Energieautarkes Haus

Gründach, Wind und Infrarot

Jasmin Al-Kattib, 18. Mai 2011, 13:08
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    foto: sowin energiehaus

    Im energieautarken Haus in Eugendorf bei Salzburg wandert die produzierte Energie erst in die Batterien und ins Hausnetz. Erst wenn mehr produziert wird als abgenommen, wird der Überschuss ins Netz gespeist.

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    Durchschnittlich gibt es in Österreich bis zu 300 nutzbare Sonnen- beziehungsweise Windtage, so Energieautarkie-Experte Puscha.

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    Will man das energieautarke Konzept so übernehmen wie beim Muster in Eugendorf, kostet das Haus mit knapp 180 Quadratmetern Wohnfläche etwa 270.000 Euro.

Peter Puscha, Experte in Sachen autarkes Wohnen, über sein von externen Energielieferanten unabhängiges Musterhaus in Salzburg

In Zeiten des Klimawandels, knapper Energieressourcen und eines Umdenkens bezüglich angekaufter Atomkraft in Österreich beschäftigen sich nicht nur Umweltminister Nikolaus Berlakovich, sondern auch immer mehr private Häuslbauer mit dem Thema Energieautarkie. Im Musterpark Eugendorf bei Salzburg entstand im Frühjahr 2011 ein völlig energieautarkes Haus, dessen Unabhängigkeit von externen Energielieferanten durch die Nutzung einer Kombination aus emissionsfreien Technologien möglich wird. Strom wird mit einer Hybridanlage für Wind- und Sonnenenergie gewonnen, geheizt wird mit Infrarot-Wärme, gedämmt mit energiesparenden Baumaterialien und Gründach. Peter Puscha, Geschäftsführer der Firma SoWin-Energiehaus, stand Jasmin Al-Kattib Rede und Antwort.

***

derStandard.at: An wie vielen Tagen pro Jahr kann man in Österreich durchschnittlich damit rechnen, aus der Sonne-Wind-Hybridanlage mit Strom versorgt zu werden?

Peter Puscha: Durchschnittlich hat Österreich je nach Gebiet bis zu 300 nutzbare Sonnen- beziehungsweise Windtage.

derStandard.at: Das von ihnen konzipierte energieautarke Haus ist ein Energie-Plus-Haus. Inwieweit kann der selbst produzierte Strom den Verbrauch decken - oder, anders gefragt: Wie viel Energie-Überschuss kann man optimalerweise damit lukrieren?

Puscha: Je nach Auslegung der Anlage kann man bis zu 120 Prozent des Jahresbedarfs abdecken. Auch mehr ist möglich, das kommt aber auf die finanzielle Situation an und wirft die Frage der Sinnhaftigkeit auf. Wir werden in unserem Musterhaus wohl etwa 12 bis 15 Prozent mehr Strom produzieren als wir für alle Geräte, Heizung, Warmwasser und Beleuchtung benötigen.

derStandard.at: Wie funktioniert die Kombination aus Inselbetrieb und Einspeisung ins Netz?

Puscha: Die produzierte Energie geht erst über einen Laderegler in die Batterien und dann über Wechselrichter ins Hausnetz. Erst wenn die Batterien voll sind und mehr produziert wird als abgenommen, wird der Überschuss ins Netz gespeist.

derStandard.at: Schrecken die niedrigen Einspeisungstarife nicht viele Menschen ab, ihren Strom ans Netz liefern zu wollen?

Puscha: Genau deshalb empfehlen wir den Interessenten eine Überschusseinspeisung zu wählen, hier wird nur eingespeist, was nicht verbraucht wird und dann wieder geholt, wenn zu wenig produziert wird.

derStandard.at: Wie sieht es mit Genehmigungen für Kleinwindräder in den verschiedenen Bundesländern in Österreich aus?

Puscha: Jedes Bundesland ist verschieden, in der Regel reicht aber eine einfache Bauanfrage, meist wird genehmigt.

derStandard.at: Sie decken ihr Haus mit einem Gründachsystem. Wie oft muss es gepflegt werden?

Puscha: Ein- bis zweimal im Jahr sollte man das Gründach vom Dachdecker ansehen lassen und eventuell auftretende vertrocknete Stellen ausbessern. Und einmal pro Jahr sollte ein Breitbanddünger auftragen werden. Das geht mit dem Wasserschlauch von unten, ohne aufs Dach klettern zu müssen. Das ist nicht aufwendig.

derStandard.at: Man muss also nicht regelmäßig jäten oder sonstige Gartenarbeit am Hausdach leisten?

Puscha: Nein, gar nicht.

derStandard.at: Was ist der Vorteil eines Gründaches?

Puscha: Ein Gründach wird im Sommer nicht heißer als 24 Grad, im Vergleich dazu kann ein Stein- oder Ziegeldach bis zu 90 Grad heiß werden. Im Winter ist es eine zusätzliche Dämmung, die die Heizkosten reduziert.

derStandard.at: Geheizt wird in ihrem Musterhaus ja mit Infrarot-Wärme.

Puscha: Ja, am liebsten empfehlen wir eine Infrarotheizung aus unterschiedlichen Baustoffen wie Glas, Naturstein oder ähnlichem, das spart sehr viele Kosten. Es ist kein Kamin nötig, es gibt keine Wartungs- und Reparaturkosten und keine Rohstoffkosten, da wir den Strom ja selbst erzeugen. Ich kann mich für eine Wand- und/oder Deckenheizung entscheiden, im Vergleich von Erd- bzw. Luftwasserwärmepumpe oder Pellets zu Infrarot habe ich bei gleicher Investitionssumme die Heizkosten für 20 Jahre bereits im Investment mit abgesichert und eine klare Kostenkontrolle.

derStandard.at: Auf Wunsch bauen Sie aber auch herkömmliche Heizsysteme ein. Macht das Sinn?

Puscha: Naja, über Sinnhaftigkeit lässt sich diskutieren, es gibt aber immer noch Menschen, die eine Gas-, Öl- oder Holzheizung möchten und die können wir dann nur gut beraten - entscheiden müssen die Häuslbauer das selbst.

derStandard.at: Wie wird das Warmwasser produziert? Gibt es neben der Photovoltaik- auch eine thermische Solaranlage auf dem Dach?

Puscha: Für das Warmwasser bieten wir in der Regel zwei Systeme an - jedoch keine thermische Solaranlage, da dies die teuerste Anschaffungsvariante ist. Wir sagen, bis zwei Personen ist das effektivste und kostengünstigste ein elektrischer Durchlauferhitzer - hier gibt es keine Bevorratung, heißes Wasser wird nur produziert wenn es gebraucht wird, man hat keinen Platzverlust durch einen Speicher und es gibt genaue, transparente Kosten. Bei mehreren Personen empfehlen wir eine Luftwärmepumpe mit einem 300-Liter-Speicher, der arbeitet im Gegensatz zur Solaranlage 365 Tage im Jahr und hat sehr überschaubare Stromkosten.

derStandard.at: Um auch bei der Beleuchtung Strom zu sparen, kommt eine intelligente Lichtsteuerung mit Bewegungsmeldern zum Einsatz. Gibt es im gesamten Haus keine Lichtschalter?

Puscha: Die Steuerung kommt nur da zum Einsatz, wo Licht kurz gebraucht wird, also im Flur, im Treppenhaus und eventuell im Keller, wenn vorhanden. Wir beleuchten das gesamte Haus mit LED-Lampen und Spots und reduzieren dadurch unseren Lichtanschlusswert bei herkömmlicher Beleuchtung von 3200 Watt auf 700 Watt. (derStandard.at, 18. Mai 2011)

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Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3
hast1
10
14.6.2011, 00:04
"Durchschnittlich hat Österreich je nach Gebiet bis zu 300 nutzbare Sonnen- beziehungsweise Windtage."

durchschnittlich
je nach
bis zu

genial!!!

total öko halt

johannes fechner
00
Interessant, aber wo finde ich eine Auswertung der Energiebilanz im Betrieb?

pp1961
 
00
10.6.2011, 10:41
Ihre Onlinefrage in standard

Hallo Herr Fechner,
Sie suchen eine Energiebilanz im Betrieb, wie meinen Sie dass vom gesamten Haus wie wir es hier gebaut haben oder nur vom Gründach etc. bitte präzisieren Sie Ihre Frage und ich sende ihnen gerne eine Auswertung.

prusiner
01
19.5.2011, 09:45
etwas ganz naheliegendes

stromfressende Klimaanlagen in Gebäuden schaffen zunehmend ein Problem für die Stromproduktion im Sommer (z.B. bei Niedrigwasser ..) und in sonnenreichen Gegenden sowieso.

Eine relativ einfacher regulativer Eingriff könnte hier rasch Entspannung bringen: Klimaanlagen für Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäude sollen nur noch mit selbsterzeugtem Photovolataikstrom betrieben werden dürfen;

- wenn die Sonne scheint und Klimatisierung gewünscht wird, steht auch Strom aus PV zur Verfügung
- wenn die Sonne nicht scheint, dann ist die Klimatisierung auch nicht erforderlich
somit ist auch das ganze problematische Speicherthema lokal vom Tisch (wer will, kann trotzdem speichern)

das ganze als Systeme, bei denen der nicht selbst verbrauchte Anteil zu n

Reich sein muss sich lohnen!
00
19.5.2011, 10:49
Hier gibt es auch andere Konzepte:

Zum Beispiel "Solar Eis":

Dabei handel es sich um eine Wärmepumpe, die ihre Energie im Winter aus einem (vergrabenen) Wassertank zieht.

Im Sommer nutzt man dieses gefrorene Wasser zum kühlen (und "lädt" somit den Wassertank für den Winter auf)

http://www.isocal.de/

macmel
31
19.5.2011, 09:08
Photovoltaik

ist OK, das wird schon.
Aber diese 2 Windradeln sind ein Scherz.
Nach der Größe geschätzt ~200W (wohlwollend)
80 Kilowattstunden pro Jahr wenns gutgeht,
nach 5 Jahren sind sie kaputt.

SoWin1
00
19.5.2011, 10:50
Windkraft

Mit unseren 500w-Windkraftanlagen erzielen wir im österreichischen Raum je nach Lage zwischen 500 und 750 Kwh pro Jahr. Die Anlagen laufen 20 Jahre wartungsfrei.

planschmiede.at
00
22.5.2011, 14:46
interessant!

könnten sie vielleicht hier einige weiterführende links oder infos zu diesem thema posten? danke im voraus.

klar und deutlich
 
01
19.5.2011, 08:43
Super konzept.

Dieses Haus zeigt, dass man auch in Österreich seinen Energiebedarf selbst produzieren und damit Unabhängigkeit erreichen kann.

Mit Solarzellen an Dach und Fassade erreicht man eine maximale Ausnutzung der verfügbaren Sonnenenergie.

In der Nacht und im Winter kann man mit einem oder mehreren Windrädern Strom erzeugen.

Wichtig sind noch bessere Möglichkeiten Strom dauerhaft zu speichern. Bin sicher das hier die Technologie noch voran schreiten wird.

Der einzige Kritikpunkt ist das mir das Haus nicht so gefällt. Da ich keine Dachschrägen haben möchte, bevorzuge ich den Toskana-Stil.

PS: Man kann dieses Konzept natürlich auch auch auf den Wohnungsbau umlegen.

pp1961
 
00
20.5.2011, 10:19
alle Arten von Häusern können das Konzept nutzen

Hallo - ja ein Haus im Toscana Stil kann das selbe Konzept nutzen. Uns ist es wichtig darzustellen, dass sich heute eine Photovoltaikanlage bereits rechnet und das noch schneller je teurer der Strom wird - ein weiterer Punkt ist die Eigenverantwortung - viele schimpfen über die hohen Energiekosten, keiner macht was - dezentral Strom zu erzeugen und selbst zu nutzen muß die Zukunft sein, sonst wird Elektromobilität nie funktionieren. Die Netze sind heute schon an der Grenze der Belastung wie wird das erst aussehen wenn 10% oder mehr Menschen strombetriebene Fahrzeuge nutzen - also liebe Energieversorger auch für Euch ist es besser die private Stromerzeugung zu unterstützen und nicht sie zu blockieren!

Al Borland
01
19.5.2011, 11:12

Ja klar, warum soll man auch die Solarmodule zur Sonne ausrichten - es sieht doch viel hübscher aus wenn sie horizontal liegen.

Oder noch besser: ab in den Keller damit...

Pappa Joe
00
19.5.2011, 14:10

Man merkt Ihre hohe Profession beim erklären einfachster Sachverhalte; an den Jahren mit Tim Taylor :-)

SoWin1
00
19.5.2011, 10:53
Konzept ist auf andere Häuser übertragbar

Das Konzept ist natürlich auf andere Häuser auch übertragbar, und wir haben auch Häuser in anderen Stilrichtungen.

ora 600
00
19.5.2011, 10:24
toskana dach, ...

... na dann viel spass im winter , wenn sie die solarelemente vom schnee freischaufeln und dabei ev. noch beschädigen.

egal
00
19.5.2011, 08:14

stichwort überschusseinspeisung,

wie und wie lange wird der strom gespeichert wenn ich im Sommer den ganzen Tag in der Arbeit bin und am Abend kochen / TV schaun und wwi alles will sprich am meisten Strom verbrauche ? daran scheiterts doch bisjetzt.

SoWin1
00
19.5.2011, 10:56
Überschusseinspeisung

Es ist möglich, das Netz des jeweiligen Energieanbieters evtl. gegen ein Netzentgelt als Zwischenspeicher zu nutzen.

Erstversuch
00
19.5.2011, 13:18
Eine Netz speichert nichts!

Pappa Joe
00
19.5.2011, 14:08
Auf dem Papier schon.

SoWin1
00
19.5.2011, 14:03

einspeisen und entnehmen

Erstversuch
00
19.5.2011, 16:10
Der einzige Fall wo das klappt wäre wenn das Netz aus Supraleitern wäre denke ich

Würde aber teuer. Speziell die Kühlung jeder Leitung auf -70° würde viel Energie kosten.

Sonst gilt Kirchhoff: Summe aller Ströme im Netz = null was Sie reingiessen muss sofort entnommen werden.

fritz1004
00
21.5.2011, 11:08

Das ist aber jetzt schon klar, daß mit "Speichern im Netz" kein kapazitives oder induktives Energiespeichern gemeint ist. Das muß man schon in dieser Richtung falsch verstehen wollen, um dann demjenigem mit den Kirchhoffschen Gesetzen zu kommen...
Derartig spitzfindig interpretiert gibt es ja auch keine Energieerzeugung und keinen Energieverbrauch. Energieerhaltungsgesetz.
Und dennoch weiß jeder, was mit Energieverbrauch, Erzeugung, und wohl auch "Speicherung im Netz" umgangssprachlich gemeint ist.

Erstversuch
00
23.5.2011, 12:56
Na dann klären Sie mich auf.

Wenn in Norddeutschland der Wind geht und auf einmal ein paar Megawatt Leistung verfügbar sind, wo wird die gespeichert?

Spitz auf Augartenspitz!
00
21.5.2011, 10:13
Naja..

Supraleiter bei -70°C wären super, gibts aber nicht, oder?
Zur Einspeisung/Entnahme: Wird im Großen ausgeglichen. Sie müssen sich auch nicht beim Kraftwerk melden, wenn sie den Herd aufdrehn, oder?

Erstversuch
00
23.5.2011, 12:59
mea Culpa. Es wird ja noch schlimmer also noch weiter runterkühlen

BItte wie wird im großen ausgeglichen wenn an einem windigen Sonnentag auf einmal alle Sonnen und WIndkraftwerke anfangen einzuspeisen.

Heavyweather
00

dann werden Gaskraftwerke herunter gefahren.

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