Produktivität je m²

"Weniger Fläche kann Mitarbeiter demotivieren"

18. Mai 2011, 10:41

Flächenreduktion auf Kosten der Mitarbeiter rentiert sich nicht, sagt Karl Friedl, Geschäftsführer des Strategieberaters M.O.O.CON

Auf die Kosten für die Firmenimmobilien sollten Unternehmen ohnehin stets ein Auge haben. Bei Dienstleistungsunternehmen macht das Gebäudemanagement ("Facility Management") etwa 17 Prozent der Kosten aus, rechnet Karl Friedl, Geschäftsführer des Strategieberaters M.O.O.CON vor. Dies sei in der Regel der drittgrößte Kostenblock, und dementsprechend hohe Einsparungsmöglichkeiten würden sich dahinter verbergen.

Potenzial bei mieterspezifischen Kosten

Wer allerdings gleich einmal daran denkt, die Flächen zu reduzieren, sprich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enger zusammenrücken zu lassen, sei gewarnt, so Friedl: "Weniger Fläche kann Mitarbeiter demotivieren und eine geringere Produktivität zur Folge haben." Lohnendere Potenziale erblickt er im Bereich der Nutzungskosten beziehungsweise der mieterspezifischen Kosten (Reinigung, technischer Gebäudebetrieb, Catering, etc.). Diese machen nur rund ein Drittel der gesamten Objektkosten aus.

"Viele Unternehmen haben keinen Überblick darüber, wie hoch die laufenden Kosten ihrer Büroimmobilien sind", so Friedl. Dies ist auch das Ergebnis einer Umfrage in 200 Unternehmen in Deutschland und Österreich. "Zwei Drittel der interviewten Unternehmer konnten dabei nicht angeben, wie hoch der Anteil der Bürokosten an den gesamten Sachkosten ist."

18 bis 20 m² pro Beschäftigtem

Im internationalen Vergleich stehen österreichischen Beschäftigten mit 18 bis 20 Quadratmetern pro Arbeitsplatz mehr Fläche zur Verfügung als etwa in Frankreich (17 m²), Japan (12 m²) oder der britischen Metropole London (rund 10m²). "Berücksichtigt man nur die Fläche, so wäre es naheliegend, über eine Kostenoptimierung durch Flächenreduktion nachzudenken. Denn im oberen Feld gibt es hierzulande Flächen von sogar bis zu 26 m²/Arbeitsplatz", so Friedl. Bei unprofessioneller Herangehensweise "erkaufe" man sich allerdings die Kostenvorteile durch Flächenreduktion mit geringerer Produktivität aufgrund demotivierter Mitarbeiter.

"Menschen definieren sich auch über territoriale Abgrenzung. Immer noch werden der eigene Status und Einfluss auch an der Größe des eigenen Büros gemessen. Flächenreduktion braucht deshalb auch eine entsprechende Akzeptanzsicherung bei den betroffenen Kolleginnen und Kollegen", weiß Friedl.

Fragen im Vorfeld klären

"Welche Prozesse brauche ich, um meine Dienstleistung gut und effizient erstellen zu können?" - Erst nach Klärung dieser Frage können Unternehmen ein optimales Flächen-Kosten-Verhältnis erzielen, so der Strategieberater. "Über Flächenoptimierung nachzudenken, ist jedoch nur eine Möglichkeit zur Kostenreduktion durch Facility Management", gibt Friedl zu bedenken.

Einsparungspotenziale gebe es im gesamten Sekundärprozess. Am Beispiel eines in einem Wiener Büroobjekt eingemieteten Dienstleistungsunternehmens zeige sich, dass dessen Nutzungskosten (oder auch "mieterspezifische Kosten" genannt) rund ein Drittel der gesamten Objektkosten ausmachen. Diese Kosten umfassen in etwa die Bereiche Verwaltung, technischer Gebäudebetrieb, Reinigung, Sicherheitsdienst, Empfang, Verpflegung, Hausmeister, etc. Bei einem durchschnittlichen Mietpreisniveau zwischen 12,50 und 20 Euro/m²/Monat und den vom Vermieter dafür verrechneten Betriebskosten (je nach Objektqualität zwischen 2,80 und 3,20 Euro/m²/Monat) müssen mieterspezifische Kosten von nochmals bis zu durchschnittlich 7 Euro/m²/Monat veranschlagt werden. "Das gilt auch für eigengenutzte Objekte, wo die nutzerspezifischen Kosten auch rund ein Drittel der gesamten Objektkosten ausmachen."

Durch Ablaufoptimierungen, Outsourcing, neue Servicedefinition, etc. können diese mieter- bzw. nutzerspezifischen Kosten reduziert werden, so Friedl. "Natürlich muss man bedenken, dass es umso mehr Einsparungspotenziale gibt, je größer ein Unternehmen ist." Aber auch bei kleineren Unternehmen gebe es Möglichkeiten zur Einsparung. "Heute geht es nicht mehr darum, beispielsweise einer Reinigungsfirma zu sagen, wie oft und wie viele Stunden sie putzen soll, sondern lediglich, welches Ergebnis man sich erwartet." Reinigungsfirmen würden über genügend Innovationspotenzial verfügen, das ihnen ein besseres Ergebnis mit weniger Aufwand ermöglicht. (red)

violavioletta
 
03
18.5.2011, 16:57
wenig gehalt...

kann mitarbeiter demotivieren..

Kra Wuzikabuzi
02
18.5.2011, 17:44
es gibt bekanntlich motivatoren und hygienefaktoren...

Kra Wuzikabuzi
00
18.5.2011, 14:27
ich habe jahrelang in den usa in einem cubicle gearbeitet

skinner box , künstliches licht, 3m2 oder weniger, keinerlei gesetzliche m2-mindestvorgaben oder regeln bzgl natürliches licht.
eckbüro, stockwerk und echtes fenster bedeuten dort aufstieg.

also, wir sudern hier auf hohem niveau.

super web checker
05
19.5.2011, 09:59

Nur weil es in US schlechter ist als bei uns, haben wir noch lange kein hohes Niveau. Nicht die USA ist der Maßstab, sondern die persönlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen. Mehr Selbstbewußsein!

Passt scho
00
18.5.2011, 13:45
mehr Platz

Ich beneide die Kollegen in London, immerhin 10m² pro Person. Ich muß eine kleine Kemenate mit knappen 18m² mit einem weiteren Kollegen teilen...

hommadesollasnedbraucht
00
18.5.2011, 17:02
gerade in London

hab' ich auch schon cubicles gesehen (in einer grossbank)

Finditout
01
18.5.2011, 14:14

sie müssen äpfel mit äpfel vergleichen. der hier genannte m²schnitt bedeutet nicht, dass jeder mitarbeiter tatasächlich auf soviel m² sitzt. bedenken sie mal wie groß 10m² sind. das bedeutet nur, dass wenn sie als firma ein büro suchen und einen schnitt benötigen wie groß das büro sein soll, dann rechnen sie eben ungefähr und in der summe der m² sind auch archiv, sozialräume, küche, toiletten,... wenn sie sagen dass sie auf 9m² sitzen, dann muss ich sagen, haben sie eines der großzügigsten büros!

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