keine konsequenzen, die machen fröhlich weiter
grml

Loxoceles
27
18.5.2011, 20:46

Sehr interessant.
Die USA kommen wirtschaftlich als Folge ihrer jahrelangen unverantwortlichen radikal-neoliberalen Politik in die Bredouille und stehen am Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Strauss-Kahn - ein Europäer - kritisiert die neoliberalen Ansätze. Plötzlich wird der Europäer in den USA in Haft genommen. Eine europäische Nachfolge-Kandidatin wird öffentlich angepatzt.
Dadurch wird der Weg frei für einen US-Kandidaten.

Eine sehr sehr eigenartige Geschichte ist das ganze.

bläh! bläh!
01
18.5.2011, 21:03

wann hat er die neoliberalen ansätze kritisiert?

witherabbitt
 
05
18.5.2011, 21:43

Financial Times, 16.5.2011, IFW verdankt Strauss-Kahn soziale Wende und die Abkehr von der reinen Marktdoktrin.

http://www.ftd.de/politik/i... 52789.html

Loxoceles
00
22.5.2011, 14:09

Kurz darauf findet die ominöse Vergewaltigung statt. Kurios.

Nelly Niedlich
 
10
18.5.2011, 20:32
Ich bin für KHG

wenn der sich in den USA so aufführt wie bei uns, fackeln die Amis nicht lange und er kann in seiner Zelle Tomaten züchten.

Takeshi Kovacs
03
18.5.2011, 20:11
AUSSCHLIESSLICH ganoven!!

Vayav indrasca
41
18.5.2011, 21:03

nur Sie nicht, gel? aber als Fensterputzer hat man's ja auch schwer, so etwas zu machen, selbst wenn man's möchte.

Takeshi Kovacs
00
18.5.2011, 21:21
auf was für einem gift sind Sie?

das guckerl
00
18.5.2011, 21:09
sinnerfassend ....

lesen hilft in jedem Fall !

carbonara
30
18.5.2011, 20:09
Der arme Kerl...

Wenn er nicht selbst zurücktritt, wird er höchstwahr-scheinlich "ge-selbstmordet".

schokolade süss
01
18.5.2011, 19:07

umso besser für Kemal Dervis ;)

vberg
01
18.5.2011, 19:33

Warum

schokolade süss
00
18.5.2011, 21:14
Kemal Dervis

Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Fall, dass kein Europäer den Job bekommt. Dervis ist einer der Väter des Aufstiegs der Türkei, die 2001 eine schwere Finanzkrise durchmachte und durch Reformen sowie eine milliardenschwere Finanzspritze des IWF die Wende schaffte. Er ging 1978 zur Weltbank, deren Vizechef er 1996 wurde. Er kehrte 2001 als Wirtschaftsminister in sein Heimatland zurück, das zu dieser Zeit unter Bankenpleiten, steigender Inflation und einer massiven Währungsabwertung litt .. Dank ihm geht es der türkischen Wirtschaft heute sehr gut..Derzeit ist der 62-Jährige Vizepräsident der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution ...Er spricht 4 Sprachen, hat an der LSE und in Princeton studiert... we will see ;)

Kritiker1A
12
18.5.2011, 18:54
Lauter Verbrecher da OBEN ?!

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