Zivilcourage

"Ich wurde auch schon angespuckt"

18. Mai 2011, 10:50

Beschimpfungen und abweisende Blicke: Wie Jugendliche mit Rassismus und Zivilcourage umgehen

Wien - Beschimpfungen, abweisende Blicke und angespuckt werden: Das erleben Jugendliche mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit regelmäßig.

"Es kommt oft vor, dass wir nachts mit Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Jugendlichen verschiedener Nationalitäten zu tun haben", erzählt die 24-jährige Polizistin Maria. Oft sei aber nicht der Alkohol der Auslöser für solche Konflikte. Viele Jugendliche haben generell ein negatives Bild von Migranten und lassen sich von Vorurteilen beeinflussen. "Das lässt sich auf die allgegenwärtige Angst der Menschen vor dem Fremden zurückführen. Aber auch die Politik und Medienwelt attackieren diese Gruppe", sagt Gertraud Kücher von "Zara" - einer Organisation, die sich für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit stark macht.

"Ich werde in der U-Bahn häufig komisch angeschaut", bestätigt eine 17-jährige Kopftuchträgerin, die wir auf der Kärntnerstraße auf dieses Problem ansprechen. "Ich wurde auch schon angespuckt", sagt Yao (17) aus China.

Bei der Frage, ob sich die österreichische Bevölkerung für Zivilcourage einsetzt, teilen sich die Meinungen. Bei verbalen und nonverbalen Angriffen schauen viele Leute einfach weg, während andere Augenzeugen gezielt eingreifen und den Täter zurechtweisen. Meistens würden sich die Beobachter aber hilflos fühlen oder ihr Wegschauen mit dem Argument "Das sind eh nur Ausländer" rechtfertigen, erzählt Kücher.

Gemeinsam gegen Rassismus

Wie man sich in solchen Fällen richtig verhält, zeigt "Zara" bei regelmäßigen Workshops und Kursen. Die Diskriminierung, das "Anderssein" und die persönlichen Vorurteile werden dort bewusst zum Thema gemacht. "Wie erkenne ich Rassismus?", "Welche Rechte habe ich?", "Wie zeige ich Zivilcourage?" und "Welche Vorurteile habe ich selbst und wie gehe ich damit um?", sind Fragen, die in den Workshops beantwortet werden. Um speziell auf Jugendliche einzugehen, greifen die Mitarbeiter zu interaktiven Lernmethoden wie szenischen Darstellungen. Personen, die von Rassismus betroffen sind, können sich bei "Zara" melden und mithilfe der Organisation wenn nötig auch Täter anzeigen. Alle Vorfälle werden dokumentiert.

"In vielen Erzählungen wird deutlich, dass Migranten bei ihrer Berufswahl oft nur wegen ihres ausländisch klingenden Namens benachteiligt werden", berichtet "Zara"-Mitarbeiter Stefan Radinger. Einmal jährlich wird der sogenannte Rassismus- Report von "Zara" veröffentlicht. Was dabei auffällt: Immer öfter wird Personen mit anderer Hautfarbe der Zutritt zu Nachtclubs oder Lokalen verwehrt oder von ihnen auf offener Straße verlangt, sich auszuweisen. Ein Versuch in Graz, bei dem dieselbe Frau einmal mit und einmal ohne Kopftuch von einem Schauspieler scheinbar verprügelt wird, hat gezeigt, dass ihr ohne Kopftuch wesentlich schneller geholfen wurde.

Ein weiteres großes Problem stellt laut "Zara" Rassismus im Internet dar. Die Neonazi-Seite "Alpen-Donau Info", die erst kürzlich für Aufregung sorgte, ist das beste Beipiel für Cyber Hate. Aber auch auf Social-Network-Seiten wie Facebook finden sich verhetzende Postings gegen ethnische Gruppen. Viele vergessen, dass das Internet kein anonymer Raum ist und das solche Aussagen angezeigt werden können. Um derartige Vorfälle zu vermeiden, wurde die Vereinigung Inach (International Network against Cyber Hate) ins Leben gerufen.

Auf Ressentiments gegenüber einer multikulturellen Gesellschaft erwidert Kücher: "Man sollte die Vielfalt nicht verdammen, sondern sie zu schätzen wissen." (Marco Helmer, Fanny Lamp, Laura Trauner, Karla Zehner, DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2011)

 

Link: Zara

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