Die Madrider Protestbewegung "Echte Demokratie - jetzt" ist auch mit Polizeieinsatz nicht mehr kleinzukriegen, sie breitet sich in großen Städten aus - Ausgangspunkt ist der radikale Sparkurs der Regierung
"Die Polizei hat uns mit der Räumung einen Riesengefallen getan", sagt
Paloma - völlig übermüdet, aber zufrieden. Die 26-jährige Biologin ist
seit Beginn der Jugendproteste dabei, die auch weltweit Aufsehen
erregen. Am Sonntag demonstrierte die junge Frau mit Zehntausenden in
Spaniens Hauptstadt Das Motto: "Democracia Real Ya!" - "Echte Demokratie
jetzt!" Danach blieb sie mit ein paar Hundert auf dem zentralen Platz
Puerta de Sol. Den räumte die Polizei in der Nacht auf Dienstag. In
Windeseile verbreitete sich die Nachricht im Netz. Über 10.000 kamen am
Dienstagabend wieder, 5000 blieben über Nacht.
Seither ziert die Puerta de Sol ein improvisiertes Camp mit
Sonnendächern, Schreibtischen, Feldküche, Werkstätten und
Diskussionszirkeln . Sie wollen bis zu den Kommunal- und Regionalwahlen
am Sonntag ausharren.
Wir haben diese Krise nicht gemacht, aber jetzt sollen wir sie
bezahlen", erklärt Paloma, warum sie dem Protestaufruf in Facebook
folgte. Die junge Frau gehört zu dem, was in Spanien die "verlorene
Generation" genannt wird. Seit Ende des Baubooms und dem Beginn der
Finanzkrise sind in Spanien 20 Prozent ohne Erwerbsarbeit. Unter jungen
Menschen sind es mehr als doppelt so viele. Paloma, die mit 19 von zu
Hause auszog, schlägt sich mit "schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs und
einem Kredit der Eltern" durch, "bis ich hoffentlich eine
Doktorandenstelle in der Forschung finde".
"Wahrscheinlich muss ich ins Ausland", sagt sie. Der Satz schmerzt in
einem Land, in dem die Großväter- und Elterngeneration zu
Hunderttausenden als Gastarbeiter ihr Glück suchen mussten. "Irgendwie
bin ich es meinen Eltern schuldig, hier dabei zu sein. Sie haben gegen
eine Diktatur gekämpft für ihre Rechte. Jetzt werden diese
Errungenschaften abgebaut." Paloma zählt auf: Gehälter im öffentlichen
Dienst wurden gekürzt, Renten eingefroren, das Kindergeld gestrichen,
die letzten lukrativen Staatsunternehmen privatisiert und den Reichen
Steuergeschenke gemacht.
"Wir sind keine Ware in den Händen der Märkte", steht auf einem Plakat.
"Gewalt ist, 600 Euro im Monat zu verdienen!" auf einem anderen.
Irgendwo dazwischen steht Andrés mit seinem Campingtisch mit
Tageszeitungen. "Wir leben in einer politischen Farce", erklärt der
28-jährige Chef des "Lesesaales". Andrés ist Soziologe und seit
eineinhalb Jahren arbeitslos. "Die Politiker sind völlig abgehoben",
geißelt er die Wahlkampagnen zu den Kommunalwahlen, bei denen die großen
Parteien einander die Schuld an der Krise zuschieben. "Gleichzeitig
kandidieren 260 Politiker, die der Korruption angeklagt oder in erster
Instanz verurteilt sind, bei allen Parteien", zitiert Andrés.
"Brutales Zweiparteiensystem", urteilt Fabio Gandara, einer der Gründer
der vor drei Monaten gegründeten Plattform "Echte Demokratie - jetzt!"
Der arbeitslose Anwalt schimpft auf die neoliberale
Wirtschaftskrisenpolitik und redet von Steuern auf Finanztransaktionen.
Die Politik sei längst "in den Händen der internationalen Märkte". Nach
den Wahlen will die Demokratie-Plattform für ein neues Wahlsystem
mobilisieren. Derzeit sind Kleinparteien ohne Chance. Die dritte Kraft,
die Vereinigte Linke, hat mit einer Million Stimmen zwei Mandate. Die
regierende sozialistische PSOE und die konservative Partido Popular mit
je zehn Millionen Wählern haben 169 bzw. 152 Sitze - fast die Hälfte des
Parlaments. (Reiner Wandler aus Madrid, STANDARD-Printausgabe, 19.5.2011)
Support the Spanish social change in Vienna
Samstag, 21.5.2011, 19 Uhr
Spanische Botschaft
Argentiniertsrasse 34, 1040 Wien
http://austria.indymedia.org/node/20469
So wie es aussieht versuchen da 2 Zivilpolizisten 2 Demonstranten festzunehmen. Und dann stürmt die Horde heran und prügelt noch auf die beiden Demonstranten ein.
Nachtrag,
weiter unten bei den Postings ging es ja um die Frage ob die Ausweitung des Geldvermögens in der heutigen Zeit (höhere Bevölkerungsszahlen als früher, mehr Produktion als früher..) einfach dazugehören muss oder ob das nicht so sein muss.
"Zwischen 1950 und 2000 ist das Bruttosozialprodukt von Deutschland um das 7-fache, die Geldvermögen hingegen sind um das 32-fache angestiegen".
sie können auch noch andere quellen suchen, vielleicht vergleichen sie mal die entwicklung der haushaltsdefizite und der relativen verschuldung des bip, sie werden überrascht sein wenn sie wirklich glauben dass spanien so schrecklich verschuldet oder misregiert wird, bis vor der krise waren haushaltsüberschüsse normal, wann hatten wir das letzte mal einen überschuss...?
Ich kann höhere Schulden haben als Sie, aber Sie können trotzdem unmittelbar vor dem Konkurs
stehen und ich nicht. Das hängt auch von Ihrem und meinem Ruf, unseren jeweiligen Sicherheiten, Zahlungsverpflichtungen und sozialem Kapital ab.
Langfristig wird es Österreich aber natürlich nicht anders ergehen als Spanien, auch da wird mit Heulen und Zähneknirschen gespart werden müssen und werden endlich um einzelne Privilegien gebrachte Privilegienritter ebenso auf die Straße gehen wie von Beginn an Deprivilegierte; für Privilegien und Komfort, verhüllt mit einer Floskel wie "Mehr Demokratie!" oder was dann halt gerade en vogue sein wird.
Aber was wäre Ihr Vorschlag? Spanien unbegrenzt Geld leihen, damit es nutzlose Pseudo-Jobs für die Jungen schaffen kann und weiter nicht sparen muss?
die sozialleistungen und privilegien, von denen sie sprechen, sind in spanien mickrig gegenüber denen die sie in österreich haben.
ich spreche nicht für die spanier, die haben ihre eigenen vorschläge, wie gesagt, informieren sie sich über google, facebook, etc. über deren vorschläge zur reform.
ich persönlich bin ein fan des modells des natürlichen wirtschaftssystems nach silvio gesell, können sie googlen.
ich halte sie wirklich für einen intelligenten menschen, mein freund, recherchieren sie bitte, sie werden sehen dass dieses bild vom faulen spanier, griechen, portugiesen, der nur am strand sitzt, nix arbeiten will, nicht spart und auf den kosten der österreicher, deutschen und anderer lebt schlichtweg nicht stimmt.
Harald Fercher ist der Autor, Artikel ist vom Jänner 2011, also so alt ist er noch gar nicht.
Zitat: "Ja es ist richtig: Spanien hat zu kämpfen. Richtig ist allerdings auch, dass die Spanier deutlich weniger Schulden haben als zum Beispiel wir Österreicher. Wenn also immer wieder vom "schwer verschuldeten" Spanien gesprochen wird ist das schlichtweg falsch. Und der Satz wird auch nicht richtiger, je häufiger er wiederholt wird."
letztes jahr, oder mit beginn dieses jahres, ein glatter 5%-schnitt durch alle öffentlich bediensteten-gehälter durchgeführt wurde, vom postler über den lehrer und den polizisten bis zum uni-forscher.
können sie sich vorstellen was los wäre wenn das jemand in österreich versucht...?
der neugebauer würde persönlich jeden einzelnen politiker abwatschen und strache hätte die absolute.
wobei ich den 5 Prozent Schnitt nicht als "bösartig" oder "gemein" sehen würde sondern einfach als einen Handlungsschritt, der INNERHALB des derzeitigen Geldsystems als richtig erscheint.
Deshalb finde ich es gut das ganze "Gebäude" zu hinterfragen, das wir uns in den letzten Jahrhunderten aufgebaut haben um dann, wenn das jetztige Gebäude wirklich zusammengebrochen ist, ein lebenswertes neues "Gebäude" bauen zu können.
ich persönlich favorisiere das modell der natürlichen wirtschaftsordnung nach silvio gesell um das gebäude, das wir haben zu reformieren und die schädlichen faktoren unseres geldsystems auszumerzen.
danke, das ist toll, dass es das ganze Buch online gibt, noch dazu in so einer schönen Form!
Ich bin bei Bernd Senf zum ersten Mal auf Silvio Gesell gestoßen.
Vielleicht gleich zur Sicherheit, falls jemand beim Thema Zinskritik sofort an Antisemitismus denken sollte, ein Beitrag von Bernd Senf:
"Denunzieren statt Argumentieren - Die irrationale Abwehr der Zinskritik"
Untertitel: "Eine Entgegnung auf den absurden Antisemitismus-Vorwurf von Hermann Lührs"
http://www.berndsenf.de/pdf/Denun... kritik.pdf
zum "Gebäude" noch, ich glaube ja, dass ausmerzen und reformieren nicht mehr gehen wird und dass das derzeitige "Gebäude" wirklich ganz zusammenfallen wird.
an antisemitismus-vorwürfe hab ich noch nicht mal gedacht, bin zwar über ein paar unsinnigkeiten gestossen habs aber als unsinn abgetan, man muss ja eigentlich schon antisemit sein um einem antisemitismus vorzuwerfen wenn man am zinssystem kritik übt.
ich glaube dass das gebäude schon am zusammenbrechen ist, dass aber die notwendigen reparaturen gar nicht so schwer werden.
zinssystem, fractional reserve banking, schwachsinniges steuersystem sowie grundbesitzkonzentration sind alle part des finanzsystems dass sich gerade selbst durch die eigene logik schiesst.
meine hoffnung ist die informationsgesellschaft und die internet-generation die kaum noch sowas wie nationale grenzen oder denkverbote kennt.
"man muss ja eigentlich schon antisemit sein um einem antisemitismus vorzuwerfen wenn man am zinssystem kritik übt."
das würde ich nicht sagen. Es gibt einfach einige Themen, die von den Nazis mißbraucht wurden und hier ist es später oft schwierig tabulos darüber zu sprechen (zb. germanische Götter).
Ich habe das aus Erfahrung dazu gefügt, weil es öfter solche Vorwürfe gibt (auch hier bei den Postings).
hat den Wohlstand gesichert. Eine private Industrie und Infrastruktur gab es ja praktisch nicht. Mindestens die Hälfte der Wirtschaftsleistung und der Arbeitsplätze gingen auf der Konto der Verstaatlichten.
der wahrscheinlich massivste wohlstandsschub fand in den 1970ern statt. vorher waren keine so fetten jahre. dazwischen liegt das revolutionsgeschichtlich nicht ganz unwichtige jahr 1968 und die damit bei den eliten verbundene angst vor der weltrevolution. insofern stimmt es schon, der sozialdemokratische wohlfahrtsstaat ist eine unmittelbare reaktion auf die 68er-revolte. ohne 1968 hätte es das alles nicht gegeben. das zeigt vor allem das beispiel italien, dort hat die kämpferische und ungehorsame arbeiterklasse nach 1968 innerhalb von kurzer zeit soziale reformen erreicht, wozu andere länder jahrzehntelanges verhandeln gebraucht haben.
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