"Die Zeit": Auch deutsche Steuergelder über gefördertes Sparen an Hersteller geflossen
Hamburg/Wien - Die Deutsche Bank habe das
Rüstungsunternehmen mitfinanziert, das den libyschen Diktator Muammar
al-Gaddafi mit Streubomben versorgte. Das berichtet die Hamburger
Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorausmeldung. Gaddafi bezog die
Streubomben demnach von der spanischen Firma Instalaza, die im Jahr
2007 von der Deutschen Bank einen Kredit über rund 3,1 Millionen Euro
erhielt, so "Die Zeit" unter Berufung auf die umwelt- und
entwicklungspolitischen Organisation "Urgewald".
Auf Anfrage hieß es vonseiten der Bank: "Die Deutsche Bank tätigt
keine Geschäfte in direktem Zusammenhang mit bestimmten Waffenarten
wie Personen-Landminen, Streubomben oder ABC-Waffen." Zu einzelnen
Kundenbeziehungen könne man sich nicht äußern.
Libyen bezog laut Bericht von Instalaza Streubomben vom Typ
MAT-120, die von Gadhafis Truppen vor wenigen Wochen bei den Kämpfen
in der Stadt Misrata (Misurata) eingesetzt wurden. Die Bomben wurden
dabei auf Wohnviertel abgefeuert.
Seit 2010 ist diese Waffenart durch die Streubomben-Konvention
international geächtet. Einige Länder, darunter Libyen, sind dem
Abkommen allerdings nicht beigetreten. Spanien ratifizierte es 2009,
auch Deutschland ist beigetreten. Das internationale Abkommen
verbietet neben dem Einsatz auch die Unterstützung der Herstellung
von Streubomben.
In Wohngebieten sind Streubomben besonders tödlich und
heimtückisch. Die Kleinbomben sind mit heißen Metallsplittern
gefüllt, die eigentlich schwere Panzerungen durchdringen sollen.
Viele von ihnen explodieren zunächst aber nicht und bleiben als
Blindgänger zurück. Selbst Jahre nach Beendigung eines Konflikts
werden Menschen getötet und verstümmelt. Oft sind es Landarbeiter,
Hirten und spielende Kinder.
Zahlreiche deutsche Finanzunternehmen hätten nach Inkrafttreten
der Streubomben-Konvention weiterhin in Unternehmen investiert, die
Streubomben produzieren, schreibt "Die Zeit". Auch bei vom Staat
finanziell geförderten Sparformen müssten die Anleger damit rechnen,
dass ihr Geld bei Herstellern von Streubomben angelegt sei. Mehr als
ein Dutzend Versicherungen böten ihren Kunden Investmentfonds an, die
in den vergangenen Monaten in die Aktien von Streubombenherstellern
investiert haben. Die Wochenzeitung nennt hier den Deutschen Ring,
Basler, Condor, Stuttgarter, Volkswohlbund und WWK. Somit seien auch
deutsche Steuergelder an die Produzenten von Streubomben geflossen. (APA)