Verein kann Mittel für Miete für Gedenkraum im Sterbehaus des Schriftstellers nicht mehr aufbringen
Klosterneuburg - Seit 1983 verwaltet die Österreichische Franz-Kafka-Gesellschaft in Klosterneuburg-Kierling einen Gedenkraum im Sterbehaus des Schriftstellers, dem ehemaligen Sanatorium Hoffmann. Nun schlägt der Verein Alarm: Die finanziellen Mittel reichen nicht mehr aus, um die anfallenden Mietkosten abzudecken, erklärt Vizepräsident Manfred Müller in einem Schreiben an die Mitglieder und beruft eine außerordentliche Generalversammlung ein.
Erst 2009 hatte die Österreichische Gesellschaft für Literatur die Agenden der Kafka-Gesellschaft übernommen. Ambitionierte Projekte wie die Wiedereinführung des von 1979 bis 2001 verliehenen Kafka-Preises (Preisträger waren u.a. Peter Handke, Elias Canetti und Marianne Fritz) oder der ebenfalls bis 2001 durchgeführten internationalen Symposien wurden angedacht. Zum Präsidenten des Vereins wurde der tschechische Autor, einstige Präsident des Internationalen P.E.N.-Clubs und langjährige Diplomat Jiri Grusa gewählt. Doch die Neuaufstellung geriet bald ins Stocken.
"Drastische Kürzung von Förderungen"
Als Grund dafür nennt Müller die "drastische Kürzung von Förderungen seitens der Stadtgemeinde Klosterneuburg". Die Höhe der jährlichen Mietkosten für den Gedenkraum betrage etwa 5.000 Euro, die Gemeinde habe jedoch für 2011 bisher nur 2.000 Euro überwiesen, darüber hinaus habe die Gesellschaft für das Jahr 2010 keine Subvention erhalten. Dies geht auch aus Unterlagen hervor, die derStandard.at vorliegen. Der Vorstand der Franz-Kafka-Gesellschaft sehe sich "nach reiflicher Überlegung" außerstande, den Raum und die darin befindliche Dauerausstellung zu erhalten, so Müller, der die Aussichten, Sponsoren zu finden, als "trist" bezeichnet.
Seitens der Stadtgemeinde bestätigte Kulturstadtrat Konrad Eckl (ÖVP) auf Anfrage, dass die derzeit verfügte Kreditsperre allgemeine öffentliche Einsparungen und rückwirkende Auszahlungen mit sich bringe. Eckl hatte ursprünglich behauptet, dass im Jahr 2010 eine Subvention erfolgt sei, vermisst seinerseits ein Konzept, um den Raum "mit Leben zu füllen", und verweist auf weitere potenzielle Förderer wie Land und Bund.
Die Gedenkstätte besteht aus einem Raum mit Erinnerungsstücken an Kafkas letzte Lebensjahre: Fotodokumente, Briefe und Karten im Faksimile aus den letzten Monaten vor seinem Tod. Konzipiert war die Räumlichkeit ursprünglich als Dokumentationszentrum mit frei benutzbarer Bibliothek. Das Zimmer, in dem Kafka tatsächlich seiner Tuberkulose erlag, war allerdings ein anderes.
"Mit dem Kafka-Biografen Reiner Stach stand ich an einem Regentag am Fenster des Nichtsterbezimmers, denkend daran, mit welcher Liebe in St. Petersburg Dichtergedenkstätten gepflegt werden. Hier hingegen: absolute Lieblosigkeit. Zusperren! Sofort!", schrieb 2003 der - mittlerweile verstorbene - Literaturkritiker Richard Reichensperger im "Standard". Sein Wunsch könnte sich nun erfüllen. (APA/red)