Empfundene Ungerechtigkeit animiert zum Blaumachen

18. Mai 2011, 17:13
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Studie: Wer Managerbesteuerung als unfair empfindet, weist 20 Prozent mehr Krankenstandstage auf

Viele Manager ärgern sich, wenn ihnen vorgehalten wird, dass sie zu viel verdienen und zu wenig Steuern zahlen. Tatsächlich sollten aber auch die Chefs ein massives Interesse daran haben, dass das Steuersystem als gerecht empfunden wird. Eine Studie der deutschen Ökonomen Thomas Cornelissen, Oliver Himmler und Tobias König weist nämlich nach, dass Menschen, die der Meinung sind, Manager zahlen zu wenig Steuern, 20 Prozent mehr Krankenstandstage aufweisen. Wer sich gegenüber den Topverdienern benachteiligt fühlt, verspürt also eine geringere Verpflichtung, selbst einen "Beitrag" zu leisten. In der Wissenschaft spricht man von einem "Fairness-Spillover" - man rächt sich sozusagen am System, in dem man gelegentlich blaumacht.

Hohe Mehrkosten

Basis für die Studie war eine Befragung in 5000 deutschen Haushalten, die auch den Komplex Gerechtigkeitswahrnehmungen abdeckte. 72 Prozent der Befragten waren der Ansicht, Topmanager zahlen zu wenig Steuern, 22 Prozent hielten die Steuerlast für angemessen, und nur sechs Prozent hielten sie für zu hoch. Wer den Steuerbeitrag als zu niedrig einschätzte, wies durchschnittlich 8,3 Krankenstandstage pro Jahr auf. Wer nicht dieser Ansicht war, fehlte nur 5,6 Tage. Die Differenz beträgt also 2,7 Tage.

Wenn man dann noch alle anderen Variablen abzieht, die den Krankenstand beeinflussen können, verbleibt noch immer ein Unterschied von 1,5 Tagen - also rund 20 Prozent der Fehltage. Die Conclusio der Autoren: Es gibt einen hoch signifikanten Zusammenhang zwischen Steuergerechtigkeitswahrnehmungen und Arbeitsmoral.

Kosten von fünf Milliarden Euro

Für Deutschland ergeben sich aus der als unfair empfundenen Managerbesteuerung geschätzte Kosten von fünf Milliarden Euro für Lohnersatzzahlungen. Die Autoren gehen davon aus, dass der Zusammenhang auch in anderen Ländern gegeben ist.

Legt man die deutsche Rechnung auf Österreich um, käme man auf Kosten für nicht krankheitsbedingte Krankenstände von 500 Millionen Euro. Eine halbe Milliarde könnte also theoretisch eingespart werden, wenn das Steuersystem als gerecht empfunden wird. 2009 befanden sich die Österreicher im Schnitt 12,6 Tage im Krankenstand. In den vergangenen Jahren war dieser Wert relativ konstant. (Günther Oswald/DER STANDARD; Printausgabe, 19.5.2011)

  • Wer sich ungerecht behandelt fühlt, ist schneller "krank".
    foto: standard/cremer

    Wer sich ungerecht behandelt fühlt, ist schneller "krank".

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